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Unser Leben in Synanon
11. Drachenbootrennen des Anti-Drogen-Verein e. V. (ADV) um den Elefanten-Cup 2010

Sonntag, 20.06.2010 08:00 Uhr. Im Synanon-Haus in der Bernburger Str. 10 sitzen 25 Bewohner beim Frühstück und unterhalten sich aufgeregt. Alles scheint wie immer, doch heute ist einiges anders…

Heute ist der Tag, auf den wir seit Wochen hingearbeitet haben, heute ist der Drachenboot Elefanten-Cup des ADV. Wie jedes Jahr kämpfen 34 Teams darum, in 3 Anläufen auf 250 m Renndistanz, die schnellste Zeit und somit den Gesamtsieg einzufahren.

Das Wetter ist uns (wie immer beim Elefanten-Cup) wohl gesonnen und beschert uns strahlenden Sonnenschein. Die Liegewiese am See füllt sich nach und nach, und alle warten gespannt auf das erste Rennen. Um 10 Uhr ist es soweit, Synanon, mit der Startnummer 1, beginnt das Rennen gegen die Truppe „Das Amt“ vom Bezirksamt Spandau. Bevor wir in das Boot steigen kommen alle ganz eng zusammen und Uli stimmt alle noch mal ein:

„ Ruhe im Boot, Blick gerade aus und solange paddeln bis der Steuermann Stop sagt!“



Wir steigen ins Boot und los geht’s!

Auf dem Weg zum Ausgangspunkt üben wir noch mal einen Start. 4 – 10 – Übergang – und 15 Schläge hintendran! Der Steuermann gibt uns noch ein paar kleine Tipps während wir langsam an den Startpunkt gleiten. „Abstoppen und Paddel raus!“, schreit der Steuermann.

Jetzt geht’s los…

ARE YOU READY - (alle gehen mit ihren Rudern in die Auslage),
ATTENTION - (alle Ruderblätter ins Wasser)…
GOOO!!!...

Vier kräftige Schläge, 10 kurze Schläge, Ü-ber-gang und dann möglichst gleichmäßig im Rhythmus…



Steffen, unser Trommler, nimmt die Frequenz der Schlagleute auf und gibt den Takt vor. Der Start ist super, wir kommen gut weg und haben auf den ersten 30 Metern schon eine halbe Bootslänge Vorsprung. Jeder ist voll konzentriert und geht mit der Bewegung seines Vordermannes mit.

Das andere Boot ist nicht mehr zu sehen… Nach ca. 100 Metern merkt kaum einer im Boot, dass der Trommler nicht mehr trommelt, der Takt ist schon ins Blut übergegangen. Doch aus den Augenwinkeln sieht man plötzlich jemanden in der Nähe unseres Bootes im Wasser…

Es ist unser Trommler, und bevor man richtig realisieren kann was passiert ist, stößt eine kräftige und hohe Welle unser Boot zur Seite und alle 18 Paddler ins Wasser.

Wir hatten keine Chance… das Boot ist gekentert.

Das andere Boot hat die Welle schon kurz nach dem Start erwischt und versenkt. In wenigen Sekunden haben uns die Rettungsboote der DLRG umkreist und einige von uns aus dem Wasser gezogen. Die anderen versuchen mit dem Boot im Schlepptau ans Ufer zu gelangen. Das Boot ragt nur noch mit der Spitze aus dem Wasser und droht zu sinken.

Der Steuermann unseres Bootes taucht ab und befestigt ein Tau am Bug des Bootes um es mithilfe eines Motorbootes an Land zu ziehen. Völlig erschöpft erreichen wir den Steg am Ufer und suchen den Weg durch die schaulustigen Massen zu unserer Liegestelle. Nach wenigen Minuten kommt die Durchsage über die Lautsprecher „Das Rennen wird wiederholt wenn alle anderen Mannschaften ihre Rennen bestritten haben…genug Zeit zum ausruhen und Kraft tanken!

Die Stimmung ist gut, Musik dröhnt aus den Lautsprechern und allmählich erreicht uns eine einladende Wolke vom Grill, der am Eingang steht und unser Hungergefühl weckt. Gegrilltes Fleisch, Kuchen, Schokoriegel und natürlich Kaffee kann man gegen Essensmarken eintauschen.

Das Wiederholungsrennen rückt näher und so langsam versammeln wir uns am Steg. „Das Amt“ wartet schon und strotzt vor Selbstvertrauen. Doch unser Siegeswille ist stärker! Nach den anfänglichen Turbulenzen wollen wir es allen zeigen. Der Ablauf ist bekannt, wir kommen alle noch mal zusammen, legen unsere Hände aufeinander und schreien 3x laut: „Wer sind wir?…SYNANON!!! Wer sind wir?…SYNANON!!! Wer sind wir?…SYNANON!!!“



Wir paddeln zum Startpunkt und gehen in die Auslage…los geht’s! Der Start ist nicht ganz optimal, aber der Streckenschlag konstant mit einer guten Frequenz. Auf den letzten 50 m erhöhen wir noch mal das Tempo und erreichen mit 01:12:48 min die zweitbeste Zeit.

Zurück an Land erwartet uns schon das hauseigene Filmteam um Frau Unfried und stellt einige Fragen zum gewonnenen Rennen. Sofort finden sich gesprächsbereite Synanisten und geben ein Interview.



Die Wartezeiten zwischen den Rennen sind lang und werden durch diverse Angebote, wie z. B. die Übertragung des WM-Spiels Italien : Neuseeland oder das Stapeln von Cola-Kisten überbrückt. Ein mit Netzen umzogenes Gerüst schützt die Zuschauer vor herumfliegenden Kisten. Der Kandidat wird mit einem Seil gesichert und beim Einsturz des Turmes abgefangen. Zwei unserer Bewohner versuchen sich an der Herausforderung einen neuen Rekord aufzustellen und scheitern kurz vorm Ziel am Gleichgewicht der Kisten…



Im zweiten Rennen treten wir gegen SpritNix an, die im ersten Rennen die beste Zeit von 1:11:44 min hingelegt haben. Hoch motiviert und mit vollem Elan fahren wir auch diese Gegner in Grund und Boden. Diesmal ist der Start optimal gelaufen, aber die Frequenz war ausbaufähig. Die Zeit ist mit 1:12:80 min langsamer als unsere Erste. Trotzdem sind wir als Gewinner aus diesem Duell hervorgegangen. Uns ist allen klar, das letzte Rennen muss sitzen. Eine klare Zeit unter 1:11:00 min reicht um den Pott nach Hause zu holen.



Es ist soweit…

Das letzte Rennen des Cups, das Finale… Unser Gegner ist wieder das Team von SpritNix. Alle Teams stehen rund um den Steg, um das Rennen des Tages, Synanon vs. SpritNix, mit Begeisterung zu verfolgen. Unsere Zielrichtung ist klar, nicht nur gewinnen, sondern deutlich mit mindestens einer halben Sekunde Vorsprung ins Ziel zu rauschen.

Der Start ist kraftvoll, aber nicht perfekt…die Frequenz ist hoch und steigend…wir paddeln unermüdlich für den Sieg…der Vorsprung beträgt nach 100 m schon eine halbe Bootslänge…das Ziel kommt näher und näher…

Bei der Hälfte passiert es dann, da die Frequenz zu hoch ist, kommt das Boot aus dem Takt und verliert an Vorsprung und Zeit. Wir fahren zwar den Rennsieg ein, aber ob die Zeit gereicht hat, kann keiner genau sagen. Die Spannung wächst. Die genauen Zeiten werden bis zur Siegerehrung zurückgehalten und erst dann verkündet.



Der Verantwortliche des ADV rollt das Feld von hinten auf und beginnt mit den Schluss-Platzierungen. Jedes Team wird beglückwünscht und erhält einen kleinen Pokal. Die Spannung steigt ins Unermessliche umso näher die ersten Platzierungen kommen.

„Der dritte Platz geht an das Amt“ verkündet der Sprecher…

„Der Zweitplatzierte mit 3/10 Rückstand ist die STIFTUNG SYNANON!!!“

Die erste Reaktion unserer Paddler ist ein lauter Jubelschrei… Wir freuen uns, über die Leistung die wir gebracht und gezeigt haben… Darauf können wir stolz sein!

Gemeinsam verlassen wir die Siegerehrung und ernten Respekt der anderen Teams.

Und alle im Team sind sich einig…im nächsten Jahr ist der Pott unser…

Text: Sascha Radowicz, 27
Bilder: Synanon





Alle Jahre wieder - Weihnachten in Synanon

„Weihnachten“, was verbindet sich mit diesem Begriff? Welche Erinnerungen werden wach?

Heimlichkeiten, Geschenke, Julklapp, Überraschungen, Duft von Kerzenwachs, Plätzchen, Bratäpfel, Leckereien, Weihnachtsmänner,
„Nussknacker Suite“ von Tschaikowsky oder Friedrich Wolfs Geschichte vom Opernsänger Leopold, Peterle und der Weihnachtsgans Auguste.

Fest der Freude, der Besinnlichkeit, Fest der Familie und der Geborgenheit, glänzende Kinderaugen unter dem liebevoll geschmückten Weihnachtsbaum.



All das ist für viele von uns nicht selbstverständlich.
Zu oft waren diese Festtage begleitet von Kälte, Einsamkeit, Traurigkeit, Depressivität, Freudlosigkeit und Ausweglosigkeit.

„Wie wird es in diesem Jahr sein?“ Diese Frage stellten sich viele.

Einige Bedenken wurden schon während der Adventzeit aus dem Weg geräumt, weil alle mit in die Vorbereitung einbezogen wurden. Da gab es Männer, die nun ihre Aufgabe als Plätzchenbäcker sehr ernst nahmen, da gab es Floristen, die tolle Weihnachtsgestecke gestalteten, da gab es den Chor, der sich mit seinen Proben auf das Weihnachtsfest konzentrierte, da wurde gebastelt, getöpfert, gemalt, denn jeder sollte beim Julklapp ein Geschenk erhalten.



