Unsere Auszubildenden
Von Zeit zu Zeit werden wir an dieser Stelle den einen oder anderen über den Fortgang seiner Ausbildung zu Worte kommen lassen.
Entscheidung für´s Leben
„Endlich. Im August 2011 war es soweit. Ein großer Tag für mich: Ich unterschrieb meinen Ausbildungsvertrag“,
beginnt Thomas seinen Bericht. Auch wenn es nicht das erste Mal war, dass er einen Ausbildungsvertrag unterschrieb, war es diesmal etwas Besonderes und alles ganz anders, als vorher. In diesem Jahr haben sich sechs Synanon-Bewohner für eine Ausbildung entschieden.
Ich hatte schon einmal eine Ausbildung begonnen. Informatikkaufmann bin ich aber nicht geworden. Aufgrund meines Drogenkonsums musste ich diese Ausbildung schon bald wieder beenden.
Diesmal aber war alles anders. Die Entscheidung habe ich selbst getroffen. Für mich und für meine Zukunft. Und nicht, um meine Eltern zu beruhigen oder um Ruhe vor den Ämtern zu haben. Statt mich wie beim letzten Mal Hals über Kopf zu entscheiden, habe ich mir mehr als ein Jahr Zeit genommen. Ich wollte mir sicher sein.
Außer mir haben noch 5 weitere Bewohner im September eine Ausbildung begonnen. Vitali, Gordon und Tobias werden zu Fachkräften für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice ausgebildet. Ingo macht auf dem Poloplatz eine Ausbildung zum Pferdepfleger. Marco hat sich wie ich für eine Ausbildung zum Bürokaufmann entschieden. Mein Interesse für dieses Berufsbild wurde geweckt durch meine Tätigkeit in unserer Verwaltung im Bereich für Zivil- und Strafsachen.
Seit September gehe ich nun zweimal in der Woche zur Berufsschule. Wieder die Schulbank zu drücken, ist ein komisches Gefühl. Vor allem deshalb, weil 90 % meiner Klassenkameraden 10 Jahre jünger sind als ich. Denen habe ich auch bis jetzt nur sporadisch von meinem Leben in Synanon und meiner Suchtgeschichte berichtet. Es ist viel schwieriger als ich dachte, Menschen, die nicht in Synanon leben, von meiner Sucht zu erzählen.
Bald schon stehen die ersten Klassenarbeiten an. Ich versuche, mich so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Aber natürlich muss ich auch weiterhin meinen Pflichten im Haus nachkommen. Außerdem beginne ich mit den Vorbereitungen für meinen Führerschein. All diese Dinge unter einen Hut zu bekommen, ist eine große Herausforderung für mich.
Ansonsten habe ich verschiedene Aufgaben im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, die mich herausfordern. Gerade das Telefonieren mit an unserer Arbeit interessierten Menschen war von Anfang an eine Hürde für mich. Aber je öfter ich es tue, desto leichter wird es für mich.
Mir ist bewusst, dass ich in den nächsten drei Jahren auf Schwierigkeiten und Konflikte stoßen werden. Dieses Mal aber, das habe ich mir fest vorgenommen, werde ich mich ihnen stellen und nicht davonlaufen wie ich es in den letzten 10 Jahren so oft getan habe. Mit dieser Zuversicht und der Unterstützung des Hauses hoffe ich, die Ausbildung so gut wie möglich zu absolvieren.
Thomas K.

Aufstellung zum Gruppenfoto nach Übergabe der obligatorischen Schultüten:
vorn: Thomas K. (Kaufmann für Bürokommunikation), 2. Reihe v.l.n.r: Vitali F. u. Tobias H. (Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice), Marco D. (Bürokaufmann), 3. Reihe: Jan Schneck, Leiter Zweckbetriebe, Ingo L. (FN-Pferdepfleger), Gordon S. (Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice), Eric H. (Kaufmann für Bürokommunikation), Ulrich Letzsch, Hausleiter

Feierliche Übergabe der Schultüten: Glückwunsch von Ulrich Letzsch an Thomas K.

Schultüte mit Fußballmotiv für den angehenden Pferdepfleger und Fußballfan Ingo L.

