Chronologie

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1971 - Gründung: Eintragung ins Vereinsregister unter dem Namen Release e.V.

Von Release Heidelberg kommend, ziehen im Oktober 1971 fünf drogenfreie Fixer - darunter das Ehepaar Ingo und Irene Warnke mit ihrer zweijährigen Tochter - in das nicht beheizbare Büro einer schon seit längerem leerstehenden alten Fabrik in der Dennewitzstraße 33 in Berlin-Schöneberg.

Die grundlegenden Ideen waren da und der Wille, eine nüchterne Gemeinschaft zu bilden. Am 22.12.1971 erfolgt die Eintragung ins Vereinsregister unter dem Namen Release Berlin e.V. Einen Tag später zieht die Gemeinschaft nach Berlin-Kreuzberg in die Oranienstraße 140 auf zwei mit Sanitär- und Heizanlagen sowie dicht schließenden Fenstern ausgestattete Fabriketagen. Allerdings ist der Mietvertrag nur auf drei Monate befristet und wird seitens des Vermieters dann auch zum August des Jahres 1972 gekündigt.

Bereits im ersten Jahr der Gründung wird die Gemeinschaft von der Senatsverwaltung für Familie, Jugend und Sport mit einem Betrag von 7.400 DM und der Übernahme der monatlichen Miete in Höhe von 500 DM unterstützt. Dafür berät die Release-Gemeinschaft hilfesuchende Drogensüchtige in ihrem Büro. Schon zu Beginn dieses Angebots zeigt sich, dass der Hilfebedarf drogensüchtiger Menschen nach Vermittlung und Unterstützung groß ist.

Ca. 1.200 bis 1500 Optiatabhängige in Westberlin. 67 Drogentote in Deutschland, davon 9 in Westberlin. Mittlerweile ist die Tragweite der Drogenproblematik in Politik, Gesellschaft und Öffentlichkeit angekommen.

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1972 - Gründung des ersten Zweckbetriebes Transporte und Umzüge

Mit einem noch aus Heidelberg mitgebrachten alten VW-Bus werden erste Möbeltransporte für türkische Nachbarn in der Dennewitzstraße ausgeführt.

Im Februar des Jahres 1972 spenden Berliner Polizisten der Lebensgemeinschaft einen ausrangierten Polizei-Lkw. Das Geld dafür sammelten sie auf ihrer Faschingsfeier im Februar 1972. Der intensive Kontakt zu den Polizei-Beamten bestand bereits über die Anfang der 70er Jahre ins Leben gerufene Einsatzgruppe Erprobung und Sonderaufgaben.

Bärchen, der kleine Mercedes-Transporter, wird der Gemeinschaft über viele Jahre hinweg treue Dienste leisten.

Im August 1972 dann der Umzug in eine ehemalige Zimmerspringbrunnenfabrik in der Oranienstraße 175. Die Gemeinschaft hat viel zu tun, das neue Domizil instandzusetzen, denn das fünfstöckige Haus ist marode. Gemeinsam werden Wände und Fensterrahmen gestrichen, Küche und Dusche eingebaut, Zwischenwände eingezogen. Bis Juli 1978 wird es die Heimstätte des Vereins bleiben.

Der Senat von Berlin fördert den Release e.V. mit 12 TDM für Anschaffungen.

Umbenennung in Release 1 Berlin e.V., nachdem sich weitere Release-Gemeinschaften in unmittelbarer Nachbarschaft gründeten.

Die Neuköllner Kirchengemeinde spendet die erste Druckmaschine, eine Rotaprint A4. Von dort kommen auch die ersten Druckaufträge. Mit einer bescheidenen Grundausstattung beginnt die neu gegründete Offsetdruckerei, Druckaufträge bis DIN-A4-Format ausführen. Weitere Kleinaufträge verhelfen zu Einnahmen.

Die Gemeinschaft wächst kontinuierlich. Durchschnittlich 8 Bewohner.

104 Drogentote in Deutschland, davon 6 in Westberlin.

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1973 - Anerkennung des Vereins als gemeinnützig; Gründung des Zweckbetriebes Druckerei

Rückwirkende Anerkennung der Gemeinnützigkeit und der besonderen Förderungswürdigkeit von Release 1 Berlin e.V. durch das Finanzamt für Körperschaften zum Januar 1972. Von nun an dürfen Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.

Der Zweckbetrieb Druckerei übernimmt kleinere Aufträge, so z. B. die Übersetzung und den Druck von Alexander Bassins Arbeit Daytop Village (aus Psychologie Today, Bd. II, Nr. 7, Dez. 1968). Damit möchte die Release-Gemeinschaft erreichen - so in einem beigefügten Schreiben erklärt -, dass bekannt wird, dass Süchtige keine hoffnungslosen Fälle sind. Anknüpfend an die in dieser Arbeit beschriebenen Erfahrungen von Synanon und Daytop Village wollen auch sie eine Selbstorganisation von ehemaligen Drogensüchtigen aufbauen, die ihnen und anderen Süchtigen die Möglichkeit gibt, ein drogenfreies und zufriedenes Leben zu führen. Ferner rufen sie Gleichgesinnte auf, sich zu melden. Der Brief endet mit einem ersten öffentlichen Spendenaufruf.

Durchschnittlich 11 Bewohner bei vermehrten Aufnahmen.

Ca. 1.500 bis 5.000 Opiatabhängige in Westberlin. 106 Drogentote in Deutschland, davon 6 in Westberlin.

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1974 - Ausbau der Zweckbetriebe Umzüge und Druckerei; Verschärfung der Aufnahmeregularien

Die Druckerei stellt neben Briefpapier, Anzeigen und Ähnlichem jetzt auch Broschüren her. Auftraggeber sind Bezirksämter und Kirchenkreise. Durch den Kauf einer alten Druckerei für 10 TDM kommt es zur ersten größeren Investition. Auch der Zweckbetrieb Transport wird erweitert.

Die Aufnahmevoraussetzungen werden verschärft. Wer zu Release will, muss an einem festgelegten Termin nüchtern erscheinen. Eine verbindliche Hausordnung, die für alle Bewohner des Hauses Oranienstraße 175 gilt, wird eingeführt. Im September gründet sich eine Frauengruppe.

Durchschnittlich 17 Bewohner bei steigenden Aufnahmezahlen.

139 Drogentote in Deutschland, davon 13 in Westberlin.

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1975 - Umbenennung von Release 1 Berlin e.V. in Synanon International e.V.

Um sich deutlich von den anderen Release-Gruppen zu unterscheiden, erfolgt im Oktober die Vereinsumbenennung in Synanon International e.V. Brieflich hatte die US-Organisation Synanon Foundation Inc., die als Vorbild gilt, die Verwendung des Namens gestattet. Den Anstoss dazu gab es bereits durch die Buchempfehlung eines befreundeten Arztes im Jahre 1971, als dieser statt Morphium Lewis Yablonskys Buch Synanon - The Tunnel back "verordnete". Die Gründungsmitglieder von Synanon in Berlin sind fasziniert von Yablonskys spannendem Bericht über Junkies, die genauso lebten wie sie: Lügen, stehlen, Stoff besorgen, high sein, down sein, einen Affen haben, auf turkey sein. Das Buch erzählt Suchtgeschichten und beschreibt den Weg in die Nüchternheit. Eigentlich ein Lehrbuch. 1975 wird die deutsche Ausgabe des Buches erscheinen.

Synanon ist ein Kunstwort. Es entstand, als sich eines der Mitglieder der Gemeinschaft für Drogen- und Alkoholabhängige, die vom Ex-Alkoholiker Charles E. (Chuck) Dederich 1958 in St. Monica/Kalifornien gegründet wurde, während eines Meetings versprach. Bei dem Versuch, die Begriffe Symposium und Seminar in einem Atemzug auszusprechen, entschlüpfte ihm ungewollt das Wort Synanon.

Der Kontakt zu Synanon in Amerika wird nicht zuletzt durch gegenseitige Besuche in den folgenden Jahren intensiviert.

Der Zweckbetrieb Umzüge und Transporte wird erweitert. Die Erlangung der dafür erforderlichen Güternahverkehrskonzession setzt den Erwerb des nötigen Versicherungsschutzes voraus, den Uwe Schriever, schon damals ein Freund der Suchtselbsthilfegemeinschaft, vermittelt.

Durchschnittlich 22 Bewohner, viele Aufnahmen.

194 Drogentote in Deutschland, davon 31 in Westberlin.

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1976 - Zweites Synanon-Haus wird eröffnet: Der Jägerhof im Glienicker Volkspark

Steigende Aufnahmezahlen. Es wird eng im Haus Oranienstraße 175. Mit dem Jägerhof mietet Synanon ein zweites Haus an. Das in Berlin-Wannsee im Volkspark Glienicke wunderschön gelegene frühere Senatskinderheim wird ab April renoviert und bezogen und soll später eine Stätte vor allem für Synanon-Bewohner mit ihren Kindern werden. Der Nutzungsvertrag gilt zunächst nur für ein Jahr mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Die Gemeinschaft wird dort bis zum April 1992 16 schöne Jahre verbringen.

Ein Mitglied von Synanon USA besucht die Berliner Suchtselbsthilfegemeinschaft. Der Gegenbesuch erfolgt im Sommer des gleichen Jahres durch Irene und Ingo Warnke. Aufgrund ihrer dort gesammelten Eindrücke werden die Grundregeln im Berliner Synanon erweitert: Die Meetings, jetzt Spiele (games) genannt, gehen über ein gruppendynamisches Streitgespräch hinaus und beinhalten nun auch Unterrichtseinheiten. Die kurzgeschorenen Haare (zur deutlichen Abgrenzung von langhaarigen Fixern auf der Szene) werden zur Pflicht. Aerobic wird zur Erhöhung der Gesundheit und körperlichen Leistungsfähigkeit eingeführt. Die Entwicklung einer Vielzahl kreativer und produktiver Freizeittätigkeiten durch Synanon-Bewohner (von Holzarbeiten über Malen/Zeichnen bis hin zum Töpfern) wird gefördert, womit der Grundstock für weitere Zweckbetriebe gelegt wird. Die Ernährung wird auf Vollwertkost umgestellt. Zucker und weißes Mehl werden vom Speiseplan gestrichen.

Durchschnittlich 32 Bewohner, viele Aufnahmen.

337 Drogentote in Deutschland, davon 54 in Westberlin.

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1977 - Bundespräsident würdigt Arbeit von Synanon; erste Kontakte zu Berliner und bundesdeutschen Gerichten

Als einziger Bürger Berlins wird Synanon-Mitbegründer Ingo Warnke zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Walter Scheel eingeladen, der damit die gemeinnützige Arbeit Synanons würdigt.

Erste Kontakte zu Berliner und bundesdeutschen Gerichten. Synanon intensiviert Öffentlichkeitsarbeit. Zunehmende Außenkontakte und erste Partnerbeziehungen zwischen Synanon-Mitgliedern und Nichtsüchtigen. Gründung des Förderkreises Freunde von Synanon.

Im Jägerhof wird mit dem Gemüseanbau auf biologisch-dynamischer Grundlage begonnen.

Durchschnittlich 42 Bewohner, viele Aufnahmen.