Die Festtage rückten näher und somit auch die Aufregung, die Spannung und Emsigkeit.

In kürzester Zeit wurde der Speisesaal so umgeräumt, sodass viele kleine Wohnzimmer den Raum füllten. Die Tische wurden festlich gedeckt und das Weihnachtsbüffet aufgebaut. Dann war es soweit.



Ruhe, Besinnlichkeit und Kerzenduft hielten Einzug. Der Chor erfreute mit seinem Programm, die Weihnachtsgeschichte (von Janosch, ebenfalls auf unserer Homepage zu finden) wurde vorgelesen und regte doch zum Nachdenken an.

Ein lautes Poltern ließ die Aufmerksamkeit in Richtung Tür lenken.



Gleich eine ganze Truppe von Weihnachtsmännern belagerte den Raum und nahm seine Tätigkeit auf.







Alle Geschenke, die unter der festlich geschmückten Tanne ihren Platz hatten, wurden nun verteilt. Nicht selten sorgten die Übergabe und das Öffnen für einen Lacher, denn nicht jeder kam ungeschoren davon. Man musste sich schon ein paar kritische Hinweise gefallen lassen, oder auch in seinem Hinterkopf nach einem Weihnachtsgedicht kramen. Es gab aber auch aufmunternde Worte.
Wärme, Zufriedenheit und Geborgenheit durchflutete den Raum, keiner war einsam oder traurig.



Das Gefühl der Ausweglosigkeit gab es nicht, denn wir hatten uns an diesem Tag, so wie auch an anderen Tagen.

Der krönende Abschluss war dann am Weihnachtstag das Festessen. Es roch nach Gänsebraten, Rotkohl, Klößen und Bratäpfeln, ganz so wie in der Geschichte von der Weihnachtsgans Auguste.

Gemeinsam mit Freunden und Bekannten wurde gespeist.
Es war ein gelungenes Weihnachtsfest, das wir für uns vorbereiteten und in vielerlei Hinsicht genießen konnten. Die glänzenden Augen, nicht nur der Kinder, sondern auch die der Erwachsenen sind Beweis genug. 

Eva W.


08.11.2009
Hertha BSC – Dankeschön für ein tolles Erlebnis!

Große Freude herrschte bei uns im Hause als wir erfuhren, dass wir 30 Ehrenkarten von der Geschäftsstelle von Hertha BSC für das Flutlichtspiel gegen den 1.FC Köln am 8. November 2009 erhielten – an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich vielen Dank dafür.

Im Olympiastadion herrschte trotz der momentanen Tabellensituation bei Hertha und den zwischenzeitlich sehr kühlen Temperaturen eine tolle Stimmung. Mehr als 40.000 Zuschauer incl. 30 Synanon-Bewohner (29 Hertha Fans und einer aus Köln) versuchten wirklich alles um Hertha zu einem Heimsieg zu verhelfen – leider aber vergeblich.

Hertha hatte an diesem Tag viele Chancen zum Sieg - Köln nur eine einzige - aber wie das im Fußball nun mal so ist: diese eine Chance hat zum 1:0 für Köln gereicht.

Unsere Bewohner gingen nach 90 Minuten Bundesligafußball daher mit leicht hängenden Köpfen aber trotzdem mit einem ganzen Bündel voller Eindrücke nachhause!

Nach wie vor sind absolut davon überzeugt, dass es Hertha noch schafft die Klasse zu halten!!

Wir drücken der Mannschaft alle Daumen!
















Besuch eines Handball-Bundesliga-Spiels, 27.09.2009

Ob wir zu einem Bundesliga-Spiel der Füchse gehen wollen, wurden wir von einem Sponsor gefragt. "Na klar, sehr gern sogar", überlegten wir nicht lange. 40 Karten für ein Top-Spiel zu erhalten, diese Chance bekommt man nicht alle Tage. Ca. 30 Bewohner Synanons waren begeistert, die restlichen 10 wurden "verpflichtet", was - wie immer in solchen Fällen - für "Stimmung" sorgte. "Es wird euch gefallen, wartet´s nur ab", waren die aufmunternden Worte von Ralph, unserem Verantwortlichen und Empfänger der Tickets. Was er sich daraufhin anhören musste, war wirklich nicht nett. Entschädigt wurde er später, denn alle, tatsächlich alle, waren nach dem Spiel restlos begeistert.

Ein Bericht von Rudi L. (einem von Anfang an Begeisterten):
Am 27.09.2009 war es endlich soweit. Lange hatten mehr als 40 Synanisten darauf gefiebert, zum Bundesligaspiel der Berliner Top-Mannschaft „Reinickendorfer Füchse“ heute Füchse-Berlin, gegen den oftmaligen Deutschen Meister „Frischauf Göppingen“ zu kommen.

Gemeinsam fahren wir zur „Schmeling Halle“ und die Stimmung war geprägt von Euphorie bis Neugier. Vor 7.816 Zuschauern entwickelt sich ein dramatisches Spiel, wobei in der ersten Halbzeit F.A. Göppingen die Nase vorn hatte.

Im zweiten Abschnitt des Spiels holten die Berliner auf, glichen aus und gingen bis zu 5 Tore in Führung, dank einer gesteigerten Leistung bis kurz vor Schluß. Am Ende jedoch verspielten die Berliner Füchse durch Leichtsinn und Überheblichkeit die bis dahin verdiente Führung. Am Ende hieß es 31:32 und wir Synanisten waren trotz der Niederlage unserer Heimmannschaft begeistert von diesem Highlight.

Ein Dank gilt dem Sponsor, der uns die Teilnahme an diesem Event zuteil werden ließ.


Klavierkonzert, 26.09.2009

Es sollte ein Versuch sein und wir haben lange überlegt, ob wir Niclas die Bühne für ein Klavierkonzert geben können. "Ich bin Klaverspieler, schon immer gewesen", beteuerte er stets. Nun ist es so, dass viele der Menschen, die zu uns kommen, schon sonstwas behauptet haben, mal gewesen zu sein. Bei Niclas - und das konnten wir schon bald hören - schien es doch wahr zu sein.

Schon bald hatte er Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen, denn Klaviere haben wir - dank spendabler Umzugskunden - schon lange. Und was zu hören war, hörte sich wirklich gut an. Nach reiflicher Überlegung wollten wir Niclas´ sehnlichsten Wunsch erfüllen und ihm erlauben, ein Konzert für uns zu geben. "Erstmal nur für uns, für Freunde und Verwandte", beschlossen wir. So etwas muss ja lange geplant werden, Einladungen müssen verschickt, Räumlichkeiten bestimmt und das ganze Drumherum bis hin zur Bewirtung organisiert werden.

"Was, wenn Niclas morgen nicht mehr da ist, wenn er es sich kurz vorher anders überlegt und Synanon verlässt? Auch für Niclas´ eigene Entwicklung ist es wichtig, sich in der ersten Zeit in Synanon nicht mit Dingen zu beschäftigen, die er gut kann. Das ließ schon so manchen übermütig werden. Ganz von vorn anfangen, sich und die Umwelt aus einem anderen Blickwinkel betrachten, neue Erfahrungen sammeln, darauf kommt es zunächst an. Was uns darüber hinaus bewog, für Niclas eine Ausnahme zu machen, war die Tatsache, dass er Hannah (4) seit einiger Zeit Klavierunterricht gibt.



Hier nun also der ungekürzte Bericht eines Mitbewohners vom Konzert:

Gelungene Gala mit Gershwin
(von Klaus-Peter W.)

Und alles hat am Ende sich gelohnt…!? Hatte er nicht reichlich dick aufgetragen? Hatte er nicht stark übertrieben? Wollte er uns womöglich einen gewaltigen Bären aufbinden? Hatte er die Absicht – wozu die meisten Süchtigen neigen – uns „abzuziehen“? Verdient er wirklich die Bezeichnung „Pianist“ oder hat er nur in irgendwelchen polnischen Kaschemmen und englischen Pubs stümpernd geklimpert : „Bier ist die Seele vom Klavier“; dabei jedoch nicht virtuos die Tasten bedient, sondern virtuos gesoffen? Fragen über Fragen…



Sie wurden fast alle beantwortet in jenen 70 Minuten im (Synanon-) Jugendhaus in Karow. Wer ist er? Ein seit viereinhalb Monaten in Synanon lebender Mitbewohner namens Zdzislaw (Niclas) Kuzminski, der anlässlich des 111. Geburtstages des berühmten amerikanischen Komponisten George Gershwin für uns ein Klavierkonzert gab und bisher auf die ihm immer wieder von uns gestellte Frage, was er, Niclas, 61, denn eigentlich könne und womit er seinen Lebensunterhalt verdiente, stets, mitunter fast trotzig antwortete: „Ich bin Klavierspieler und kann nichts anderes.“

Wir, die zwanzigköpfige Zuhörerschaft waren gespannt, was da auf uns zukommt. Und wir wurden nicht enttäuscht. Es war eine ziemlich starke musikalische Woge, die uns da überrollte. Wir waren regelrecht überrascht! Es war von Anbeginn faszinierend und über weite Strecken wahrhaftig mitreißend, wie unser (!) Pianist diese Musik `rüberbrachte. Das war Rhythm and Blues, Ragtime und Swing. Das war moderne Klassik. Das ging nicht nur ins Ohr und in die Beine – was wurde da mitgesummt, geschnippt und mit den Füßen gewippt  - sondern war auch optisch ein Genuß, wie Niclas an einigen Stellen in die Tasten haute.



Freilich ist ein Klavierkonzert nicht jedermanns Sache – noch dazu, wenn man bedenkt, dass der Komponist Gershwin ja auch nicht sooo berühmt ist. Aber: Live ist live! Und zweitens: die Performance war von einem aus unseren Reihen; drittens schließlich: Eintritt frei! Und nicht zu vergessen: Im Grunde war George Gershwin ein Wegbereiter der Rockmusik, die in ihren Anfängen und bis heute immer wieder ihre Wurzeln im Blues sucht und findet.

Genau das hat Niclas in seinem Konzert ganz toll dargestellt, sowohl in seinen kurzen Erläuterungen, in seinen eigenen Bluesstücken als auch und vor allem in seiner Interpretation bekannter Gershwin-Werke. Da kann man mal sehen (und hören), was möglich ist, wenn ein Alkoholiker viereinhalb Monate nüchtern und clean ist, die Synanon-Gemeinschaft ihm großzügige, bis dahin fast undenkbare Möglichkeiten zum Üben einräumt und allerorten auf seine Befindlichkeiten Rücksicht genommen wird.



Der Beifall war nach 70 Minuten virtuosem Klavierspiel (ohne Noten!) dementsprechend laut und langanhaltend. Bravo, bravissimo, Niclas! Beim angekündigten Weihnachtskonzert wird der Saal wohl voll sein.


Rührend: Hannah (4), seine Schülerin, überreicht Niklas zum Dank für einen tollen Konzertnachmittag Blumen.


Alle Neune für die Transporter

Bowling als Freizeitaktivität erfreut sich bei den Transportern großer Beliebtheit. An einem Samstag Anfang August dieses Jahres und nach getaner Arbeit war es mal wieder soweit. Die Mitglieder des ältesten Synanon-Zweckbetriebes trafen sich, um gemeinsam eine ruhige Bowlingkugel zu schieben. Dass dort auch ein Buffet wartete, war für jeden ein mindestens genau so wichtiger Aspekt zu kommen.


Zum zweiten Mal in diesem Jahr stand wieder eine Aktivität für die Mannschaften
aus dem Zweckbetrieb Umzüge auf dem Plan. Nachdem unser Bereichsleiter Ulrich die Bahnen gemietet hatte stand nur noch eine Frage im Raum: Gibt es dort auch Essen?


Die Umzügler sind bekannt für Ihren großen Appetit . Ist ja auch verständlich, bei dem, was unsere Jungs so Tag für Tag durch die Gegend schleppen. Wobei die letzten Tage und Wochen besonders hart waren. Natürlich war die Essensfrage Bestandteil der Planung - schließlich hat Ulrich bald 20 Jahre Synanon-Erfahrung.

Nun galt es nur noch, den Antrag vom Vorstand genehmigen zu lassen. Gesagt, getan, für gut befunden. Gemeinsame Aktivitäten, die von den Bereichen auch noch selbst geplant werden, sind durchaus gewollt und werden, wenn sich die Kosten im Rahmen halten, auch immer befürwortet.


Am Samstag, den 8. August gegen 18 Uhr war es dann endlich soweit. Für uns war eine riesige Tafel gedeckt, an der wir gleich Platz nehmen durften. Und auch das Buffet ließ keine Wünsche offen - es war gut und reichlich. Dann ging es für zwei Stunden auf die Bahnen. Gebowlt wurde natürlich immer mit einem Seitenblick auf die Bahn nebenan. Wir hatten viel Spaß dabei. Abschließend wurden unter großem Applaus die Sieger geehrt und die Urkunden verteilt. Gut gelaunt und gesättigt von dem tollen Essen fuhren wir wieder zurück ins Synanon-Haus.

Ralph Sch.


Dampferfahrt - Ein Zweckbetrieb geht auf "große Fahrt".

Bereichsaktivitäten sind seit vielen Jahren schon fester Bestandteil des Synanon-Lebens. Jeder Zweckbetrieb oder Hausbereich plant zwei bis drei solcher Aktivitäten im Jahr selbstständig und ohne Mithilfe der Hausleitung oder des Vorstandes. Einzige Bedingung ist, dass an dieser Aktivität alle Mitglieder des jeweiligen Bereiches teilnehmen und dass eine genaue Kostenkalkulation zur Bewilligung beim Erweiterten Vorstand eingereicht wird. Der Zweckbetrieb Clean up, übrigens der Bereich mit den meisten Mitgliedern, hat sich diesmal für eine Dampferfahrt entschieden, die vor einigen Tagen bereits stattgefunden hat. Wir wollten wissen, wie es war:

Mal was anderes! Endlich war es soweit. Samstagnachmittag bei schönstem Spätsommerwetter bestieg der ganze Zweckbetrieb „Clean up“ einen Ausflugsdampfer der Stern & Kreisschifffahrtsgesellschaft, um eine vierstündige Brückenfahrt bei Kaffee und Kuchen zu genießen. Los ging es an der Jannowitzbrücke, über die Ober- und Mediaspree, durch Kreuzberg und Treptow, auf dem Landwehrkanal weiter Richtung Tiergarten, durch das Regierungsviertel und zurück.

Manch einer der Synanisten und deren mitgekommenen Angehörigen bzw. Freunde waren doch erstaunt, wie schön und abwechslungsreich Berlins Wasserstraßen sind. Zudem wir „Clean uper“ täglich mit unseren Kleinbussen unterwegs sind und viele Objekte, auch solche, die wir reinigen, so aus völlig ungewohnter Perspektive bewundern konnten.

Die vielen Eindrücke und ein gemeinsames Abendessen, welches unsere heimische Küchencrew etxra für uns zubereitet hatte, ließen den schönen Tag ausklingen und bei manch einem den frisch erworbenen Sonnenbrand vergessen.


Individualurlaub

Wenn man länger als drei Jahre in Synanon gelebt hat und vorher auch mindestens einmal Gruppen-Verantwortlicher in einem Gemeinschaftsurlaub war, sollte man sich - auch das gehört zur Lebensschule Synanon - auf dem Gebiet auch mal allein ausprobieren. Sebastian lebte schon fast 6 Jahre in Synanon, bis er sich traute. Hier nun sein Bericht.


Durch mein bisheriges Leben habe ich noch nie alleine in einem fernen Land Urlaub gemacht. In meinen früheren Urlaubstagen war ich wie immer auf der Jagd nach Drogen und nach allem, was „high“ macht. Das Geld für einen Urlaub hatte ich nicht. Daher war die Aufregung vor meinem Ägypten-Urlaub richtig groß. Ich habe mich nicht getraut, einen 2- Wochen-Urlaub zu buchen. Daher habe ich mich für einen 8-Tage-Aufenthalt entschieden.


Ich muss echt sagen, dass alles perfekt war. Der Flug, das Hotel, das Essen und das Land waren einfach nur einzigartig. Nüchtern konnte ich Dinge sehen, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe. Das Schnorcheln im Meer und die Farbenvielfalt, die man hier sehen konnte, haben meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Ich habe mich noch nie so frei und so gut gefühlt wie in diesen acht Tagen. Leider hat aber alles ein Ende. 



Auf jeden Fall freue ich mich auf den nächsten Urlaub. Vielleicht in einem anderen Land-aber sicherlich nüchtern. Ich danke Synanon für dieses einmalige Erlebnis und kann nur jedem sagen, dass auch ein drogenfreies Leben Spaß machen kann.

Sebastian L.
 


 

08.08.2009
Beachvolleyball am Gleisdreieck

Aufschlag – Annahme – Baggern – Pritschen – und Ball rüber auf die andere Seite... Uff, das war anstrengend genug und nur ein einziger Spielzug!

Volleyball in der Halle ist ja schon ziemlich schweißtreibend, aber wie ist es erst im Freien, in knöcheltiefem Sand, bei 30 Grad im Schatten und unbarmherzig brennender Sonne?

Wir wollten es wissen! Nach fünfeinhalb Tagen Arbeit in der Woche unterziehen wir uns diesem Härtetest, dieser Strapaze in unserer Freizeit. Einige von uns waren „auf Strecke“ erst einige Wochen oder Monate trocken und clean.



Nein, nein, es ist durchaus der vielzitierte „Fun-Faktor“ mit im Spiel. Uns lockte die Anfang Juni eröffnete „Beach-61-Volleyball-Anlage“ nahe dem Gleisdreieck, inmitten der City, nur eine Viertelstunde Fußweg von unserem Synanon-Haus entfernt.

Also sehen wir unsere sportliche Betätigung im Freien als Ausgleich zur mitunter monotonen täglichen Arbeit. Außerdem gilt auch hier der oft gehörte Spruch: „Die Teilnahme ist entscheidend – nicht der Sieg.“



Die Stimmung vor Ort während der ersten beiden Aktivitäten einer kleinen Schar unerschrockener (unentwegter?) Beach-Fans aus unserer Suchtselbsthilfegemeinschaft war sehr gut, obgleich uns ein dürftiger Platz am Rande der Anlage gleich neben stachligem Gebüsch zugewiesen wurde. Aber wartet’s nur ab, sagten wir uns, noch dreimal Training und wir spielen so souverän, dass wir uns den besten Platz selbst aussuchen können. Na, jedenfalls war unser Enthusiasmus schier ungebrochen, wir hatten riesigen Spaß und Bock auf mehr. Apropos mehr: Da fällt mir Meer ein - schöner wäre sicher so ein richtiger „Beach“, d. h. mit See oder gar Meer in Sicht- und
Reichweite. Ist es aber nicht, und so begnügen wir uns mit anschließendem Duschen und witziger Spielanalyse:

„Mensch Markus, fass den Ball doch endlich mal richtig an und nicht wie ein rohes Ei!“ Oder: „Werner, du oller Wühler, du solltest den Ball übers Netz befördern und nicht selber wie ein Fisch drin zappeln!“



So viel sei verraten: Wir bleiben am Ball und haben uns vorgenommen, jeden Samstagnachmittag – wenn möglich bis zum ersten Frost – zu spielen. Unsere Motivation sind dann immer wieder neue Sprüche zum Schmunzeln wie:

Wirklich wohl wird sich nur fühlen,
wer heftig kann im Sande wühlen.

Jedermann kapiert’s im Nu:
Beachvolleyballern ohne Schuh’.

Und schließlich gilt es zu begreifen,
löchrige Socken abzustreifen!