380 Drogentote in Deutschland, davon 84 in Westberlin.

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1978 - Erwerb eines eigenen Hauses; Gründung des Synanon-Zweckbetriebes Tischlerei; Plakataktion über die Drogengefahr; Distanzierung von Synanon Amerika

Im Berliner Bezirk Kreuzberg wird das heruntergekommene Haus Bernburger Straße 24-25 erworben. Der Kaufpreis beträgt 585.000 DM. Für den Barkredit bei der Bank in Höhe von 500.000 DM verbürgt sich Uwe Schriever, langjähriger Freund Synanons. Der Rest wird aus Eigenmitteln finanziert. Mit einer großzügigen Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie in Höhe von 2,3 Mio DM und einem sehr großen Anteil Eigenleistung werden 3.000 m² Wohn- und Nutzfläche über einen längeren Zeitraum aufwendig saniert. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand in Synanon ahnen, dass die Renovierungsarbeiten insgesamt 8 Jahre dauern und die Gesamtkosten dafür das Zehnfache des Kaufpreises betragen würden. Bis zum Januar 1991 wird es über einen Zeitraum von 13 Jahren das Stammhaus der Synanon-Gemeinschaft sein.

Gründung des Zweckbetriebes Tischlerei.

Synanon startet eine medienwirksame Werbeaktion unter dem Motto: Nüchtern, für ein Leben ohne Drogen mit einer Plakat- und Aufkleberreihe, die vom Berliner Grafiker Heribert Kintscher entworfen wurde.

Synanon distanziert sich vom US-amerikanischen Vorbild, da die mittlerweile zur Dekadenz neigende elitäre Führungsschicht von den ursprünglichen Ideen abzuweichen beginnt, was sektirische Auswüchse zur Folge hat.

Gründung der Synanon-Judo(Ju-Jutsu)-Sportgruppe. Drei zum Teil aus der Gründungszeit mit Synanon eng verbundene Berliner Polizeibeamte erteilen interessierten Synanon-Bewohnern von nun an über viele Jahre hinweg Unterricht in dieser Kampfsportart.

Der Berliner Rotary-Club spendet Synanon-Mitgliedern zwei Segelreisen auf der Ostsee. Sie werden begleitet von einem Team des ZDF. Das Medieninteresse an Synanon nimmt zu. In den folgenden Jahren kommt es zu regelmäßigen Berichten, Reportagen und Inverviews. Gefragt ist die Meinung Synanons zu Drogen im allgemeinen sowie zur aktuellen Drogenpolitik.

Durchschnittlich 53 Bewohner, viele Aufnahmen.

430 Drogentote in Deutschland, davon 62 in Westberlin. Die Zahl der Drogenabhängigen in der Bundesrepublik wird offiziell auf 40.000 bis 60.000 geschätzt.

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1979 - Mitgliedschaft im DPWV; Ausbildungsbeginn in der Tischlerei

Synanon wird Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) sowie in der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.

Im Jägerhof wird die bio-dynamische Anbauweise intensiviert. Die Weltsicht der Anthroposophen erschließt sich den Mitgliedern von Synanon durch Kontakte mit einer Waldorf-Lehrerin von der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin-Zehlendorf. Es folgt der Aufbau der Kinderabteilung Synanons unter Einbeziehung dieses Gedankengutes.

Ausbildungsbeginn zum Tischler für drei Synanon-Bewohner.

Zwei Gruppen von Synanon besuchen auf Einladung nacheinander Kibbuze in Israel. Die Verbindungen dorthin bestehten bereits seit einiger Zeit.

Dreifach-Hochzeit in Synanon. Alle Paare haben sich in Synanon kennengelernt.

Durchschnittlich 63 Bewohner, 90 Aufnahmen.

623 Drogentote in Deutschland, davon 81 in Westberlin.

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1980 - Erste Bußgeld-Zuweisungen; Synanon-Zweckbetrieb Keramik entsteht; Synanon-Verwaltung setzt auf EDV

Erster Erhalt von Bußgeldern, die Synanon als anerkannte Drogenhilfe aus gerichtlichen Verfahren zugesprochen werden.

Nach Transport, Druckerei und Tischlerei Gründung des vierten Synanon-Zweckbetriebes: Keramik. Für die Werkstatt wird ein gebrauchter Brennofen angeschafft. In der Verwaltung von Synanon wird die elektronische Datenverarbeitung eingeführt.

Durchschnittlich 78 Bewohner, 119 Aufnahmen.

494 Drogentote in Deutschland, davon 52 in Westberlin.

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1981 - Zehnjähriges Bestehen wird gefeiert

Synanon feiert im Oktober 10-jähriges Bestehen mit einem öffentlichen Fest. Es erscheint die erste Dokumentation mit dem Titel: Synanon, für ein Leben ohne Drogen.

Die 1978 begonnenen Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten im Haus Bernburger Straße 24-25 werden abgeschlossen.

Der Zweckbetrieb Druckerei ist mittlerweile in der Lage, anspruchsvolle Publikationen auf eigener Fotosatzanlage im Vierfarbdruck herzustellen. Der Zweckbetrieb Umzüge hat sich dank wachsender Auftragslage auf fünf Lkw vergrößert.

Durchschnittlich 80 Bewohner, 63 Aufnahmen.

360 Drogentote in Deutschland, davon 65 in Westberlin. Der Film Wir Kinder vom Bahnhof Zoo mit dem Schicksal der Christiane F. wird zum Kino-Hit.

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1982 - Einführung des bundesweit einmaligen Angebots der Aufnahme sofort; Staatliche Anerkennung als Therapieeinrichtung; Gründung der STIFTUNG SYNANON

Ab Juni können hilfesuchende Süchtige jederzeit - Tag und Nacht, rund um die Uhr - und ohne Vorbedingungen zu Synanon kommen. Dieses Angebot der Aufnahme sofort ist bundesweit einmalig.

Die Veränderung der Aufnahmeregularien korrespondiert mit der Novellierung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), wonach auf Antrag Therapie statt Strafe für straffällig gewordene Süchtige, deren Strafmaß unter zwei Jahren liegt, möglich wird. Im Juni erhält Synanon die staatliche Anerkennung als Therapieeinrichtung gemäß § 35 BtMG.

Gründung der STIFTUNG SYNANON im September: Ziel ist es, durch Förderung oder eigenes Betreiben von Selbsthilfe-Einrichtungen süchtigen und suchtgefährdeten Menschen ein Leben ohne Drogen zu lehren sowie Personen zu unterstützen, die langjährig in Selbsthilfegemeinschaften gelebt und mitgearbeitet haben und deshalb auf Alters- und/oder Invaliditätsvorsorge verzichtet haben.

Die wachsende Arbeit der Organisation wird innerhalb der Verwaltung mit speziell auf Synanons Bedürfnisse zugeschnittener Software bewältigt. Synanon bietet darüber hinaus im Bereich EDV-gestützter Buchhaltung und Textverarbeitung Dienstleistungen für Berliner Firmen an.

Synanon beginnt mit der Suche eines Hofes auf dem Lande (mit Platz für 20 bis 30 Menschen) in Westdeutschland.

Durchschnittlich 110 Bewohner, 228 Aufnahmen.

383 Drogentote in Deutschland, davon 40 in Westberlin.

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1983 - Drittes Synanon-Haus wird eröffnet; Ausbau der Zweckbetriebe; Gründung der Synanon-Tochterfirma GATES

Mit einer renovierungsbedürftigen Villa in der Peter-Lenné-Straße im Bezirk Zehlendorf bezieht Synanon im Oktober ein weiteres Haus. Dieses ist als Mutter-Kind-Haus geplant, wird die Kindergruppen aus dem Haus in der Bernburger Straße 24-25 aufnehmen und bietet Platz für weitere junge drogensüchtige Paare mit kleinen Kindern.

Der Schwerpunkt der Synanon-Transporte liegt jetzt beim Umzugsverkehr. Mit mehreren Lkw wird man der wachsenden Auftragslage gerecht. Synanon-Bewohner können innerhalb dieses Zweckbetriebes ihren Führerschein und Fähigkeiten im Transport- und Umzugsgewerbe erwerben. Der Zweckbetrieb Tischlerei wird zur Haustischlerei umgewandelt, da er sich wirtschaftlich auf längere Zeit nicht tragen kann. Der Zweckbetrieb Druckerei, dem eine Repro- und eine Fotosatzabteilung angegliedert sind, wird weiter ausgebaut. Ein Synanon-Bewohner beendet erfolgreich eine extern durchgeführte Erzieherausbildung.

Mit Gründung der Firma GATES wird das erste Synanon-Nachsorge-Modell geschaffen. Die GmbH für Verwaltungs- und Managementaufgaben sowie Beratung und Schulung mietet Räume in der Nähe des Haupthauses Bernburger Straße 24-25 an. Ehemalige Synanon-Bewohner arbeiten mit externen Fachleuten zusammen an Aufgaben. Sie üben für Synanon Verwaltungs- und Managementfunktionen aus und entwicklen Software für den Sozialbereich außerhalb Synanons.

Erstmalig findet im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Synanon-Tage ein großes Ehemaligen-Meeting statt. Die Kontakte und Freundschaften zu Menschen, die Synanon verlassen haben und nüchtern leben, werden erleichtert.

Durchschnittlich 140 Bewohner, 292 Aufnahmen.

472 Drogentote in Deutschland, davon 76 in Westberlin.

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1984 - Synanon erhält Kinderschutzpreis; Erwerb des Hofguts Fleckenbühl, Planung eines Synanon-Hauses (Neubau) in der Bernburger Straße 10

Synanon erhält den Kinderschutzpreis der Hanse-Merkur-Versicherung in Hamburg.

Im September erwirbt Synanon das 118 Hektar große Hofgut Fleckenbühl bei Marburg im Bundesland Hessen. Der landwirtschaftliche Betrieb wird in der Rechtsform einer gemeinnützigen und mildtätigen GmbH geführt, die im April gegründet wurde.

Der Zweckbetrieb Umzüge ist seit Anfang des Jahres zur Durchführung des Möbelfernverkehrs berechtigt. Die ersten Fernumzüge gehen nach Hamburg, Hannover und Bremen.

Synanon beginnt mit der Planung eines Neubaus, der auf dem Eckgrundstück Bernburger Straße 10 (gegenüber dem Haupthaus Bernburger Straße 24) entstehen soll, und tritt mit dem Bezirksamt Kreuzberg in Verhandlung über einen Erbbaurechtsvertrag.

Mittlerweile ist Synanon in allen überregionalen Bußgeldlisten der Oberlandesgerichte verzeichnet.

Ereignisse: Initiierung und Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen wie Konzerten und Töpfermärkten. Wiederholte Teilnahme von Synanon-Bewohnern am Berlin-Marathon. Öffentliches Interesse an Synanon besteht nach wie vor. So sind Vertreter Synanons im Rahmen der ZDF-Suchtwoche im Oktober als Diskutanten im Fernsehen vertreten. Darüber hinaus nehmen Synanon-Mitglieder an verschiedenen Drogen-Fachtagungen in Berlin, Mainz und Hamburg teil. Angehende Sozialarbeiterinnen absolvieren bei Synanon ihr Praktikum.

Durchschnittlich 160 Bewohner, 366 Aufnahmen.

361 Drogentote in Deutschland, davon 32 in Westberlin.

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1985 - Hofgut Fleckenbühl wird in Betrieb genommen

Die Inbetriebnahme des landwirtschaftlichen Zweckbetriebes beginnt mit Instandsetzungsarbeiten. Es folgt die Umstellung auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Die Auflagen des Demeter-Fachverbandes werden erfüllt.