In diesem Sinne: Synanisten, ’ran ans Netz!
    Aufschlag – Punkt – Satz – und Sieg!

Klaus-Peter W.


Urlaub in und mit Synanon (27.06.2009 - 11.08.2009)

Am 27. Juni war es dann endlich so weit - mein erster dreiwöchiger Gemeinschaftsurlaub in unserem Ferienhaus in Steinhagen bei Stralsund konnte beginnen.

Die Vorbereitungen dazu liefen schon fast ein halbes Jahr vorher an.
Es war zu klären, wer in den einzelnen Gruppen mitfährt und zu welcher Zeit diese stattfinden. Auch Zuständigkeiten wie Hauptverantwortlicher, Kassenwart oder auch Fahrer, sowie die Zimmerbelegung wurden schon frühzeitig geplant.

Unsere Gruppe bestand aus acht Mann und setzte sich aus allen Altersgruppen zusammen.

Obwohl man ab dem dritten Urlaub in Synanon allein in den sogenannten Individualurlaub fahren kann, entschieden sich doch einige der langjährigen Synanonbewohner auch in diesem Jahr wieder gezielt für einen Urlaub in der Gemeinschaft.

Und diese Gemeinschaft erlebte ich als eines der wichtigsten Merkmale des Urlaubs.
So wurden auch hier im Ferienhaus alle Entscheidungen zusammen getroffen und alle anstehenden Aufgaben unter uns verteilt. Neben dem Frühstücksdienst hatte ich somit auch fast täglich die Gelegenheit, mit Frank das Abendessen zu kochen und mir dabei von ihm jede Menge Tipps und viele Tricks abzuschauen.

Am Anfang hatte ich, wie einige andere von uns auch, noch Schwierigkeiten zur Ruhe zu kommen. Den ganzen Tag selbständig und eigenverantwortlich gestalten zu können, ist sowohl ein Luxus als auch eine Aufgabe.

Unsere gemeinsamen Unternehmungen wurden zusammen beim Essen besprochen und geplant. So besichtigten wir unter anderem die ehemalige Raketenversuchsanstalt in Peenemünde, das einstige KdF-Bad Prora und die Steilküste mit den Kreidefelsen. Für viele von uns war der Besuch der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek, einer Freilichtbühne direkt am Bodden, der unvergessliche Höhepunkt unserer Aktivitäten.

Aber auch unsere individuellen Wünsche kamen nicht zu kurz. Da wir sehr gutes Wetter hatten, konnten wir in kleinen Gruppen auch viel Zeit am Strand verbringen.
Zum Einkaufen und Bummeln ging es mehrmals ins benachbarte Stralsund, wo wir auch einen schönen Kinoabend verlebten.

Für mich verging die schöne Zeit leider viel zu schnell. Aber eins ist sicher, mein nächster Urlaub ist bestimmt wieder ein Gemeinschaftsurlaub in und mit Synanon - und dann vielleicht selbst als Verantwortlicher ...

Robby D.


21.04.2009

Frühlingserwachen zu Ostern

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen zog es uns an den Ostertagen natürlich raus in die Natur. Am Ostersonntag z. B. versammelten sich Jung und Alt am Poloplatz in Berlin-Frohnau, dem Sitz unseres Zweckbetriebs Reitschule, zum Ostereier suchen und Ponny-Reiten für die Kinder und zu Sport und Spiel sowie Grillen für alle. Die Mitglieder des Umzugs-Teams nutzten die Osterfeiertage für einen gemeinsamen Aufenthalt im Feriendomizil in Steinhagen. Gut gelaunt und erholt kehrten alle von ihren Ausflügen zurück.

Ostersonntag am Poloplatz in Berlin-Frohnau: Es war mal wieder eine logistische Herausforderung am Morgen des diesjährigen Ostersonntags, als sich Jung und Alt samt Kind und Kegel vom Synanon-Haus in Berlin-Kreuzberg auf den Weg machten. Das Ziel war der Berliner Norden, genauer gesagt der Sitz unseres Zweckbetriebs Reitschule in Berlin-Frohnau. Die Vorstellung war reizvoll. Auf dem von prächtigen Kastanienbäumen umsäumten Rasenoval des Poloplatzes wollten wir gemeinsam einen schönen Tag verbringen. Eingeladen hatten wir dazu auch Verwandte und Freunde.

Schon auf der Fahrt dorthin freuten wir uns über den strahlend schönen Sonnenschein, über den wolkenlosen Himmel und über die Verheißung des Wetterberichtes, dass es so bleiben sollte. Sport und Spiel im Freien stand also nichts im Wege.

Unsere Jüngsten waren schon Tage vorher und ganz besonders auf der Fahrt dorthin ganz aufgeregt und konnten es kaum erwarten, endlich die versprochenen Ostereier suchen zu können. Schon bald nach unserer Ankunft hatten sie nicht nur alle Hände voll zu tun, sondern auch alle Hände voll zu tragen.

Schnell waren auch Fußball-, Volleyball- und Federballfelder aufgebaut mitsamt ihren Toren, Körben und Netzen aufgebaut.
Nachdem die Fußballer sich warm gespielt hatten, fand das angekündigte Turnier statt. Die Begeisterung darüber war auch nicht zu überhören. Torhüter Andreas war am Ende ein gefeierter Star, der nicht nur die Tore des Vorstandes hielt, sondern auch fast alle anderen.

An anderer Stelle wurde schon einmal der Grill angeworfen. Der verheißungsvolle Duft von Gegrilltem war einfach verlockend. Mitgebracht hatten wir aber auch Salate, Obst und Säfte, die darauf warteten, verzehrt zu werden. Endlich war es soweit. Das Grillbuffet wurde eröffnet und alle ließen es sich schmecken. Wir hatten Zeit für Gespräche, für Spaß und für Muße. Die Stimmung konnte besser nicht sein.

In harmonischer und zufriedener Stimmung traten wir dann gemeinsam gegen 17 Uhr die Rückfahrt in die Bernburger Straße an. Überall waren glückliche, zufriedene und von der Sonne gebräunte Gesichter zu sehen. Einig waren sich alle: Dieser Ostersonntag wieder mal eine schöne, erholsame und geglückte Feiertagsaktivität in Synanon wie sie besser nicht sein konnte.

syn



Wie leben Frauen und Kinder in Synanon?


Mit „Mut zum Neuanfang“, appellieren wir in unserem Flyer an süchtige Frauen und Mütter, sich aus dem Teufelskreis der Suchtmittelabhängigkeit zu befreien und zu uns zu kommen.

Wenn sie diesen Schritt endlich wagen, haben sie mitunter schon einen sehr langen Leidensweg hinter sich. Zur Ruhe kommen. Kraft für einen Neubeginn finden. Viele der Frauen, die mit oder ohne Kinder zu uns kommen, wünschen sich das am meisten. Bei uns erhalten sie die Möglichkeit dazu. Ausgewählte Mitglieder der Gemeinschaft, wir nennen sie Paten, stehen ihnen von Anfang an zur Seite, helfen über erste Schwierigkeiten hinweg und kümmern sich um die Kinder.

Überhaupt: Wenn sich Mitglieder der Synanon-Gemeinschaft in einem Punkt ihres Zusammenlebens vollkommen einig sind, dann betrifft es das Wohlergehen der Kinder, denn darüber wird stets mit Argus-Augen gewacht. Zunächst gilt es aber, Voraussetzungen zu schaffen, die den Frauen und Kindern helfen, ihren Platz in unserer Gemeinschaft zu finden. Ganz wichig ist es dann in der ersten Zeit, die räumlichen Verhältnisse so zu gestalten, dass sich alle wohl fühlen und für einen längeren Zeitraum einrichten können.

Parallel dazu werden Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge eingeleitet, behördliche Angelegenheiten geklärt und die Kinder in der benachbarten Fanny-Hensel-Schule mit integriertem Hort und Kita angemeldet. Das Verhältnis zu den Lehrern und Erziehern dieser Schule ist überaus vertrauensvoll. Auf jedes unserer Kinder gehen sie stets liebevoll ein und sind darüber hinaus behilflich bei der Vermittlung von therapeutischen und sonstigen Fördermaßnahmen, die zur körperlichen und seelischen Gesundung unserer Kinder beitragen.

In unserer Gemeinschaft leben weitaus weniger Frauen als Männer. Warum das so ist, können wir nur vermuten. Vielleicht liegt es daran, dass Suchtverhalten bei Frauen in der Gesellschaft noch immer anders bewertet wird als bei Männern. Frauen scheuen sich oft davor, sich und anderen ihr Suchtproblem einzugestehen. Vor allem möchten jene, die Kinder haben, diesen die gewohnte Umgebung erhalten, die sie aufgeben müssen, wenn sie zu uns kommen. Dieser Teufelskreis schließt sich oft nur dann, wenn andere für sie eine Entscheidung treffen, wie es jüngst bei Hanka und ihren drei Kindern der Fall war, denn das Jugendamt hatte die Familie an uns verwiesen. Wie viele vor ihr auch sagt Hanka heute, dass diese Entscheidung die seit langem beste war.

Einige Frauen unserer Gemeinschaft kämpfen darum, das Sorge- oder Umgangsrecht für ihre Kinder wieder zu erlangen. Dabei sind wir ebenso behilflich wie auch bei der Vermittlung in spezielle Therapieeinrichtungen, wenn z. B. starke psychische Erkrankungen der Frau selbst vorliegen oder wenn die Begleitung durch Fachkräfte bei massiv gestörten Mutter-Kind-Beziehungen dringend erforderlich ist. Jede Frau bringt ihr Schicksal mit, das ihr ganz eigenes ist und das doch dem der anderen ähnelt. Sie machen es sich oft nicht leicht, sowohl miteinander in ihrem geschützten Bereich als auch in der großen Suchtselbsthilfegemeinschaft Synanons zu leben. Und dennoch eint und trägt die Frauen in Synanon der Wille, gemeinsam einen Weg in ein nüchternes und selbstbestimmtes Leben zu finden.