Synanon-Bewohner nehmen verstärkt an Weiterbildungskursen teil. Ein Synanon-Bewohner beendet erfolgreich seine Bäckerlehre. Die Druckerei beginnt mit der Herstellung und dem Vertrieb von Wohlfahrtsmarkenheften für die Zentrale des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Die Öffentlichkeitsarbeit wird erweitert. Namhafte Mediziner, Psychiater und Drogenexperten halten Vorträge in Synanon zu brisanten Themen wie zum Beispiel HIV und HCV mit anschließender Diskussion. Gesponsert von der Bayer AG, wird im Sommer ein halbstündiger Film über Synanon gedreht.

Parallel zum Wirtschaftsgipfel findet ein Treffen der First Ladys Marianne Freifrau von Weizsäcker und Nancy Reagan, die die Anti-Drogen-Kampagne Just say No ins Leben gerufen hatte, statt. Zu dieser Veranstaltung eingeladen ist ein Vertreter Synanons.

Durchschnittlich 180 Bewohner, 340 Aufnahmen.

324 Drogentote in Deutschland, davon 39 in Westberlin.

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1986 - Abschluss der Instandsetzungsarbeiten am Haus Bernburger Straße 24-25; Gründung des Synanon-Fachverlages; Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an zwei Synanon-Mitglieder

Nach 8 Jahren Bauzeit sind die Arbeiten am Haupthaus Bernburger Straße 24-25 abgeschlossen. Die Einweihungsfeier findet in feierlichem Rahmen mit zahlreichen Vertretern aus Politik und Gesellschaft statt.

Die Senatorin für Jugend und Familie legt dem Abgeordnetenhaus von Berlin ein Finanzierungskonzept für den Synanon-Neubau Bernburger Straße 10 vor.

Hofgut Fleckenbühl erhält die Anerkennung als biologisch-dynamischer Betrieb.

Der Synanon-Fachverlag nimmt als sechster Zweckbetrieb mit der Herausgabe der Zwei-Monats-Zeitschrift SuchtReport - Europäische Fachzeitschrift für Suchtprobleme die Arbeit auf (Erstauflage: 10.000 Stück). Synanon wird Mitglied im Bundesverband der Druckindustrie und erhält so die Möglichkeit, auf die Bildungsangebote der Branche zurückzugreifen.

Im Mai erhalten Synanons 1. Vorsitzender Ingo Warnke und Geschäftsführer Ralph-Dieter Wilk von Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz als Anerkennung für ihre langjährige und erfolgreiche Arbeit in der Drogenhilfe.

Besuche in befreundeten Kibbuzen in Israel. Teilnahme an der Veranstaltungsreihe Suchtwoche des ZDF im Oktober. Kunstausstellungen im Synanon-Haus.

Novum in der Geschichte Synanons: Erstes Angestelltenverhältnis mit einem ehemaligen Synanon-Bewohner. Ralph-Dieter Wilk verlässt nach 11 Jahren Zugehörigkeit zusammen mit Frau und Kind die Synanon-Gemeinschaft und arbeitet weiterhin als Geschäftsführer für Synanon. Diese Entscheidung des Vorstandes stößt bei vielen Mitgliedern der Synanon-Gemeinschaft auf Vorbehalte und Kritik.

Durchschnittlich 200 Bewohner, 388 Aufnahmen.

348 Drogentote in Deutschland, davon 55 in Westberlin. Nach Schätzungen des BKA gibt es 60.000 Drogenabhängige in der Bundesrepublik.

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1987 - Neubau des Synanon-Hauses Bernburger Straße 10 bewilligt; Ausbau der biologisch-dynamischen Landwirtschaft; Verdienstorden des Landes Berlin an Synanon-Mitbegründer; Teilnahme an Weltrechtskonferenz

Der Bewilligungsausschuss bei der Wohnungsbau-Kreditanstalt Berlin (WBK) hat sich für eine Förderung des Synanon-Neubaus Bernburger Straße 10 entschieden. Die Senatsverwaltung für Jugend und Familie fördert das Bauvorhaben mit 1,9 Mio DM.

Im Mutter-Kind-Haus in der Peter-Lenné-Straße werden die umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen mit einer Einweihungsfeier beendet.

Im Rahmen des Ausbaus der biologisch-dynamischen Landwirtschaft auf dem Hof Fleckenbühl legt ein Synanon-Bewohner erfolgreich die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister ab.

Synanon-Mitbegründer Ingo Warnke wird am 1. Oktober vom Regierenden Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, im Rahmen einer Feierstunde am Tag der Verfassung in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um Berlin der Verdienstorden des Landes Berlin verliehen.

Synanon-Geschäftsführer Ralph-Dieter Wilk hält anlässlich der 13. Weltrechtskonferenz in Seoul, Südkorea, in der Sektion Health and Drug Law einen Vortrag zum Thema Therapie statt Strafe. Als Reaktion darauf folgen Berichterstattungen und Interviews in den deutschen Medien.

Die Gattin des Bundespräsidenten, Marianne Freifrau von Weizsäcker, besucht in Begleitung ihrer persönlichen Referentin Synanon.

Durchschnittlich 185 Bewohner, 468 Aufnahmen.

442 Drogentote in Deutschland, davon 41 in Westberlin. Die Anzahl der Betäubungsmittelabhängigen wird auf über 80.000, die der Kokainmissbraucher auf 5.000 bis 10.000 geschätzt.

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1988 - Finanzierung des Synanon-Neubaus gesichert; Eröffnung des Ladengeschäfts Kunstpause; Hof Fleckenbühl erhält Umweltpreis; Einführung eines Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms

Die Finanzierung des dem Stammhaus gegenüber gelegenen Neubaus in der Bernburger Straße 10 ist gesichert. Baubeginn ist am 1. April. Bei der Grundsteinlegung am 14. Oktober sind u. a. die Bürgermeisterin Hanna Renate Laurin, der Staatssekretär für Jugend und Sport Prof. Dittberner sowie Kreuzbergs Bürgermeister Wolfgang Krüger mit Reden und Grußworten vertreten.

In der Bernburger Straße 26 wird das Ladengeschäft Kunstpause eröffnet. Verkauft werden dort Waren des Zweckbetriebes Keramik sowie gestiftete Grafiken Berliner Künstler. Neben Irene Warnke und Synanon-Freund Edgar-Carlo Bettermann stellen weitere Künstler ihre Bilder und Arbeiten wechselnd aus.

Hof Fleckenbühl erhält den Umweltpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Die wichtigsten Baumaßnahmen und Instandsetzungsarbeiten dort werden abgeschlossen.

Im August wird den Polizeibeamten Klaus Scheel, Detlef Eichhorn und Herbert Staack für ihre mehrjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Sportlehrer für Synanon im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Für das seit 1984 ehrenamtliche Vertreiben von Wohlfahrtsbriefmarken und Markenheften im Auftrag des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) überreicht Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eine Urkunde an einen Vertreter Synanons, der diese stellvertretend für den Berlinder Landesverband des DPWV entgegen nimmt.

Der ehemalige Generalbevollmächtigte für Wirtschaftsförderung des Landes Berlin, Robert G. Layton, sagt Synanon im November seine ehrenamtliche Mithilfe als Wirtschaftsberater zu. Schwerpunkt ist die Entwicklung langfristiger finanzieller und organisatorischer Konzepte. Der erste Schritt in diese Richtigung beginnt 1989 mit einem einjährigen Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm für eine begrenzte Anzahl von Synanon-Bewohnern.

Der Fuhrpark des Synanon-Zwecktetriebes Umzüge und Transporte wird auf 5 Möbelkofferwagen, 2 Kipper und ein 18-Tonner-Fahrzeug erweitert.

Durchschnittlich 208 Bewohner, 549 Aufnahmen.

670 Drogentote in Deutschland, davon 80 in Westberlin. Nordrhein-Westfalen startet einen Modellversuch mit der Ersatzdroge Methadon.

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1989 - Aufnahme süchtiger Menschen aus der DDR; Start des Beschäftigungs- und Qualifizierungs-programms; Demeter-Anerkennung für Hof Fleckenbühl

Synanon wird Anfang des Jahres Mitglied im Deutschen Kinderhilfswerk.

Im März lädt die Synanon-Gemeinschaft zum Ehemaligen-Treffen ein, dass von nun an regelmäßig zweimal im Jahr - zu Ostern in Berlin, im November in Fleckenbühl - stattfinden soll. Synanon beginnt damit, ehemalige Bewohner und andere nüchtern lebende Süchtige als gleichberechtigte Partner des Nüchternseins anzusprechen.

Teilnahme an diversen Veranstaltungen und Kongressen.

Hof Fleckenbühl erhält für seine Vieh- und Landwirtschaft die Anerkennung als Demeter-Betrieb. Im Hofladen werden Käse, Fleisch, Brot und Gemüse aus eigenem Anbau verkauft.

Veränderte Aufnahmeregelung durch Einführung einer Probezeit von 14 Tagen für Neuankömmlinge. Erst nach dieser Zeit wird von den Bewerbern eine Entscheidung über eine längere Verweildauer in Synanon erwartet.

Ab 1. April nehmen 29 Männer und 6 Frauen von Synanon an einem staatlichen Beschäftigungsprogramm mit besonderen berufsorientierten Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen teil. Die Zusammenarbeit erfolgt mit den Senatsverwaltungen für Arbeit, Verkehr und Betriebe sowie Gesundheit und Soziales und dem Bezirksamt Kreuzberg. Durch diese sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse werden erstmals in der Geschichte Synanons Bewohner in die Lage versetzt, mitgebrachte Schulden, Unterhaltsverpflichtungen und dgl. ganz bzw. teilweise begleichen zu können.

Nach Grenzöffnung werden die ersten Hilfe suchenden Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigen sowie drei Fixer  aus der DDR aufgenommen. Der Neubau in der Bernburger Straße 10 ist noch nicht bezugsfertig und der Altbau gegenüber ist überbelegt. Der Anspruch, jederzeit jede anhängige Person in jedem Zustand aufzunehmen, fordert der Synanon-Gemeinschaft mehr denn je ab.

Über Synanon wird in zahlreichen Medien, auch in denen der DDR, berichtet.

Die Redaktion des Synanon-Fachverlages erhält von Günter Dahl, einem erfahrenen Journalisten des Magazins Stern und Freund aus den Gründungsjahren, fachliche Beratung und Unterstützung.

Durchschnittlich 240 Bewohner, 689 Aufnahmen.

991 Drogentote in Deutschland, davon 94 in Westberlin. Nordrhein-Westfalen startet einen Modellversuch mit der Ersatzdroge Methadon.

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1990 - Einweihung des Synanon-Hauses Bernburger Straße 10; Fortsetzung des staatlich geförderten Beschäftigungsprogramms, Aufnahmezahlen steigen um 70 %

Feierliche Eröffnung des Neubaus Bernburger Straße 10 am 15. Januar mit Gästen aus Politik und Öffentlichkeit wie der Bürgermeisterin Ingrid Stahmer, der Senatorin Anne Klein, dem Vorsitzenden des DPWV, Prof. Sengling, und anderen.

Das Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm wird von 35 auf 50 Plätze erweitert.

Synanon-Zweckbetriebe engagieren sich in vielfältiger Art und Weise. So wird der Hof Fleckenbühl Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Verarbeitung und Vertrieb von Demeter-Erzeugnissen e.V., Mitarbeiter der Druckerei besuchen wie in den Vorjahren die Fachmesse Drupa in Düsseldorf, der Fachverlag gibt mit dem Anti-Drogen-ABC eine Loseblatt-Sammlung heraus, der neu gegründete Zweckbetrieb Bäckerei mit dem Schwerpunkt auf Demeter-Produkte wird Mitglied der Bäckerinnung, der neu gegründete und somit achte Synanon-Zweckbetrieb Speise-Café und Markt öffnet in natürlich rauch- und alkoholfreier Atmosphäre mit der Ausstellung eines Malers. Traditionell finden in Synanon Kunstausstellungen, Konzert- und Musikveranstaltungen statt.

Dr. Dietrich Kleiner, Psychiater und Drogenexperte und langjähriger Freund Synanons sowie engagiert im Informationskreis Drogenprobleme e.V., initiiert in den Räumen von Synanon eine Informationsveranstaltung, der 300 Mediziner aus der noch-DDR folgen. Ingo Warnke referiert an der Humboldt-Universität in Ostberlin vor 70 Ärzten zum Thema Suchtprophylaxe. Der Informationsbedarf ist groß und Synanon gefragt.

Durchschnittlich 310 Bewohner, 1.068 Aufnahmen.

991 Drogentote in Deutschland, davon 94 in Westberlin. Nordrhein-Westfalen startet einen Modellversuch mit der Ersatzdroge Methadon.

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1991 - Verkauf des Stammhauses Bernburger Straße 24-25; Kauf des Grundstücks Herzbergstraße 82 - 84 in Berlin-Lichtenberg; Ewerb eines landwirtschaftlichen Betriebes im Land Brandenburg; 20-jähriges Bestehen Synanons

Aufgrund der durch die Wiedervereinigung Deutschlands enorm angestiegenen Aufnahmezahlen in Synanon glauben die Verantwortlichen, diesem Bedarf auch künftig räumlich zu entsprechen zu müssen. Sie entschließen sich, das Stammhaus Bernburger Straße 24-25, das bei Erwerb im Jahre 1978 im Grenzgebiet einen Dornröschenschlaf fristete, aufzugeben. Der Verkauf dieses Hauses bringt stolze 29 Mio DM ein, die verwendet werden für den Kauf zweier von der Treuhandanstalt angebotener Grundstücke. Erworben werden zum einen das Grundstück Herzbergstraße 82 - 84 in Berlin-Lichtenberg, das das neue Synanon-Stammhaus werden soll, sowie das im Hohen Fläming (Land Brandenburg) gelegene ehemalige VEG (volkseigenes Gut) Schmerwitz. Letzteres mit der Verpflichtung, 65 ehemalige VEG-Mitarbeiter in einer zweijährigen ABM-Maßnahme für den Bereich des ökologischen Landbaus zu schulen und anschließend einen Teil von ihnen einzustellen. Zweck der daraufhin gegründeten gemeinnützigen GmbH Gut Schmerwitz ist es, Synanon-Bewohnern Arbeitsmöglichkeiten in der Landwirtschaft zu bieten. Bei der Umstellung auf biologisch-dynamischen Landbau übernimmt das Hofgut Fleckenbühl die Patenschaft. Brandenburgs Ministerin Dr. Regine Hildebrandt sagt nach einem Besuch in Schmerwitz, bei dem sie sich umfassend über die Vorhaben Synanons informierte, ihre künftige Unterstützung zu.

Die beiden neuen Projekte stellen die leitenden Synanon-Mitglieder auf eine Belastungsprobe. Die räumlichen Improvisationen und die vermehrten Aufnahmen müssen gemeinsam mit immer mehr jüngeren und noch nicht so lange zur Gemeinschaft gehörenden Synanon-Mitgliedern bewältigt werden, denen Spezialwissen in den Haus- und Arbeitsbereichen noch vermittelt werden muss.

Termine wie die Teilnahme mit einem Informationsstand des Synanon-Fachverlags beim 14. Bundesdrogenkongresses des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel (FDR) e.V. wie den Empfang des Präsidenten des Präsidentenhauses von Malaysia und andere mehr werden wahrgenommen.

Im Oktober begeht Synanon das 20-jähriges Bestehen improvisiert im neuen, noch instandzusetzenden Stammhaus Herzbergstraße, in das als erster Zweckbetrieb die Druckerei einzieht.

Durchschnittlich 360 Bewohner, 724 Aufnahmen, 583 Krisenaufenthalte.

2.125 Drogentote in Deutschland, davon 240 in Berlin

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1992 - Ausbau des neuen Stammhauses Herzbergstraße; Ziele in der Drogenhilfe werden schriftlich fixiert; Weiterhin steigende Aufnahmezahlen

Die umfangreichen Bauarbeiten im neuen Stammhaus Herzbergstraße laufen auf Hochtouren. Künftig sollen dort alle Synanon-Zweckbetrieb einschließlich Verwaltung angesiedelt werden. Bereits im Juni wird die Bäckerei provisorisch in Betrieb genommen.

Zu Jahresbeginn wird für alle Mitglieder der Verwaltung ein Bildungspass erstellt, der Bildungsangebote unter Berücksichtigung individueller Fähigkeiten bereit hält.

Synanon-Mitglieder beginnen ihre bisher verfolgten Ziele in der Drogenhilfe und die dazu notwendigen Maßnahmen und Voraussetzungen systematisch zu beschreiben und detailliert zu fixieren. Damit legen sie ihr Konzept der Suchthilfe in curricular-ähnlicher Form gemeinschaftlich und überpersonell fest.

Sonstige Ereignisse: Empfang einer Delegation aus Guatemala, deren Teilnehmer sich als Gäste der Konrad-Adenauer-Stiftung einen Überblick über Sinn, Ziele und Methodik Synanons verschaffen möchten. Doppelhochheit im Mai. Damit gab es insgesamt 20 Eheschließungen in Synanon. Aufgabe des Jägerhofs im Juni mit Abschiedsfeier im April. Ein Teil der Bewohner zieht nach Schmerwitz und baut dort die Keramikwerkstatt auf. Der Zweckbetrieb "Speisecafé" wird vorerst geschlossen, denn Küche und Speiseraum werden für die Bewohner der Bernburger Straße 10 benötigt. Im Sommer erholen sich 20 Kinder aus Tschernobyl in Berlin und Schmerwitz. Teilnahme an der im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Leistungsschau der regionalen Wirtschaft, die zur Eröffnung von Hessens Ministerpräsident Hans Eichel besucht wird. Im November besichtigt der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen anlässlich seines Bezirksbesuches in Lichtenberg das Haus Herzbgerstraße. Mittlerweile leben und arbeiten dort ca. 50 Synanon-Bewohner unter provisorischen Bedingungen.

Mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung Deutschlands ist für Synanon eine Zeit des raschen Wachstums gekommen. Die Gemeinschaft ist sich bewusst darüber, dass dies eine Besinnung auf die eigenen Ziele und Werte erfordert.

Durchschnittlich 450 Bewohner, 1.262 Aufnahmen, 851 Krisenaufenthalte.

2.099 Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 3), davon 217 in Berlin. Die Anzahl der Betäubungsmittelverbraucher wird auf 100.000 bis 120.000, die der Aufputschmittelverbraucher (Kokain) auf über 40.000 geschätzt.

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1993 - Bauarbeiten in der Herzbergstraße schreiten voran; Mittlerweile 128 Synanon-Bewohner in Schmerwitz - Ausbau für 500 Menschen in Planung; Inbetriebnahme der Milchwirtschaft; Arbeitsbesuch von Vertretern des Berliner Drogenreferats in der Bernburger Straße

Das Haus Herzbergstraße soll nach Abschluss der Arbeiten, die noch bis 1996 andauern werden, Wohn- und Arbeitsraum für 500 Menschen bereit halten. Es ist somit das größte Bauvorhaben in der bisherigen Geschichte Synanons. Das Jahresfest zum 22-jährigen Bestehen findet am 9. Oktober zusammen mit einer Bauausstellung statt. Gute Kontakte zum Nachbarn, dem evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge bestehen bereits.

In Schmerwitz hat sich die Zahl der Bewohner von 40 auf 128 erhöht. Künftig sollen 500 süchtige Menschen in Schmerwitz ein neues Zuhause finden. Über Fördermöglichkeiten und andere wirtschaftliche Aspekte beraten vor Ort Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Manfred Stolpe, Vertreter der Staatskanzlei und des Wohnungsbauministeriums sowie Landräte mit Vertretern Synanons und deren Baubetreuern und Architekten. Anfang April besichtigen Vertreter des Brandenburgischen Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung das Pilotvorhaben Biotop-Verbundsystem Schlamau-Schmerwitz. Im September findet das Richtfest des Kuhstalls in Hagelberg mit Platz für 250 Milchkühe (Gut Schmerwitz) statt. Im November dann die vorläufige Einweihungsfeier der Milcherzeugungsanlage mit EDV-gestützter Futterzuteilung. Unter den mehr als 1.000 Gästen befinden sind Staatssekretäre des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Landrat und der Architekt.

Auf Hof Fleckenbühl in Hessen wird das Cafe Fleck mit angeschlossener Vollkornbäckerei eröffnet. Ein Hof-Bewohner legt die Prüfung zum Tierwirtschaftsmeister ab.

Im Oktober besuchen Vertreter des Berliner Drogenreferats das Haus Bernburger Straße 10 und sprechen dort mit Verantwortlichen der Abteilung für zivil- und strafsächliche Betreuung. Vor dem Hintergrund der steigenden Aufnahmezahlen ist kompetente Beratung und Unterstützung dringend erforderlich.

Sonstige Ereignisse: Besuch eines Gastprofessors aus China in Berlin und Schmerwitz. Auf Initiative von Irene Warnke findet die 1. Schmerwitzer Kunstwoche statt. Künstler sind eine Woche lang in Schmerwitz zu Gast und arbeiten mit Synanon-Bewohnern an verschiedenen Kunstprojekten.

Durchschnittlich 470 Bewohner, 1.127 Aufnahmen, 621 Krisenaufenthalte.

1.783 Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 2), davon 142 in Berlin.

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1994 - Zahlreiche Besuche durch Vertreter von Bundes- und Landesministerien sowie ausländischer Regierungsvertreter

Gut Schmerwitz empfängt in diesem Jahr besonders viele Gäste: Zu einem Gespräch über geplante Projektmaßnahmen unter der Überschrift Arbeit statt Sozialhilfe teffen sich die Leiterin des Sozialamtes, Vertreter des Landesamtes für Soziales und Versorgung und ein Mitarbeiter des Landesdrogenbeauftragten von Brandenburg mit Vertretern von Synanon. Ebenso finden Gespräche mit Brandenburgs Minister Hirch zur Neu- und Umgestaltung des Landschaftsbildes Hagelberg statt. Im Juli besucht die Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Sabine Bergmann-Pohl Synanon Gut Schmerwitz. Auf ihrer Tour durch die neuen Bundesländer stattet die Umweltministerin des Landes Niedersachsen, Monika Griefahn, einen Besuch ab. Im Dezember dann wird Brandenburgs Minister Matthias Platzeck empfangen.