Frauen mit Kindern sind überaus wichtig für die Synanon-Gemeinschaft. Mit ihrer Persönlichkeit, ihren Erfahrungen, ihrer Sensibilität und ihrem Engagement bereichern sie die ansonsten sehr von Männern dominierte Gemeinschaft ganz entscheidend.
Sie lernen, sich zu behaupten und ihren Platz zu finden. Je mehr Frauen und vor allem Kinder im Synanon-Haus leben, um so ausgeglichener und emotional stärker ausgeprägt funktioniert das Zusammenleben. Das dies so ist, müssen auch die Mitglieder der Gemeinschaft, die dieses Thema gern mit einem Aber beginnen, an dieser Stelle einfach eingestehen.





"Schön wie immer war´s bei uns zu Weihnachten und Silvester", sind sich alle einig.

Einer der Höhepunkte des Lebens im Jahr der Synanongemeinschaft ist sicherlich das Fest am heiligen Abend im großen Speisesaal.

-> Hier gibts mehr zum Thema und ganz viele Bilder...



Countdown für Synanon-Fußballer

Am 31. August begann für uns die neue Saison in der Drogenliga-Kleinfeldmeisterschaft.

Nachdem wir im April mit 4 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer in die Rückrunde gestartet sind und danach beinahe jedes Spiel verloren hatten, ist unser Ziel klar: Wir wollen unbedingt zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte Meister werden.

Um dies zu schaffen, haben wir nicht nur ein neues Team aufgestellt, haben wir vor allem aber ein Trainingsprogramm ausgearbeitet, dass es nun auch neuen Bewohnern unserer Gemeinschaft ermöglicht, noch vor Beendigung der Kontaktpause am Fußballtraining teilzunehmen. Seit einigen Jahren schon trainieren wir regelmäßig jeden Donnerstagabend von 19 bis 21 Uhr auf einem Kunstrasenplatz direkt in unserer Nähe. Auch bieten wir seit Beginn der Rückrunde im Frühjahr jeden Montag- und Freitagabend ein Lauftraining an sowie ab zweimonatiger Synanon-Zugehörigkeit Zirkeltraining am Ball. Zusätzlicher Motivationsschub sind die neuen Trikots, die wir uns zugelegt haben.

Wir freuen uns stets über neue Gesichter in unserer Mannschaft, denn der individuelle Spielwitz jedes Spielers macht es unseren Gegnern schwer, erfolgreich den Platz zu verlassen. Auch streben wir an, künftig noch mehr Mitglieder unserer Suchtselbsthilfe, die nicht dem Team angehören, für unsere Sonntagsspiele als anfeuerndes Publikum zu begeistern. Durch die Anfeuerungsrufe können wir erfahrungsgemäß ungeahnte Kräfte freisetzen. Ein weiterer positiver Effekt dabei ist, dass diese Aktivitäten das Gemeinschaftsgefühl stärken.

Wir hoffen nun auf eine bessere Saison mit vielen Highlights für uns und unser Publikum.

Sascha R.


Supercup im Sommer 2008: Angespanntes Warten auf Spielbeginn.



Clean-Geburtstag

Clean-Geburtstage werden bei uns gefeiert. Mit einer Torte, Kerzen und vor allem Gästen, die daran teilhaben. Die Tage und Wochen vor dem ersten Clean-Geburtstag sind für viele in Synanon so aufregend, dass sie die Nächte davor kaum Schlaf finden. Die Gedanken kreisen. Es ist bei uns Tradition, dass man an seinem ersten Clean-Geburtstag einem Kreis von Mitbewohnern seine Lebensgeschichte erzählt. Am 5. Clean-Geburts-
tag dann ist es ein ungeschriebenes Gesetz, noch einmal den „Blaumann“, das heißt die Latzhose, die alle neuen Bewohner tragen, wenn sie noch in der Hauswirtschaft sind, anzuziehen und einen Tag im Team der Hauswirtschaft zu verbringen. Die tiefe Symbolik, die dahinter steckt, erdet, stimmt nachdenklich, dankbar und manchen vielleicht auch demütig. Da es in unserer Gemeinschaft nicht allzu oft vorkommt, dass jemand seinen 5. Clean-Geburtstag auch noch bei uns feiert, war die Aufmerksamkeit der Gemeinschaft, die Sebastian beim Mittagsseminar am 22.03.2008 - seinem 5. Clean-Geburtstag - zuteil wurde, eine ganz besondere.



Mein 5. Clean-Geburtstag

Mein Name: Sebastian
Ankunft in Synanon: 22.03.2003
Körpergröße: 180 cm
Körpergewicht: 65 Kg

Bevor ich zu Synanon gekommen bin, habe ich 20 Jahre lang Drogen konsumiert. Mit 15 habe ich angefangen, legale und illegale Drogen zu nehmen. Ich habe soviel ich nehmen und bezahlen konnte eingenommen. Durch den Drogenkonsum waren die meisten meiner Zähne kaputt und auch sonst war ich körperlich und geistig am Ende. Nicht mal einen noch so kleinen Satz aus einem Buch konnte ich mir merken.

Bevor ich hier in Synanon angekommen bin, habe ich festgestellt, dass Schmerzen auch gut sein können. So habe ich angefangen, mich mit einer Rasierklinge oder einem Messer zu ritzen. Ich war total fertig.

Die ersten Monate in Synanon waren sehr schwierig, weil ich mir nicht vorstellen konnte, ohne Drogen zu leben. Am Anfang bin nur geblieben, weil ich nirgendwo anders hin konnte. Alles ist mir schwer gefallen und ich fand das Leben langweilig und blöd. Nach der ersten Zeit in der Hauswirtschaft bin ich zu Clean up (Zweckbetrieb Reinigung) gekommen und habe mit fünf anderen süchtigen Menschen den ganzen Tag lang Reinigungsarbeiten durchgeführt. Unsere Touren zu den Objekten führten uns quer durch Berlin.

Es hört sich vielleicht verrückt an, aber genau das hat mir geholfen. Wir haben alle Arbeiten zu aller Zufriedenheit durchgeführt. Stets waren wir bemüht, das Beste zu geben und was am Ende dabei rausgekommen ist, konnte sich wirklich sehen lassen. Natürlich gab es immer wieder mal Konflikte und Meinungsverschiedenheiten. Diese wurden dann auf den Gruppen ausgeräumt und ausdiskutiert. Natürlich ist das nicht immer sofort gelungen und manchmal, nein, ziemlich oft sogar, dachte ich daran, einfach alles aufzugeben. Aber was dann?

Es war eine Zeit voller Höhen und Tiefen. Es wurde viel gelacht und viel geweint. Viele Menschen habe ich kommen und auch wieder gehen sehen. Erstaunt hat mich, dass es tatsächlich Menschen gibt, die lieber ins Gefängnis gehen, anstatt bei uns zu bleiben.

Auf einmal war dann ein Jahr vorbei. Ich hatte neue Zähne und mein Körpergewicht hat sich normalisiert. Fast auf jeden Fall. Ich hatte auf einmal 95 kg. Vor allem ist etwas passiert, was ich mir nie hätte vorstellen können. Ich hatte wieder Spaß am Leben, konnte mit Freude schwimmen, Volleyball spielen oder in die Sauna gehen, ohne Rauschmittel oder irgendwelche andere Substanzen zu nehmen. Ein Gefühl der Freiheit kam in mir auf, das ich schon lange nicht mehr kannte.

In Synanon wird man permanent aufgefordert, weiter zu gehen und nicht stehen zu bleiben. Ich hatte Gespräche mit der Hausleitung und mit Leuten, die länger hier waren. Sie haben mir geraten, eine Ausbildung zu machen. Ich konnte verschiedene Berufsbilder im Praktikum ausprobieren und ich entschied mich dann dafür, eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann zu machen. Ich hatte ja mit vielem gerechnet, als ich zu Synanon gekommen bin. Aber das war etwas ganz Besonderes für mich. Durch den frühen Drogenkonsum hatte ich lediglich einen Hauptschulabschluss aufzuweisen. Zwischenzeitlich war ich 37 Jahre alt und noch immer ohne Berufschulabschluss. Nicht im Traum hätte ich erwartet, dass mir jemand die Möglichkeit gibt, eine Ausbildung machen zu können.

Über meinen ersten Schultag, der für mich sehr aufregend war, hatte ich ja schon einmal in einer der vorherigen Ausgaben berichtet wie auch darüber, dass ich die Ausbildung mit der Hilfe der Gemeinschaft bestanden habe. In der Zeit wurde ich Hausverantwortlicher und die Lust am Leben wurde nicht weniger. Ich fing an, Salsa zu tanzen. Zum ersten Mal machte ich gewisse Dinge in meinem Leben nüchtern. Eine Frau zum Tanzen aufzufordern, war für mich schon eine riesige Hürde. Da ich aber Tanzen wollte, musste ich auch diese nehmen. In schwierigen Situationen war die Gemeinschaft immer für mich da. Ich kann nicht sagen, wem ich hier am meisten danken sollte. Es waren so viele Menschen da, die zuhörten, die mich immer durch das Vorhalten des Spiegels an das Wichtigste, nämlich meine Sucht, erinnerten.

In der Zeit hier in Synanon habe ich so viele Dinge gelernt, dass man alle gar nicht aufzählen kann. Für mich ist das Wichtigste aber, immer nüchtern zu sein. Ich habe fast keine Schulden mehr, einen Beruf, der mir Freude bringt, und ich habe Lust am Leben. Das Verrückteste für mich kommt noch: Ich studiere. Ja, man kann es fast nicht glauben, ich versuche das Studium zum Versicherungsfachwirt. Die Gemeinschaft gibt mir soviel Kraft, dass ich auch das noch hinbekomme. Aber selbst wenn ich das Studium nicht schaffen sollte, bin ich doch einen langen nüchternen Weg gegangen, der hoffentlich noch lange weiter geht.