Hof Fleckenbühl erhält im August überraschend Besuch von Hessens Ministerpräsident Hans Eichel. Am 10. September wird 10-jähriges Bestehen gefeiert. 2.000 Gäste folgen der Einladung. An diesem Tag leben 115 Synanon-Bewohner, 92 Rinder, 45 Schweine, 5 Perde sowie ungezählte Ziegen, Hunden und Katzen dort. Am 22. Dezember überreicht der hessische Staatssekretär Alexander Müller den Bewilligungsbescheid zum Aus- und Erweiterungsbauvorhaben für das Hofgut.

Die Synanon-Bäckerei nimmt am Demeter-Fachgruppentreffen in Weinheim teil.

Ereignisse: Zweite Schmerwitzer Kunstwoche findet statt. Feier zum 23-jährigen Bestehen Synanons in der Herzbergstraße. Vorträge befreundeter Mediziner in Synanon-Häusern: Unter anderen referiert Dr. Salloch Vogel vom Jüdischen Krankenhaus zum Thema Rückfallverhinderung und Tragen von Verantwortung für mich selbst und informiert darüber hinaus über Suchtstoffe in Lebensmitteln.

Besuche statten ab: Mitglieder des israelischen Kibbuzes Magen, der Direktor des malayischen Anti-Narcotics Task Force in Kuala Lumpur, Mitglieder der französischen Arche-Gemeinschaft La Fleyssiere, die Schweizer Nationalrätin Dr. Judith Stamm, die die Synanon-Häuser und Gut Schmerwitz besichtigt, Mitglieder der staatlichen Selbsthilfeorganisation Fröso aus Schweden.

267 Bewohner per 01.01, 802 Aufnahmen, 258 Krisenaufenthalte.

1.624 Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 6), davon 108 in Berlin. Die Zahl der Betäubungsmittelabhängigen (Heroin/Kokain) wird auf 150.000 bis 200.000 geschätzt.

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1995 - Hof Fleckenbühl wird selbständig

Dem Wunsch nach Selbständigkeit folgend, trennt sich im September nach 11 Jahren die Gemeinschaft auf Hof Fleckenbühl organisatorisch von Synanon in Berlin und Brandenburg. Als Suchthilfe Fleckenbühl e.V. arbeitet das Gut nach Synanon-Regeln weiter. Mit der Abtrennung im Sinne einer Zellteilung beginnt in der über 20-jährigen Geschichte Synanons ein neuer Abschnitt. Die Muttergemeinschaft Synanon lässt eines ihrer erwachsen gewordenen Kinder in die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit ziehen im Vertrauen darauf, dass das erwachsene Kind seinen weiteren Weg nach den Grundsätzen Synanons gehen wird.

Mit Fortschreiten der Fertigstellung des neuen Stammhauses in der Lichtenberger Herzbergstraße, das Platz für 500 süchtige Menschen bieten soll, trennt sich Synanon schweren Herzens vom Mutter-Kind-Haus in der Peter-Lenné-Straße in Berlin-Dahlem.

Da die angegangenen Großprojekte die Verantwortlichen in weiten Teilen anfangen zu überfordern und zudem die Gemeinschaft immens belasten, holt Synanon für Fragen der Organisation und Führung erstmals die Hilfe professioneller Unternehmensberater ins Haus. Die Mitarbeiter der holländischen Beratungsgesellschaft NPI interviewen und beraten bei mehreren Besuchen in Schmerwitz und Berlin.

Besuche: Der parlamentarische Staatssekretär und Drogenbeauftragter der Bundesregierung Eduard Lintner informiert sich bei einer Führung durch das Haus Herzbergstraße über Synanon. Er wird begleitet vom Vorstandsvorsitzenden Ingo Warnke und Geschäftsführer Ralph-Dieter Wilk. Dr. Sabine Bergmann-Pohl, parlamentarische Staatssekretärin, und Dr. Hans Hinrich Knappe, MdB, besuchen Gut Schmerwitz. Ein Mitglied des Europäischen Parlaments im Politikbereich Drogenkriminalität und Drogenbekämpfung diskutiert im Haus Bernburger Straße mit Vertretern Synanons über Fragen der Suchtarbeit und Suchtpolitik.

Über das Jahr verteilt finden zahlreiche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, Kunstwoche und Jahresfest in Scherwitz und dgl. statt.

197 Bewohner per 01.01., 677 Aufnahmen, 200 Krisenaufenthalte.

1.463 Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 7), davon 108 in Berlin (bei geschätzten 8.000 Drogenabhängigen). Jeder 20. Deutsche gilt als suchtkrank. Allein die Zahl der Medikamentenabhängigen wird auf 1,4 Millionen Menschen geschätzt. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 11,4 Litern Alkohol liegt Deutschland weltweit an der Spitze.

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1996 - Namensumbenennung von Synanon International e.V. in Synanon e.V.; 25 Jahre Synanon und Einzug in die Herzbergstraße werden groß gefeiert

Namensumbenennung von Synanon International e.V. in Synanon e.V.

Synanon feiert 25-jähriges Jubiläum und den Einzug in das neue Stammhaus Herzbergstraße in Berlin-Lichtenberg am 20. und 21. September mit ca 1.700 Gästen, einem bunten Programm mit zahlreich auftretenden Künstlern von Klassik bis Pop sowie einem selbst arrangierten Buffets. Festredner sind der Bundesdrogenbeauftragte Eduard Lintner und die Berliner Senatorin für Jugend und Familie Ingrid Stahmer.

Mit dem Projekt Herzbergstraße ging eine Ära zu Ende und eine neue beginnt. Ein Pionier der Herzbergstraße hat es schon 1992 einmal treffend beschrieben: Neue Synanisten mussten hier früh Verantwortung übernehmen, wodurch der Status in der Synanon-Hierarchie, anders als in unseren anderen Häusern, zweitrangig wurde. In dem kleinen Rahmen wurden auch die vielen kleinen Gebote und Einschränkungen viel beweglicher gehandhabt, was den Umgang miteinander letztlich entspannte ... Es kommen ganz neue Leute, die gewissermaßen eine fertige Situation vorfinden, und alte Synanisten, die ihre Vorstellungen dem hiesigen Stil anpassen müssen. Auch das ist wieder sehr spannend. Hier wie auch in Schmerwitz wird Synanon sich merklich verändern.

5 Jahre Synanon Gut Schmerwitz. Das brandenburgische Wohnungsbauministerium bewilligt den Bau von 60 Wohneinheiten mit 150 Wohnplätzen. Konkret heißt das, dass mit dem Bau der geplanten 11 Neubauten im Dorf Schmerwitz begonnen werden kann, deren Fertigstellung für Ende 1997 geplant ist. In der hauseigenen Zeitung Neues von Synanon wird dazu geschrieben, dass man über die zunächst bewilligten Wohnplätze hinaus auf weitere mit entsprechenden Gemeinschaftsflächen für dann insgesamt 500 Menschen hoffe. Die Vision der Verantwortlichen von einem Synanon-Dorf wird weiter verfolgt.

Die Fachzeitschrift SuchtReport erscheint seit nunmehr 10 Jahren, das Mitteilungsblatt Neues von Synanon seit 20 Jahren.

186 Bewohner per 01.01., 633 Aufnahmen, keine Angaben über Krisenaufenthalte erfasst.

1.624 Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 6), davon 108 in Berlin. Seit 1990 hat sich die Zahl der 14- bis 15-jährigen Ecstasy-Konsumenten verdreifacht, bisher haben 540.000 Menschen Erfahrungen damit gemacht.

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1997 -
Wirtschaftliche Probleme werden sichtbar; Uwe Schriever wird als kaufmännischer Berater hinzugezogen; Langzeitstudie wird veröffentlicht

In den Jahren 1996/1997 gerät Synanon in die sich schon länger vorher abzeichnende schwere wirtschaftliche Krise. Grobe Managementfehler und Fehleinschätzungen der Verantwortlichen werden offenbar. Interne Meinungsverschiedenheiten zwischen den Verantwortlichen eskalieren. Die angegangenen Großprojekte unter Beratung und Betreuung von Bauträgern und Architekten entwickeln sich zu einem Fiasko, aus dem sich Synanon ohne fremde Hilfe nicht mehr befreien kann. Die Existenz der seit 25 Jahren bundesweit größten Suchtselbsthilfe ist bedroht.

Vom Vorstand des Synanon e.V. Ende 1996 um Hilfe gebeten, sagt Uwe Schriever Anfang 1997 wieder einmal seine Unterstützung zu. Aus der anfänglichen Bereitschaft, für eine kurze Zeit beratend zur Seite zu stehen, wird schnell klar, dass tatsächliche Hilfe nur über einen längerfristigen Zeitraum erreicht werden kann. Uwe Schriever übernimmt die kaufmännische Betreuung und Beratung.

Synanon beschreitet von nun an einen Weg, der überaus beschwerlich ist. Es wird ein Erbe angetreten, dass Widrigkeiten und Rückschläge bereit hält. Freunde und Förderer sind verschreckt von der Entwicklung, die mehr oder weniger offenbar wird. Viele ziehen sich zurück. Das Vertrauen von Politik, Gesellschaft und Öffentlichkeit in die Suchtselbsthilfe Synanon muss neu erarbeitet werden. Die verbliebenen Verantwortlichen und neuen Mitstreiter um Uwe Schriever vollbringen auch in den darauffolgenden Jahren enorme Anstrengungen, um der Suchtselbsthilfe Synanon zu einer wirtschaftlichen Stabilität mit Rahmenbedingungen zu verhelfen, die für eine Fortführung der Suchthilfearbeit unerlässlich ist.

Noch im Reformjahr 1997 wird der kontinuierliche Ausbau der Zweckbetriebe vorangetrieben. Dies beginnt mit einer Straffung der Arbeitsorganisation. Um der von nun an verstärkt angestrebten Aus- und Weiterbildung von Synanon-Bewohnern eine solide Grundlage zu geben, werden je ein Meister in der Druckerei und in der Bäckerei sowie in der Wäscherei beschäftigt.

Konzept über Kinderprojekt wird bewilligt. Das Land Brandenburg übernimmt die Finanzierung. Traumatisierte und mit Erlebnissen aus der Suchtvergangenheit ihrer Eltern belastete Kinder erhalten nun in Schmerwitz ganztägig professionelle Hilfe und Begleitung durch Heilpädagogen und Erzieher.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erscheint die Katamnese der selbstverwalteten Suchthilfe SYNANON unter Berücksichtigung der Bildung sozialer Netzwerke in Deutschland. Die Ergebnisse - 70 % bleiben dauerhaft nüchtern, nachdem sie zwei bis drei Jahre in Synanon gelebt haben - sprechen für eine erfolgreiche Suchtselbsthilfearbeit von Synanon.

141 Bewohner per 01.01., 869 Aufnahmen, keine Angaben über Krisenaufenthalte erfasst.

1.501 Drogentote in Deutschland. 187.022 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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1998 - Auszug aus dem Synanon-Haus Herzbergstraße; Einführung eines offenen Meetings

Das Synanon-Haus in der Herzbergstraße erweist sich schon kurz nach Fertigstellung als nicht finanzierbar und muss aufgegeben werden. Die meisten dort lebenden Synanon-Bewohner ziehen zurück ins Synanon-Haus in der Bernburger Straße 10 und richten sich dort wieder ein. Vorher aber müssen die einige Zeit leerstehenden Räume zum Teil umgebaut und renoviert werden. Innerhalb von nur sechs Wochen ziehen 190 Synanon-Bewohnern mit allen Möbeln und Hausrat einschließlich Großküche und Verwaltung um. Die Zweckbetriebe Druckerei und Wäscherei werden in einer an die Bernburger Straße 10 angrenzenden Lagerhalle angesiedelt, nachdem diese instandgesetzt und renoviert wurde. Die Zweckbetriebe Umzüge, Clean up - Reinigung und Café & Markt (hieß vormals Kunstpause) finden im Synanon-Haus ihr neues Domizil. Die im Fachverlag sowie in der Bäckerei und im Töpferladen Tätigen ziehen mit ihren Zweckbetrieben aufs Land nach Schmerwitz. Koordniniert und geleitet wird dieser in der Geschichte Synanons bisher nie dagegwesene und an die Grenzen der Belastbarkeit gehende Großumzug von Peter Elsing, dem langjährigen Hausleiter und Vorstandsmitglied des Synanon e.V.

Neu eingeführt wird ein offenes Meeting. Es findet jeden Montag um 19:00 Uhr im Synanon-Haus statt und wird wechselnd geleitet von zwei erfahrenen Synanon-Bewohnern. Damit wird dem neuen Zeitgeist in Synanon und dem Bedarf ehemaliger Synanon-Bewohner nach Austausch in Selbsthilfegruppen entsprochen. Dieses Angebot richtet sich dennoch generell an alle interessierten süchtigen Menschen, auch an jene, die noch nicht zur dauerhaften Nüchternheit gefunden haben.

Aus den Zweckbetrieben: Synanon-Keramik-Laden im Holländischen Viertel in Potsdam eröffnet. Synanon-Café wieder eröffnet im Synanon-Haus Bernburger Straße 10.

176 Bewohner per 01.01., 687 Aufnahmen, 103 Krisenaufenthalte.

1.674 Drogentote in Deutschland, davon 313 in Berlin. 205.099 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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1999 - STIFTUNG SYNANON übernimmt die Suchthilfeaufgaben des Synanon e.V., Strukturwandel in Synanon nimmt Gestalt an; Kinderprojekt in Schmerwitz bewilligt; Synanon geht ins Netz unter www.synanon.de

Am 1.1.1999 - nach knapp zwei Jahren intensiver Sanierungsarbeit - übernimmt die in den 80er Jahren bereits ins Leben gerufene STIFTUNG SYNANON, deren einziges Ziel zunächst die Sicherung der Altersversorgung langjähriger Synanon-Mitglieder war, die Suchthilfeaufgaben des Synanon e.V. Damit vollzieht Synanon den strukturellen und inhaltlichen Wandel auch sichtbar nach außen. Synanon hat die Zeichen der Zeit erkannt und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, ohne jedoch die grundsätzliche Philosophie und das einzigartige Angebot der Aufnahme sofort aufzugeben.

Das Abenteuer Herzbergstraße ist den nun Verantwortlichen noch immer gegenwärtig, zeigt es doch, wie schnell durch eine Kette interner Fehlentscheidungen plötzlich die finanzielle und somit auch ideelle Basis Synanons in ihrer Existenz bedroht sein kann. Unter dem Dach der Stiftung herrschen von nun an strikte Kostenkontrolle, Transparenz und Offenheit. Oberstes Gebot ist der Erhalt des Stiftungsvermögens zur Sicherstellung satzungsgemäßer Zwecke der Suchtselbsthilfe.

Synanon erhebt nicht mehr den Anspruch, den allein gültigen Weg aus der Sucht zu bieten. Dennoch ist man in Synanon noch immer der festen Überzeugung, dass nur die strikte Abstinenz den sogenannten Königsweg aus der Drogensucht weist und es das Bestreben eines jeden Süchtigen sein soll, diesen obschon dornigen Weg zumindest zu versuchen. Durch behutsame Öffnung nach außen, der eine jahrelange und fortschreitende Form der Abschottung vorausging, versuchen die nun Verantwortlichen in Synanon, das Vertrauen von Politik und Öffentlichkeit zurück zu gewinnen und für die nach wie vor faszinierende Idee Synanons zu begeistern.

Den Vorsitz im Vorstand übernimmt im Oktober Peter Elsing, sein Stellvertreter wird Thomas Rottenbücher, ein weiteres Mitglied ist Ingo Warnke. Im Kuratorium unter Vorsitz von Irene Warnke, dem mittlerweile auch Uwe Schriever angehört, können Herr Rechtsanwalt Dr. Riebschläger (ehemaliger Finanzsenator von Berlin) und Herr Rechtsanwalt Nikolaus Ley zur ehrenamtlichen Mitarbeit gewonnen werden. Damit vollzieht sich Schritt für Schritt und auch nach außen hin sichtbar ein Generationswechsel in der Führung und Aufsicht der STIFTUNG SYNANON.

Gäste: Informationsbesuch in Berlin und Schmerwitz durch Ministerialdirektor Dr. Boeter aus dem Bundesjustizministerium. Chinas stellvertretender Landwirtschftsminister besucht Gut Schmerwitz, um sich vor Ort ein Bild über den biologisch-dynamischen Landbau zu machen.
Mitglieder des Europäischen Sozialfonds auf ihrer Informationsreise über Drogenprojekte in den Mitgliedsstaaten besuchen das Synanon-Haus in der Bernburger Straße wie auch Teilnehmer der European Cities Against Drugs (ECAD) im Rahmen ihrer in Berlin stattfindenden Beiratssitzung. In Begleitung des Drogenreferats von Berlin besuchen fünf Mitglieder des Suchtstoffkontrollrates der Vereinten Nationen das Synanon-Haus, um sich einen persönlichen Eindruck von Synanon zu verschaffen.

Interessantes aus den Zweckbetrieben: Café & Markt liefert zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin sein bisher umfangreichstes Buffet mit biologisch-dynamischen Produkten aus eigener Herstellung und Verarbeitung. Im Laufe des Jahres ist dieser Zweckbetrieb bei zahlreichen Veranstaltungen wie Kanzleieröffnungen (eine in Anwesenheit des Bundeskanzlers Gerhard Schröder) und dem Frohnauer Dressurfestival mit Buffets aus eigener Herstellung gefragt. Ein Synanon-Bewohner erhält im November den Meisterbrief fürs Elektrotechnikhandwerk vom Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Dr. Manfred Stolpe persönlich überreicht. Die Druckvorstufe der meistergeführten Synanon-Druckerei wird technisch aufgerüstet, so dass es einer Synanon-Bewohnerin möglich wird, eine Ausbildung zur Grafikdesignerin zu beginnen. Im Zweckbetrieb Keramik schließt Thomas Rottenbücher, Vorstandsmitglied, die Meisterausbildung im Keramikhandwerk erfolgreich ab; eine weitere Synanon-Bewohnerin besteht ihre Gesellenprüfung ebenfalls mit Erfolg.

Gründung des Zweckbetriebes Elektrotechnik unter der Leitung eines Meisters, der zuvor als Bewohner Synanons die Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen hat.

Interessierte aus medizinisch-helfenden und handwerklichen Berufen absolvieren Praktika in diversen Zweckbetrieben und Arbeitsbereichen Synanons.

Synanon geht mit www.synanon.de ins Internet.

138 Bewohner per 01.01., 564 Aufnahmen, 120 Krisenaufenthalte.
1.812 Drogentote in Deutschland, davon 205 in Berlin. 216.682 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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2000 - Generationswechsel - Vorstand und Kuratorium formieren sich neu; Suchthilfegemeinschaft in Schmerwitz wird selbständig mit Gründung des Synanon Schmerwitz e.V; DHS stellt Jahrbuch Sucht im Synanon-Haus vor

Die Synanon-Mitbegründer Ingo und Irene Warnke erklären ihren Rücktritt aus Vorstand bzw. Kuratorium. Eine räumliche Trennung durch Auszug war dem bereits vorangegangen. Der neue Vorstand besteht aus Peter Elsing, Thomas Rottenbücher und Ulrich Letzsch. Neuer Kuratoriumsvorsitzender wird Uwe Schriever. Peter Rohrer (Bankdirektor a. D.) und Ursula Birghan (langjähriges Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin) können als weitere Kuratoriumsmitglieder nach Herrn Dr. Riebschläger und Herrn Ley, die diesem bereits seit einem Jahr angehören, gewonnen werden.

Im April werden der Betrieb und die landwirtschaftlichen Flächen in Schmerwitz an einen privaten Investor verkauft. Trotz zuvor eingeleiteter und intensiv verfolgter Sanierungsmaßnahmen, die parallel zu denen in Berlin liefen, war es den neuen Verantwortlichen nicht möglich, den Betrieb der Synanon Gut Schmerwitz GGmbH zu erhalten. Der Traum von einem Synanon auf dem Lande mit Rahmenbedingungen und einem Betätigungsfeld zur Rehabilitation suchtkranker Menschen, die idealer nicht sein können, muss der Realität weichen. Die sich bereits 1999 und Anfang 2000 abzeichnende prekäre Situation löst bei den Bewohnern Ängste und Besorgnis aus.

So kann nach langen und intentensiven Verhandlungen mit dem Land Brandenburg eine Übergangslösung in Form einer finanziellen Unterstützung für eine begrenzte Anzahl von Synanon-Bewohnern in Schmerwitz herbeigeführt werden. Die Bedingungen des Landes sind die Herauslösung der Suchthilfe aus der Synanon Gut Schmerwitz GGmbH und die Zusage Synanons, die Suchthilfearbeit nur noch mit einem kleineren Personenkreis (ca. 50 Erwachsene und 20 Kinder) weiterzuführen.

Diesem Umstand ist es geschuldet, dass der Synanon Schmerwitz e.V. (im Vorstand: Thomas Rottenbücher, Uwe Schriever und Ulrich Letzsch) gegründet wird, der die Zusage des Landes Brandenburg auf finanzielle Unterstützung für die nächsten zwei Jahre erhält. Eine weitergehende Förderung durch das Land wird von vornherein ausgeschlossen, so dass man sich schon zu Beginn darauf konzentriert, eine langfristige Lösung für diesen neuen kleinen Verein zu finden, der sich als zweites Kind Synanons nach Hof Fleckenbühl im Jahre 1995 von der Mutter Synanon in Berlin abtrennt und in die Eigenständigkeit entlassen wird. Noch im Gründungsjahr erarbeiten die Verantwortlichen mit fachlicher Unterstützung durch den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband Brandenburg, ein Konzept, das der Suchtselbsthilfegemeinschaft in Schmerwitz, die sich kurze Zeit später in Scarabäus Hoher Fläming e.V. umbenennen wird, eine dauerhafte Existenz ermöglicht.

In Berlin besucht die parlamentarische Staatssekretärin und Drogenbeauftrage der Bundesregierung Christa Nickels in Begleitung ihres persönlichen Referenten Dr. Ilja Michels das Synanon-Haus in der Bernburger Straße 10. Nach einem Rundgang durch das Haus einschließlich Besichtigung der vor Ort ansässigen Zweckbetriebe Druckerei, Wäscherei, Umzüge, Clean up - Reinigung und Café & Markt, bei dem sie zahlreiche Gespräche mit Bewohnern führte, erklärt sie, dass Synanon ein Angebot sei, das allerdings nicht für jeden Süchtigen geeignet sei. Dabei verweist sie auf das Methadonprogramm, das auch künfig von der Bundesregierung gefördert werde.