Nochmals an alle, die Synanon unterstützen und an die, die mich unterstützt haben, ein herzliches Dankeschön. Ohne euch wäre ich sehr wahrscheinlich nicht mehr am Leben.



Queue und Kugel - Ein Bericht vom 3. Synanon Billard-Turnier


Wie in den vergangenen Jahren fand auch dieses Jahr das Synanon Billard-Turnier statt. Zum dritten Mal schon wurden Wettbewerbe im Einzel und im Doppel ausgetragen. Teilnehmen konnte jeder, der Lust und Laune dazu hatte. Da das Billardspiel in Synanon mittlerweile zu einem festen Bestandteil unserer Freizeitgestaltung geworden ist, war es kein Wunder, dass sich die ausgehängten Teilnehmerlisten schnell füllten.

Ende Februar begann dann der Wettbewerb im Einzel. Dem Gewinner winkte ein eigenes Billardqueue. Im ersten Durchgang, der im ko-System gespielt wurde, gab es auch gleich die ersten großen Überraschungen. Gefragt war natürlich Nervenstärke gepaart mit etwas Glück und ein guter Umgang mit Queue und Kugel. Vermeintliche Favoriten wie Günter, Steffen oder auch Stephan schieden schon nach dem ersten Spiel aus. Erstaunlich war, das Teilnehmer, die eher selten spielten, die also keiner auf der „Rechnung“ hatte - wie Sören , Ralph oder Christian -, durch ihre unbekümmerte Herangehensweise ganz vorne mitspielten.

Am Ende setzte sich dann aber mit Hartmut doch einer der Favoriten durch. Er zeigte im Endspiel gegen Ralph die bessere Leistung und gewann verdient den Einzelwettbewerb. Auch die Zweit- und Drittplazierten erhielten einen Preis sowie die dazugehörige Sieger-Urkunde.

Das Doppel war wieder einmal eine ganz spannende Geschichte. Die Teams Marco/Günter, Hartmut/Klaus und Silvio/Rabit spielten nach jeweils zwei gewonnenen Vorrunden den Sieger unter sich aus. Es waren ganz knappe Entscheidungen, bei denen auch hier die Nerven eine ausschlaggebende Rolle spielten. So sahen in der entscheidenden Partie lange Zeit Marco und Günter wie die sicheren Sieger aus, spielten dann jedoch den entscheidenden Ball ins falsche Loch. Die glücklichen Sieger waren somit Silvio und Rabit.

Beide Turniere fanden wieder in einer tollen Atmosphäre statt. Ein großer Dank geht an dieser Stelle auch wieder an unsere Küchencrew, die uns mit vielen leckeren Sachen versorgte, sowie an Jens, der an beiden Turnier-Wochenenden Kuchen für uns gebacken hatte.

Unser Billard-Turnier ist immer wieder ein schönes Ereignis, bei dem es nicht nur ums Gewinnen geht, sondern einfach darum, dass sich Bewohner zusammenfinden, um miteinander Spaß zu haben und sich in lockerer Atmosphäre auszutauschen. Für viele ist ja Billard ein typischer Kneipensport, zu dem in der Regel auch immer Alkohol getrunken wird. Unsere Turniere beweisen, dass es auch anders geht und dass man auch nüchtern jede Menge Spaß an diesem Sport haben kann. Wir freuen uns auf 2009, wenn es dann wieder heißt: „Willkommen zum 4. Synanon Billard-Turnier!“

Stephan, Hartmut und Steffen


Urkunden für alle und ein Queue für den Sieger: Hartmut (Mitte) nach verdientem Sieg im Einzelwettbewerb.


Nach dem Turnier ist vor dem Turnier: Geübt wird immer.



Berliner Linie

Ein Mitglied unserer Abteilung für Zivil- und Strafsachen schildert am Beispiel eines Mitbewohners, was darunter zu verstehen ist.

Neben Terminplanung, Begleitung zu Gerichtsterminen und regelmäßigen Meldungen von Mitbewohnern bei den Justizbehörden habe ich bei Ausübung meiner Tätigkeit in unserer Abteilung für Zivil- und Strafsachenbearbeitung immer wieder mit Haftbefehlen von Mitbewohnern zu tun. Ein Begrifflichkeit spielt dabei eine große Rolle: Die Berliner Linie. Die Sachverhalte laufen häufig in etwa so ab: Wir werden angerufen von einem Polizeiabschnitt oder vom Drogenreferat der Senatsverwaltung Berlins und erhalten die Information über einen vorliegenden Haftbefehl gegen einen unserer Mitbewohner. Die Information beinhaltet die Herkunft des Haftbefehls (Amtsgericht oder Staatsanwaltschaft), das Aktenzeichen, die zu vollstreckende Strafe und im besten Fall den Namen des zuständigen Richters oder Staatsanwalts. Es ist nicht so, dass die Betroffenen vorgewarnt werden sollen, wir sind schließlich eine Suchthilfeeinrichtung und keine „Fluchthilfe“. Bei der Berliner Linie geht es darum, dass von den Justizbehörden des Landes Berlin geprüft wird, ob es sinnvoll ist, einen Haftbefehl zu vollstrecken oder den Betroffenen in der Suchthilfeeinrichtung verbleiben zu lassen, um einen Therapieerfolg nicht zu gefährden.

So lief das auch im Fall von Ronny K. (20) im Februar dieses Jahres. Unser
Ansprechpartner vom Senat, Herr A., rief an und fragte erst einmal, ob ein Ronny K. bei uns lebt. „Ja, der lebt hier“, war unsere Antwort. Dann informierte Herr A. uns darüber, dass ein Haftbefehl gegen Ronny K. vorlag und gab uns die zuständige Staatsanwaltschaft, das Gericht und die Aktenzeichen durch. Wenn wir Informationen wie diese vorliegen haben, senden wir umgehend per Fax eine Mitteilung an die zuständigen Behörden über die Aufnahme des Betreffenden bei uns verbunden mit der Bitte um Nichtvollstreckung des Haftbefehls. So auch im vorliegenden Fall von Ronny K. Als nächstes habe ich versucht, den zuständigen Richter telefonisch zu  erreichen. Da dies nicht möglich war, rief ich den Staatsanwalt an und schilderte ihm in diesem Gespräch die Situation von Ronny K. sowie die Rahmenbedingungen, unter denen er bei uns lebt.

Die Situation im Fall von Ronny war die, dass der Haftbefehl in einem anderen Bundesland ausgestellt worden ist, die Berliner Linie aber eben ein spezielles Berliner Instrument ist. Da eine Information über einen bestehenden Haftbefehl nicht allgemein verbreitet werden sollte und mancher Richter bzw. Staatsanwalt von auswärts sich vielleicht etwas „über rumpelt“ fühlt, sind solche Gespräche mit entsprechender Sensibilität zu führen. Dies zeigte sich auch im Fall von Ronny K., denn der Vertreter der Staatsanwaltschaft war „not amused“, vorsichtig ausgedrückt. Die Berliner Linie war ihm kein Begriff. Da war nichts zu machen. - Ich konnte erzählen, was ich wollte: Dass der Junge, bis er zu Synanon kam, auf der Straße lebte, seit Jahren nur noch im Alkohol und Crystal-Wahn unterwegs war und nicht einen klaren Moment mehr hatte. Dass er auf mich und die anderen Mitbewohnern den Eindruck machte, sich endlich an einem Ort angekommen zu fühlen, an dem er nüchtern werden und etwas in seinem Leben verändern konnte. - Hat alles nichts genutzt, der Haftbefehl sollte vollstreckt werden. Man muss dazu sagen, dass Ronny im Rahmen seiner „Suchtkarriere“ häufig straffällig geworden war und eigentlich nie auch nur eine Bewährungsauflage erfüllte, die Gerichte ihm auferlegten. Ronny war dazu auch gar nicht in der Lage, denn er war, bis er zu uns kam, im permanenten Vollrausch, was letztendlich keine Entschuldigung ist. Bleibt es also beim Haftbefehl, informieren wir sofort die Hausleitung, die dafür sorgt, dass der Betroffene im Haus bleibt und wir die Möglichkeit haben, ihm diese Nachricht zu übermitteln.

Ronny K. hat das Scheitern meiner Bemühungen - ich sag mal - „mit Fassung aufgenommen“. Wir haben ihn dann mit einem Bestätigungsschreiben, dass er jederzeit wieder bei uns aufgenommen werden würde und mit Infomaterial über uns zur Vorlage bei den Justizbehörden, denen er sich in Kürze zu stellen hatte, ausgestattet. Dann war es soweit: Die Beamten vom LKA standen vor der Tür und wir mussten uns von Ronny verabschieden. Das sind so Momente, da frage ich mich: „Hast du was vergessen? Wäre irgendwo noch irgendwas gegangen?“ Das ist schwer zu verkraften. Im Fall von Ronny K. kam die erlösende Nachricht schon am nächsten Tag. Der zuständige Haftprüfungsrichter kannte uns offensichtlich und hat ihn wieder zu uns entlassen. Nach einem Telefonat durften wir Ronny zurück ins Synanon-Haus holen.

Kürzlich hatte Ronny in seinem Heimatort den entscheidenden Termin vor Gericht. Richter und Staatsanwalt waren beeindruckt davon, dass Ronny sein Leben in der Gemeinschaft Synanons nüchtern meistert. Die letzten Jahre draußen waren ja eher gekennzeichnet von Sucht, Kriminalität und Verwahrlosung. Er bekam die gerichtliche Auflage, weitere Monate bei uns zu bleiben („Therapie statt Strafe“) und gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten. Jetzt muss er, wie es bei uns immer so schön heißt, einfach bleiben und mitmachen.