Der ABB Elektrokonzern spendet Synanon 16 TDM aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens, für das er insgesamt 100 TDM gemeinnützigen Zwecken zukommen lassen möchte. Den Scheck überreicht der Vorstandsvorsitzende der ABB in Deutschland dem Vorstand von Synanon persönlich.

Das Qualitätsmanagement nach ISO 9001 soll in den Zweckbetrieben eingeführt werden. Sinn und Zweck der Einführung ist die Optimierung der Arbeitsabläufe in den Zweckbetrieben zur dauerhaften Qualitätssicherung.

Synanon-Bewohner, die sich zum Drucker, Fotosetzer und Tischler haben ausbilden lassen, bestehen ihre Gesellenprüfungen.

Die Synanon-Verwaltung wird von der Industrie- und Handelskammer als Ausbildungsbetrieb anerkannt.
Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren stellt erstmals im Synanon-Haus der Presse ihr aktuelles Jahrbuch Sucht vor.

172 Bewohner per 01.01., 503 Aufnahmen, 86 Krisenaufenthalte.
2.030 Drogentote in Deutschland, davon 225 in Berlin. 226.563 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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2001 Verkürzung der Kontaktpause; Einführung der Synanon-Nachsorge; Mitgliedschaft im FDR und bei InnerCity; 30-Jahres-Feier mit prominenten Gästen muss abgesagt werden; Einführung eines Qualitätsmanagementsystems

Die Kontaktpause für neue Synanon-Bewohner zu Verwandten, Freunden und Bekannten wird von sechs auf drei Monate verkürzt.

Im Rahmen ihrer satzungsgemäßen Aufgaben bietet die STIFTUNG SYNANON süchtigen Menschen, die abstinent leben, einen drogenfreien Arbeitsplatz an. Die ersten Anstellungsverhältnisse mit ehemaligen Synanon-Bewohnern werden geschlossen.

Die für Mitte September geplante Feier zum 30-jährigen Bestehen Synanons wird wegen der Terroranschläge am 11. September in den USA kurzfristig abgesagt. In Briefen würdigen der Bürgermeister und Senator für Schule, Jugend und Sport Klaus Böger sowie die Bezirksbürgermeisterin Dr. Bärbel Grygier die herausragenden Leistungen von Synanon.

Synanon tritt dem Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V. (FDR) bei und engagiert sich darüber hinaus als Gründungsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft InnerCity, einem ausstiegsorientierten Zusammenschluss mehrerer Vereine und Verbände.
Synanon-Bewohner nehmen an einer halbjährigen Suchthelferausbildung (168 Stunden), die von Dozenten des Paritätischen Bildungswerks durchgeführt wird, teil und erwerben umfangreiche Fachkenntnisse im Bereich der Suchthilfe.
Besuche: Im März informiert sich die Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke über die Rolle der Selbsthilfe im Selbsthilfesystem für Jugendliche. Eine Delegation der englischsprachigen CARICOM-Staaten stattet während einer Deutschlandreise zum Thema Humaner Strafvollzug, Resozialisierung, Menschenrechte Synanon einen Besuch ab.
Die weltweit agierende Selbsthilfegruppe Al-Anon als Angehörigenvertretung süchtiger Menschen hält aus Anlass ihres 50. Bestehens eine Pressekonferenz im Synanon-Haus ab.
Einführung des Qualitätsmanagementsystems DIN EN ISO 9001:2000 in den Synanon-Zweckbetrieben nach erfolgter Zertifizierung.
Die Verwaltung des Hotel Adlon und das Tierheim Lankwitz ziehen mit Synanon Umzüge um.
Es wird eng im Hause Bernburger Straße 10, so dass man sich zur Aufgabe des im Erdgeschoss des Hauses befindlichen Zweckbetriebes Café & Markt entschließt. In die Räume zieht das Büro des Zweckbetriebes Umzüge.

137 Bewohner per 01.01., 467 Aufnahmen, 74 Krisenaufenthalte.

1.835 Drogentote in Deutschland, davon 189 in Berlin. 224.336 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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2002 - Synanon holt 30-Jahres-Feier nach; Einführung der Synanon-Lebensschule; PARITÄTISCHE Ehrennadel in Gold an Uwe Schriever verliehen;

Synanon feiert 30-jähriges Bestehen. Mehr als 400 Gäste kommen, darunter zahlreiche Abgeordnete des Bundestages und des Abgeordnetenhauses. Auf der Rednerliste stehen der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marion Caspers-Merk.

Der Wandel von der Lebensgemeinschaft zur Lebensschule wird vollzogen. Synanon-Bewohner werden von nun an individuell und nach ihren jeweiligen Möglichkeiten neben der täglichen Auseinandersetzung mit der Sucht gefordert und gefördert, die eigens geschaffenen umfangreichen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung in kaufmännischen und handwerklichen Berufen für sich zu nutzen. Mehrere Ausbildungsverhältnisse werden geschlossen.

Wechsel im Vorstand: Für den stellvertetenden Vorstandsvorsitzenden, Thomas Rottenbücher, der um Entlassung aus dem Vorstand aufgrund von Arbeitsüberlastung durch seine Vorstandstätigkeit im Synanon Schmerwitz e.V. bittet, tritt Hannelore Junge, die die kaufmännischen Angelegenheiten Synanons schon seit Jahren begleitet, als drittes Mitglied in den Vorstand ein. Ulrich Letzsch wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

Im Mai wird Uwe Schriever die PARITÄTISCHE Ehrennadel in Gold für Sponsoring und langjähriges bürgerschaftliches Engagement zugunsten von Synanon - für ein Leben ohne Drogen des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes verliehen.

Der Spendenverein des Berliner Tagesspiegel unterstützt Synanon unter der Überschrift Menschen helfen! mit 12.000 €, die für die Anschaffung dringend benötigter Betten, Matratzen, Decken und Bezüge verwendet werden.

Beitritt zum neu gegründeten Arbeitskreis Zukunft vererben.de, einem Zusammenschluss von acht Vereinen und Verbänden, deren erklärtes Ziel es ist, über die Regelung des Nachlasses aufzuklären und dazu beizutragen, dass Vermächtnisse häufiger als bisher für die Ziele gemeinnütziger Organisationen eingesetzt werden können.

134 Bewohner per 01.01., 502 Aufnahmen, 76 Krisenaufenthalte.

1.513 Drogentote in Deutschland, davon 170 in Berlin. 246.518 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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2003 - Eberhard Diepgen wird Kuratoriumsmitglied; Synanon-Bewohner immer jünger; Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat e. V.; DPWV umgezogen; Start einer großen Plakataktion

Eberhard Diepgen, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, tritt dem Kuratorium der STIFTUNG SYNANON bei.

Trend setzt sich fort: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene suchen Zuflucht und Hilfe bei Synanon. Mittlerweile sind ein Drittel der Bewohner jünger als 25 Jahre. Schon seit Jahren ist auffällig, dass die hilfesuchenden unter 25-Jährigen neben Alkohol hauptsächlich Aufputschmittel und Designerdrogen wie Amphetamine, Speed, Ecstasy, Chrystal usw. konsumiert haben mit schweren physischen und vor allem psychischen Spätfolgen wie Konzentrationsschwächen, Halluzinationen, Psychosen, Schizophrenien, plötzlichen Angstzuständen und dergleichen.
Peter Elsing, Vorstandsvorsitzender der STIFTUNG SYNANON und Leiter des Synanon-Hauses, scheidet im November nach 20 Jahren Synanon-Zugehörigkeit aus gesundheitlichen Gründen aus. Ulrich Letzsch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, übernimmt die Leitung des Synanon-Hauses.

Neues Angebot für junge Bewohner: Jugendliche haben die Möglichkeit, in einer Reitschule im Norden Berlins Praktika zu absolvieren. Durch die Arbeit mit Pferden soll das Verantwortungsgefühl und das Selbstbewusstsein des Einzelnen gestärkt werden, was in der Reittherapie als ein heilendes Moment bezeichnet wird.

Synanon wird Mitglied im Deutschen Spendenrat e. V.

Der Zweckbetrieb Umzüge erhält den Auftrag, den Umzug des Gesamtverbandes des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von Frankfurt/Main nach Berlin durchzuführen.

Mit Unterstützung einer Werbefirma wird eine groß angelegte Aktion gestartet, um das Angebot der Aufnahme sofort bundesweit bekannt zu machen. Synanon-Bewohner geben auf insgesamt 11.500 Plakaten, die in Städten wie Hamburg, Frankfurt/Main, Berlin und Köln zu sehen sind, der Aktion im wahrsten Sinne des Wortes ihr Gesicht.

Besuche: Von der Drogenbeauftragten des Landes Berlin Elfriede Koller im Januar. Von DPWV-Geschäftsführer und langjährigem Wegbegleiter Synanons Rüdiger Schmidtchen und seiner Frau ebenfalls im Januar. Vom Präsidenten des Suchtstoffkontrollrates der UNO sowie der Vizepräsidentin und weiteren Vertretern in Begleitung der Landesdrogenbeauftragten sowie Vertretern aus dem Büro der Bundesdrogenbeauftragten, Vertretern des Bundes und des Auswärtigen Amtes im Juli.

Mittlerweile finden täglich Suchtpräventionsveranstaltungen im Synanon-Haus statt. Aufgrund der Authentizität, mit der Synanon-Bewohner über ihre Erfahrungen mit Drogen sprechen und Fragen beantworten, ist die Nachfrage von Lehrern und Schülern, Eltern, Auszubildenden in medizinisch-helfenden Berufen und anderen sehr groß.

Pressekonferenz der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. zur Vorstellung des Jahrbuch Sucht. Dabei werden die aktuellen Suchtzahlen veröffentlicht, wonach jährlich in Deutschland 220.000 Menschen an den Folgen ihrer Sucht sterben.

Neues aus den Zweckbetrieben: Die Vermarktung erhält das BIO-Zertifikat. Ins Leben gerufen wird der Zweckbetrieb Catering. Die Buffets und Arrangements mit Produkten aus bio-dynamischem Anbau erfreuen sich schon bald großer Beliebtheit. Das Team ist besonders stolz auf regelmäßige Bestellungen aus Bundestag und Abgeordnetenhaus, in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich das Synanon-Haus befindet.

Kuratorium und Vorstand ziehen auf einer gemeinsamen Sitzung im Oktober Bilanz. Fünf Jahre ist es her, dass die STIFTUNG SYNANON die Suchthilfeaufgaben des Synanon e.V. übernommen hat.

Im November findet die Versteigerungsaktion Traumfänger der Arbeitsgemeinschaft Zukunft vererben statt. Den Erlös (17 T€) dieser Charity-Veranstaltung, zu der zahlreiche Prominenz aus Politik, Unterhaltung, Sport und Gesellschaft erschienen, teilen sich die acht Mitgliedsorganisationen, zu denen auch Synanon gehört.