Peter M. für die Abteilung Ziv/Straf



Trikotwechsel

Die Synanon-Volleyballer haben sich neue Trikots zugelegt. Als Pokalsieger 2007 der „Drogenliga“ starten sie damit in die neue Saison. Wenn man in etwas hineingewachsen ist, fällt der Abschied davon nicht leicht, findet Sebastian, der Kapitän der Mannschaft. Ich spiele jetzt seit fast 5 Jahren Volleyball. Im Sommer 2003 habe ich das erste Mal ein Volleyballtrikot angezogen. Seitdem habe ich viele Höhen und Tiefen in diesem Trikot erlebt. Es gab sogar die eine oder andere Saison, in der wir nicht einen Satz gewonnen haben. Die anderen Mannschaften haben uns schon bald nicht mehr ernst genommen. Jeder freute sich, wenn er gegen uns spielen konnte, denn dann hatte er leichtes Spiel.

Unsere Gegner, das sind Mannschaften anderer Suchthilfeeinrichtungen, aber auch Mannschaften, die sich aus Spielern gebildet haben, die mal einer solchen Einrichtung angehörten. Natürlich haben wir in der Liga einen sogenannten Clean Anspruch. Die „Drogenliga“ organisiert Spiele um den Drogenligaturnier Cup (DTC). Danach werden 12 Turniere gespielt, bei denen man für die Platzierungen Punkte erhält. Der Turniersieger bekommt 16 Punkte, der Zweite 14 Punkte usw. Dann spielen wir noch eine Pokalrunde. Den Spielmodus sprechen wir vor der Saison ab. Als ich das erste Mal mit unserem Trikot aufgelaufen bin, hatte ich dabei ein sehr komisches Gefühl. Körperlich war ich nach meinem jahrelangen Drogenkonsum noch nicht auf der Höhe, mir tat alles weh und ich wusste nicht, wer welche Position auf dem Feld einnehmen muss. Wer ist die 1 (Aufschläger) oder was ist die 3 (Steller). Wichtig für mich aber war die Tatsache, dass ich etwas zu tun hatte, mich darauf konzentrieren konnte und somit der ständige Gedanke an die Droge wenigstens für ein paar Stunden nicht präsent war.

Nach und nach bin ich in die Mannschaft hineingewachsen. Ich lernte den Aufschlag über Kopf und ich lernte auch den Schmetterball. Ich lernte aber auch Menschen kennen, die das gleiche Problem wie ich hatten. Wir haben uns alle 14 Tage getroffen. 12 Mannschaften, d.h. fast 100 süchtige Menschen, die nicht konsumierten und die zusammen Spaß hatten. Meistens auf jeden Fall. Es gab natürlich auch Konflikte und nicht so schöne Tage. Aber auch die haben mich persönlich weiter gebracht.

Des Öfteren schon haben wir uns Gedanken über neue Trikots gemacht, immer aber ist irgendetwas dazwischen gekommen. Jetzt, nach fast 5 Jahren, ist es endlich soweit. Wir haben uns über das Aussehen geeinigt und die Hausleitung hat dem Kauf der Trikots zugestimmt. Sie wurden bestellt und sind zwischenzeitlich auch angekommen. Sie sind schon ein Hingucker, die neuen Trikots. Wir hoffen, auch darin weiter erfolgreich zu spielen. Etwas Wehmut aber ist immer noch dabei, wenn mir mein altes Trikot, das ich wohl noch eine Weile zur Erinnerung aufbewahren werde, in die Hände fällt.

Sebastian L., Kapitän der Synanon-Volleyballer





„It´s cool to be clean“ - Ein Theaterstück wird gefeiert.



Am 2. Weihnachtsfeiertag 2007 wurde die Tiefgarage unseres Synanon-Hauses in der Bernburger Straße 10 wieder einmal zur Theaterbühne. Die Mitglieder des teenex e.V., denen wir an diesem Abend gern „unsere Bühne“ überlassen hatten, führten ihr Theaterstück „It´s cool to be clean“ öffentlich auf. Vorher aber erhielten sie dafür einen Preis, der auf Initiative der Deutschen Bank, Privat- & Bussinesclients unter dem Motto „365 Orte im Land der Ideen“ ins Leben gerufen wurde.

Nach der Verleihung, als Ruhe unter den Synanon-Bewohnern und Gästen eingekehrt war, standen die Akteure nacheinander auf und sprachen von sich und dem Grund ihrer Teilnahme an dem Musical, um dann hinter die Kulisse zu verschwinden. Gleich zu Beginn hob Anne H. ihre glockenhelle Stimme zu einem Lied an, das uns musikalisch unsere eigene Auffassung von einem nüchternem Leben, nämlich Verzicht auf Nikotin, Alkohol und Drogen nahe brachte.

Es folgten verschiedene Szenen: 1. Die Wahl zwischen verschiedenen Arten der Umarmung fiel Saskia D. schwer, denn jede hatte ihren Preis. 2. Rauchen in der Schule wurde aus der Sicht eines Aschenbechers, vorgetragen von Marietta L., thematisiert. 3. Anne H. wurde durch die Verlockungen der Suchstoffe Nikotin, Alkohol, Haschisch, Ecstasy, Kokain und Heroin von ihren Freundinnen Mandy K. und Sylvia M. getrennt. Hilflos mussten die zwei mit ansehen, wie Drogen einen immer enger werdenden Kreis um Anne bildeten. Sie warteten aber abseits davon darauf, Anne ihre Unterstützung zu geben, als die Drogen sie zu Boden zwangen. 4. Auf Karten werden 200 Ideen, die Freizeit zu verbringen, vorgetragen - die Schlechten werden mit unterschiedlich stark betontem „Nein“ abgelehnt und weggeworfen.

Am Schluss wird von allen Darstellern der Song „Liebe in allen Sprachen“ vorgetragen - der Refrain zusätzlich in internationaler Gebärdensprache (siehe Foto). Anschließend wurden Ansteck-Buttons mit der Nachricht „Hugs not Drugs“ unter den Zuschauern verteilt. Für mich war der Blickwinkel, den der teenex e.V. mir vor allem durch die Musik erlaubte, erfrischend anders. Auf das Thema „Sucht“ nicht mit bitterem Ernst zurückzublicken, sondern spielerisch mal freudig und mal traurig darauf einzugehen, lässt mich hoffen, dass Prävention auch ohne abschreckende Beispiele gelingen kann.

Kai F.



Siegreich im Drachenboot


Der „Elefantencup 2008“ des ADV (Anti-Drogen-Verein e.V.) ging erstmals an unsere Mannschaft. Im Boot von „Synanon I“ kämpften 18 Männer an den Paddeln und ein Trommler als Taktgeber um den begehrten Pokal, der in diesem Jahr zum 9. Mal vergeben wurde. Wie im letzten Jahr fand die Regatta unter der Schirmherrschaft der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing statt. Weiterhin anwesend und die Siegtrophäe überreichend waren die Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara und der Geschäftsführer des ADV e.V. Gerhard Schmidt-Burda.

Als wir im letzten Jahr nach 2-jähriger Abstinenz wieder am ADV-Drachenbootrennen um den diesjährigen „Elefantencup“ teilnahmen und uns, obwohl untrainiert, nur von der „Gierkezeile“ und den „Putzdrachen“ der BSR geschlagen geben mussten, war klar:

„Da geht noch was“.

Mal ganz davon abgesehen, dass wir die Regatta gewinnen wollten, hat uns das gemeinsame Paddeln im Drachenboot einen wahnsinnigen Spaß gemacht. Wir waren im positiven Sinne angestachelt. Und wir wollten mehr!

Über meine Schwester bekamen wir Kontakt zum Heiligenseer Kanu Club, der uns ein Drachenboot mit Steuermann und Trainer zur Verfügung stellte.

Vor dem Sieg war erstmal ein langes, intensives Training angesagt, Tobo, unser Coach und Steuermann, scheuchte uns in unzähligen Startphasen und Belastungsfahrten über den Heiligensee und die umliegenden Wasserstraßen. Das Training war für mich Schreibtischtäter eine echte Prüfung. Wenn unser Coach Tobo sagte - „Wir fahren jetzt mal `ne kleine Belastung – 20 lange Schläge, 20 gehackte schnelle Schläge, 30 lange, 30 kurze, 40 lange, 40 kurze, 50 lange, 50 kurze und das ganze zurück!“ - habe ich mich oft gefragt, „was tue ich hier eigentlich?“

2007 haben wir trainiert bis Schnee fiel und wir abends das Paddel unseres Vordermannes nicht mehr sehen konnten.

Nach der Winterpause mussten wir erst mal gucken, wer von der alten Truppe überhaupt noch da war, begeisterten und „schangheiten“ ein paar Neue – „Du kommst jetzt mit, wir haben da einen freien Platz im Boot. Das macht Spaß, vertrau uns.“ - und legten wieder los. Wir hatten ja immer noch den großen Pott vor Augen. Ich meine, nichts gegen die BSR, aber auf einer Veranstaltung von Suchthilfeeinrichtungen sollte man doch klarstellen, wer Chef im Ring ist. In den letzten Wochen vor der Regatta ist es uns gelungen, eine Mannschaft zusammenzubekommen, die mit echter Begeisterung dabei war und die sich mit jedem Training ein Stück weit verbessert hatte.

Am 21. Juni war es dann soweit: das erste Training vor Ort. Ein anderes Boot, andere Paddel, ein anderes Gewässer und ein anderer Steuermann. Es hat glaube ich keinen in der Mannschaft gegeben, der nicht das Gefühl hatte, dass der Boden der Tatsachen sehr schnell näher kommt und hart wie Beton ist. Das ganze Training, alles umsonst. Mist!

Und dann: Egal, wir fahren das Rennen, so wie wir es fahren, und so ist es gut.

Und es war gut.

Das Training, die unzähligen gefahrenen Starts und Belastungen waren nicht umsonst. Bei aller Anstrengung war das Training natürlich meistens eine Funveranstaltung mit viel Gejohle und Rumgekasper. Beim Rennen war Konzentration angesagt, die Jungs hatten ihre Augen nur bei ihrem Vordermann und nicht bei den zuschauenden Mädels. Es war eine Ruhe im Boot - traumhaft!

Bei 30° im Schatten, ohne Schatten(!) mit den ersten Anzeichen von Sonnenstich und mit einigen echt starken Mannschaften als Gegner, haben wir das getan, was Synanisten meiner Meinung nach am Besten können - wir haben ein Ziel angepeilt und mit dem, was wir zur Verfügung hatten, bis zum Schluss voll durchgezogen.

Die Spannung bei der Endauswertung war kaum auszuhalten - und dann: „Synanon I“ auf dem 1. Platz! Das war der Hammer! Der große Pott, für den haben wir echt gekämpft. Bei Gegnern wie den „Briese Piraten“ vom ADV, den „Putzdrachen“ der BSR und all den anderen begeistert teilnehmenden Mannschaften war es ein hart erkämpfter Sieg.

„So sehen Sieger aus!“, war unser Schlachtruf bei der Siegerehrung.

Eines ist natürlich klar: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Bis nächstes Jahr!

Peter M.

Und so sehen Sieger aus:



Weiter Fotos finden Sie auf unserer News-Seite.



Ferienhaus eingeweiht

„Sie werden gute Nachbarn haben“, zitiert die „Ostseezeitung“ in ihrer Ausgabe von Montag, den 15. Oktober 2007 unser Kuratoriumsmitglied Herrn Eberhard Diepgen, nachdem er am 13. Oktober 2007 in eben dieser Eigenschaft unser Ferienhaus in Steinhagen seiner Bestimmung übergab.

Unserer Einladung folgten die Stellvertreter von Landrat des Landkreises Nordvorpommern, Herr Ralf Drescher, und Bürgermeister, Herr Klaus Barnekow, die uns in ihrer jeweiligen Ansprache herzlich willkommen hießen. Auch die Pastorin, Frau Ines Dobbe, ließ es sich nicht nehmen, uns mit netten Worten, guten Wünschen sowie Äpfeln aus eigenem Anbau und einer Haus-Bibel auf ihre Weise in Empfang zu nehmen.

Gekommen waren aber auch weitere Mitglieder unseres Kuratoriums sowie Freunde und Förderer unserer Suchtselbsthilfe und nicht zuletzt Nachbarn, die mit uns an diesem schönen sonnigen Herbsttag bei Grillbuffet, Brot und Schmalz sowie Kaffee, Tee und Kuchen das Ereignis feierten. Fast jeder der anwesenden Synanon-Bewohner hatte irgendwann schon einmal am Bau, der Ende Mai dieses Jahres fertiggestellt war, mitgewirkt und konnte so die eine oder andere Begebenheit erzählen. Denn 70 % der Bauleistungen haben Mitglieder unserer Gemeinschaft - wenn auch unter stets fachmännischer Anleitung - selbst erbracht.

Zwischenzeitlich hatten fünf Gruppen mit jeweils sechs bis zehn Synanon Bewohnern dort ihren Urlaub verbracht. Sie schwärmten von ihren Erlebnissen und vom Haus, das ihnen allen gleich gefallen hat. Dabei wurde in Erinnerung gebracht, dass wir die Einweihung eigentlich schon am 2. Juni 2007 begehen wollten, noch bevor die erste Urlaubsgruppe anreist und fast auf den Tag genau ein Jahr nach Erhalt der Baugenehmigung am 8.6.2006 - wir berichteten in unserer Ausgabe 2/2006 unter der Überschrift „Richtfest in Steinhagen“ ausführlich darüber. Zahl reiche Gäste hatten ihr Kommen bereits zugesagt. Als unsere Vorbereitungen auf Hochtouren liefen, überschlugen sich die Nachrichten im Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen der G8-Staaten in Heiligendamm. Die für jenes Wochenende geplanten großräumigen Absperrungen und weiteren Sicherheitsvorkehrungen, die wegen angekündigter Demonstrationen kurz vorher noch erheblich verschärft wurden, betrafen nun auch uns. Die Entscheidung, die Veranstaltung kurzfristig abzusagen und zu einem späteren Termin nachzuholen, fiel uns nicht leicht.

An dieser Stelle danken wir unseren Gästen für ihren Besuch und für die vielen guten Wünsche, die uns auf unterschiedlichste Weise entgegengebracht wurden. Unser besonderer Dank gilt der Stiftung Deutsches Hilfswerk, die uns mit einem Drittel der Gesamtbaukosten finanziell unterstützt hat wie auch unserer Architektin, Ina Tröger, für die Planung dieses schönen Hauses, unseren Bauleitern Bernd Haubold und Steffen Arndt für ihre fachliche Anleitung und nicht zuletzt unseren Nachbarn, Familie Nest, für ihr Verständnis und ihre Hilfe von Anfang an und die vielen guten Worte, die sie für uns eingelegt haben.

Wir freuen uns auf die kommenden gemeinsamen Wochenend- und Urlaubsreisen in unser neues Ferienhaus in Steinhagen bei Stralsund.



Unsere Kinder

Synanon bietet als deutschlandweit einzige Suchthilfeeinrichtung Aufnahme sofort! an. Dieses Angebot richtet sich auch an Mütter und Väter mit ihren Kindern.


Daniela mit Malcolm und Noah. Immer für die Kinder da: Jan (l.), Renate und Dirk

Wenn Kinder zusammen mit ihren süchtigen Eltern bei uns ankommen, werden sie liebevoll versorgt. Auch mitten in der Nacht bieten wir diesen Kindern ein warmes Essen an und legen sie schlafen in ein kuscheliges Bett. Sie sollen von Anfang an das Gefühl haben, endlich in Sicherheit zu sein. Das ist besonders wichtig, da die Kinder oft aus unsteten, zerrütteten Verhältnissen kommen, in denen es zumeist an grundlegenden Dingen eines normalen Lebens wie z. B. Nahrung, Wärme und Licht gefehlt hat. Derzeit werden die bei uns lebenden Kinder von mir betreut. Ich bin ausgebildete Erzieherin und lebte bis vor einigen Jahren in der Gemeinschaft Synanons.

Die Kinder werden von mir morgens zur Schule bzw. in den Kindergarten gebracht und nachmittags von dort wieder abgeholt. Diese Beständigkeit soll ihnen Sicherheit und Geborgenheit geben. Manche von ihnen lassen sich jeden Morgen neu versichern, dass sie am Nachmittag auch wieder abgeholt werden. Bis zum Abendbrot erledigen wir gemeinsam Schularbeiten, spielen etwas, räumen auf, sprechen über Alltägliches und über Dinge, die die Kinder bewegen. Darüber hinaus unternehmen wir gemeinsame Freizeitaktivitäten. Dafür bieten sich, gerade bei schönem Wetter, Parks und Freibäder an oder auch Spielplätze, auf denen sich die Kinder austoben, ausprobieren und ihrer Phantasie freien Lauf lassen können. Die jeweilige Mutter, die tagsüber wie alle Bewohner Synanons in einem Bereich oder Zweckbetrieb tätig ist, übernimmt dann abends nach kurzem Austausch mit mir die Kinder. Außer mir gibt es für die Kinder zwei männliche Bezugspersonen in Synanon; derzeit sind es Dirk und Jan.

Unserer Erfahrung nach ist der Umgang mit Personen ihres Vertrauens für die Kinder sehr wichtig. Sie erhalten dadurch weiteren Halt und Orientierung beim Entfalten ihrer Persönlichkeit. Wir wissen, dass es für die Kinder nicht leicht ist, sich auf die neue Situation und das Leben in unserer großen Gemeinschaft einzustellen und Vertrauen zu neuen Bezugspersonen zu entwickeln. Behutsam werden sie an neue Beziehungen zu Menschen in Schule und Kindergarten herangeführt. Wir setzen alles daran, dass sie ihr unbeschwertes Kinderlachen wiedergewinnen und ihr - wenn auch verständliches, dennoch oftmals großes - aggressives Potential ihren Mitmenschen gegenüber verlieren. Die Kinder von Suchtkranken sind meist äußerst verhaltensauffällig und gerade am Anfang ist die Arbeit mit ihnen sehr schwierig. Zwar ähneln sich die Probleme, jedoch ist jedes Kind für sich einzigartig. Es dauert mitunter sehr lange, bis die Kinder ihre vorhandenen Ängste verlieren und Vertrauen und Sicherheit gewinnen.

Zur Zeit leben der fünfjährige Noah und sein vier Jahre älterer Bruder Malcom zusammen mit ihrer Mutter bei uns. Dank finanzieller Zuwendung durch den Berliner „Tagesspiegel“ erhielten sie für ihr Zimmer neue farbenfrohe und kindgerechte Möbel. Sie durften ihr Zimmer mitgestalten, was dazu beitragen soll, dass sie sich darin wohl fühlen. Malcom geht in die dritte Klasse, hat sich gut in die Schule integriert, spielt leidenschaftlich Fußball und trainiert zweimal in der Woche. Noah geht voller Begeisterung in den Kindergarten und seit kurzem auch zum Fußballtraining. Mittlerweile ist die Synanon- Gemeinschaft ihr neues Zuhause geworden. Ein Zuhause, in dem sie sich sichtbar wohl fühlen. Sie haben gute Kontakte zu Gleichaltrigen und Sinn für Teamgeist entwickeln können. Ich wünsche beiden, dass sie weiterhin in sicheren und geborgenen Verhältnissen aufwachsen können.

Renate K.

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Aktuelles
Aufnahme sofort.
02.10.2010
Wir laden ein in unser Synanon-Haus in der Bernburger Straße
20.06.2010
11. Drachenbootrennen des Anti-Drogen-Verein e. V. (ADV) um den Elefanten-Cup 2010
16.06.2010
"Der Kriminalist" im Synanon-Haus
24.12.2009
Alle Jahre wieder - Weihnachten in Synanon
20.12.2009
Seelenwärmeressen - Erbsensuppe für Obdachlose und Bedürftige am Bahnhof Zoo -
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