112 Bewohner per 01.01., 725 Aufnahmen, 84 Krisenaufenthalte.

1.477 Drogentote in Deutschland, davon 165 in Berlin. 255.575 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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2004 - Ausbildungsangebot wird erweitert; Baubeginn in Berlin-Karow; Urlaubsdomizil in Steinhagen erworben; Auslauf des Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojektes

Ausbildungsangebot an Synanon-Bewohner wird erweitert: Mittlerweile haben Synanon-Bewohner die Möglichkeit, sich zwischen 13 Berufen in kaufmännischen und handwerklichen Bereichen zu entscheiden.
Synanon übernimmt Patenschaft für angrenzenden Spielplatz in der Bernburger Straße.

Baubeginn eines neuen Synanon-Hauses in Berlin-Karow, im Nordosten Berlins gelegen, mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch und der Stiftung Deutsches Hilfswerk. Synanon-Bewohner bauen unter fachlicher Anleitung selbst mit. Jugendliche und junge Erwachsene, die vermehrt um Aufnahme bitten, sollen sich zunächst in familiärer und ländlicher Umgebung ihrem Alter entsprechend orientieren können, um so die für ihr weiteres Leben so wichtigen Entscheidungen über mitunter nachzuholende Schul- und Berufsausbildung treffen zu können. In den ebenfalls auf dem Grundstück angesiedelten Zweckbetrieben Tischlerei und Keramik werden Praktikumsangebote vorgehalten. Die Finanzierung des Projektes für 24 Jugendliche und junge Erwachsene ist beantragt.

Erwerb eines Urlaubsdomiziles in Steinhagen bei Stralsund. Geplant sind der Ausbau eines vorhandenen alten Hauses und ein Neubau. Künftig sollen kleinere Gruppen von Synanon-Bewohner dorthin therapeutische Urlaubs- und Wochenendfahrten unternehmen. Damit entfallen die Fahrten, die bisher in Jugendherbergen und Pensionen führten.

Das Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekt läuft endgültig zum Ende des Jahres 2004 aus. Die Finanzierung des Landes Berlin für 30 Plätze war schon im Jahre 2003 gefährdet. In zahlreichen Gesprächen konnte eine Fortführung dieses für Synanon-Bewohner einmalige und wichtige Projekt zur Weiterbildung und Entschuldung - wenn auch mit Einschränkungen - erreicht werden.

Veränderungen in Vorstand und Kuratorium: Peter Elsing scheidet Mitte des Jahres aus gesundheitlichen Gründen nun auch aus dem Vorstand aus, nachdem er bereits Ende des Vorjahres seine Tätigkeit als Synanon-Hausleiter aufgegeben hatte. Den Vorsitz übernimmt Uwe Schriever, dessen bisheriges Amt des Kuratoriumsvorsitzenden auf den bislang stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden Peter Rohrer übertragen wird. Neue stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende wird Ursula Birghan. Michael Frommhold tritt für Hannelore Junge, die ins Kuratorium wechselt, in den Vorstand ein.

152 Bewohner per 01.01., 692 Aufnahmen, 84 Krisenaufenthalte.

1.385 Drogentote in Deutschland, davon 192 in Berlin. 283.708 Rauschgiftdelikte in Deutschland. Nach einer Veröffentlichung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. trinkt jeder zweite Jugendliche regelmäßig hochprozentigen Alkohol. Das Einstiegsalter für regelmäßigen Alkohlkonsum liegt mittlerweile bei 14 Jahren. 6 % der 12- bis 24-Jährigen sind alkoholabhängig.

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2005 - Wohnprojekt in Berlin-Karow  eröffnet; neues Qualifizierungsprojekt löst altes ab; Zweckbetrieb Druckerei geschlossen; Zweckbetrieb Reitschule gegründet; Bundesverdienstkreuz an Vorstandsvorsitzenden verliehen; Ausbildung wird groß geschrieben

Mitte Mai wird das Wohnprojekt in Berlin-Karow feierlich eröffnet. Bezirksbürgermeister Burkhard Kleinert heißt Synanon in seiner Rede herzlich willkommen und sichert darüber hinaus die künftige Unterstützung des Bezirkes zu. Das Haus zu einem großen Teil von Synanon-Bewohnern selbst gebaute Haus bietet 24 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren Raum zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit und zur Erlernung einer nüchterner Lebensweise. Erfahrene Synanon-Bewohner geben vor Ort die erforderliche Hilfestellung.

Neues Qualifizierungsprojekt löst altes ab. Nach den Reformen auf dem Arbeitsmarkt, welche als Hartz IV durch die Presse gingen, und dem Wegfall des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG), welches die finanzielle Grundlage für das bisheriges Beschäftigungsprojekt war, kann Synanon erreichen, dass von Juni 2006 an vom JobCenter Friedrichshain-Kreuzberg und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds 30 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsplätze für Bewohner gefördert werden.

Zweckbetrieb Druckerei geschlossen. Synanon muss aus wirtschaftlichen Gründen den bereits in den Gründungsjahren ins Leben gerufenen Zweckbetrieb aufgeben. Zahlreiche Bewohner haben dort in all den Jahren eine Aus- oder Weiterbildung absolviert bzw. eine sinnvolle Beschäftigung auf dem Wege ihrer Rehabilitation erfahren.

Gründung einer Theatergruppe unter der ehrenamtlichen Leitung der Theaterregisseurin Meike Techem. Als erstes Stück wird Der Graf von Monte Christo aufgeführt.

Zweckbetrieb Reitschule gegründet. Auf dem Gelände einer bereits vorhandenen Reitanlage in Berlin-Frohnau wird dem neuen Zweckbetrieb ein eigener Bereich zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Synanon-Bewohner nehmen das Angebot, dort ein Praktikum bzw. eine Ausbildung zum Pferdepfleger FN zu absolvieren, in Anspruch. Für alle anderen interessierten Synanon-Bewohnern besteht die Möglichkeit, Reitstunden und andere Freizeitaktivitäten auf der Anlage wahrzunehmen.

Dem Vorstandsvorsitzenden, Uwe Schriever, wird im September das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch Bundespräsident Dr. Horst Köhler verliehen. In einer auf Wunsch Uwe Schrievers im Synanon-Haus stattfindenden Feierstunde mit zahlreichen Gästen aus Politik und Öffentlichkeit würdigt die Laudatorin Dr. Heidi Knake-Werner (Senatorin für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz) sein überragend großes ehrenamtliches Engagement zu Gunsten der Suchtselbsthilfe Synanon.

Besuche: Vom peruanischen Minister für Drogenkontrolle im Mai und vom schwedischen Drogenbeauftragten im Dezember. Beide Delegationen werden von Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin begleitet.

Ausbildung: Im September beginnen für fünf Synanon-Bewohner Ausbildungen zum Garten- und Landschaftsgärtner, Gas-Wasser-Sanitär-Installateur, Kaufmann für Bürokommunikation sowie Glas- und Gebäudereiniger. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich insgesamt 11 Synanon-Bewohner in der Ausbildung. Der Trend von jährlich 10 Führerscheinausbildungen setzt sich fort.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. stellt ihr aktuelles Jahrbuch auf einer Pressekonferenz im Synanon-Haus vor. Nach den veröffentlichten Zahlen befindet sich Deutschland europaweit in der Spitzengruppe beim Alkoholkonsum. 9,3 Millionen Deutsche weisen einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum auf. Rauschgiftdelikte sind von 246.518 im Vorjahr auf 255.575 angestiegen.

137 Bewohner per 01.01., 642 Aufnahmen, 132 Krisenaufenthalte.

1.385 Drogentote in Deutschland, davon 192 in Berlin. 283.708 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

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2006 - 35 Jahre Synanon – Resümee; Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe; ARD-Dokumentarfilm „Björns Weg aus dem Drogenrausch“; 14 Azubis im neuen Ausbildungsjahr – Bedarf steigt weiter an

35 Jahre bewegte und erfolgreiche Suchtselbsthilfearbeit liegen hinter Synanon. Mehr als 20.000 süchtige Männer und Frauen haben kurz-, mittel- bis langfristig Hilfe und Unterstützung von der Suchtselbsthilfegemeinschaft erhalten. Viele von ihnen, die in zumeist ausweglos scheinenden Notsituationen kamen, führen heute - nach erfolgreich durchlaufener Synanon-Lebensschule - ein nüchternes und zufriedenes Leben. Darüber hinaus haben die Menschen in Synanon über die vielen Jahre hinweg in ca. 320.000 persönlichen, vor allem telefonischen Beratungsgesprächen Süchtigen und deren Angehörigen, Freunden und Bekannten Auskunft, Rat, Trost und Lebenshilfe gegeben.

Und mit bisher mehr als 7.000 abgehaltenen Suchtpräventionsveranstaltungen leisten Synanon-Bewohner ihren gesellschaftlichen Beitrag, vor allem Schüler, Eltern und andere interessierte Gruppen über die Gefahren der Sucht aus eigenem Erleben aufzuklären.

Die Feierlichkeiten aus Anlass des 35-jährigen Bestehens finden am 15.09.2006 im Synanon-Haus statt. Gäste aus Politik und Öffentlichkeit, Vetreter von Vereinen und Verbänden sowie Angehörige, Freunde und Förderer Synanons sind anwesend. In besonderer Erinnerung bleiben den Bewohnern Synanons die an sie gerichteten abschließenden Worte der Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Prof. Barbara John: „Sie alle leben ihn bereits, den Rausch der Nüchternheit!“ Weitere Festredner sind die Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner, der Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Rolf Hüllinghorst und Kuratoriumsmitglied Dr. Klaus Riebschläger.

Nach langjähriger Planung erhält die STIFTUNG SYNANON am 15.02.2006 die Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport. Im eigens dafür geschaffenen Synanon-JUGENDHAUS KAROW erhalten Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderen sozialen Schwierigkeiten eine spezielle und im Hilfeplan mit den Jugendämtern festgelegte Betreuung. Das einzigartige an diesem Modellprojekt ist die enge Verzahnung von Suchtselbsthilfe durch mit im Haus lebende erfahrene Synanon-Bewohner und fachlich qualifizierter Unterstützung durch Sozialpädagogen.

Die Journalistin Ellen Trapp und ein Fernsehteam drehen den Dokumentarfilm „Björns Weg aus dem Drogenrausch“, der erstmals am 29.10.2006 in der ARD ausgestrahlt wird. Am Beispiel eines Synanon-Bewohners wird exemplarisch aufgezeigt, wie Jugendliche in den Teufelskreis der Drogensucht geraten und wie der Ausstieg in ein selbstbestimmtes Leben ohne Drogen mit Hilfe der Synanon-Gemeinschaft gelingen kann.

Im Synanon-Ferienhaus in Steinhagen wird am 25.08.2006 Richtfest gefeiert. Synanon-Bewohner sind mit Engagement und Begeisterung am Bau dieses Hauses beteiligt. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von der Aktion Mensch und von der Stiftung Deutsches Hilfswerk.

Ausbildung: Mittlerweile gibt es in Synanon 14 Auszubildende. Die Vielfalt der Ausbildungsberufe ist groß und reicht vom Kaufmann für Bürokommunikation über Gärtner, Maler und Lackierer, Koch, Tischler, Immobilienkaufmann bis hin zum neu geschaffenen Berufsbild der Fachkraft für Möbel-, Küchen und Umzugsservice.

Verschiedenes:
Start eines weiteren MAE-Projektes mit 20 Plätzen zur Qualifizierung von Bewohnern.
Synanon-Bewohner legen im Zweckbetrieb Reitschule Prüfung zum Pferdebasispass ab.
Mitglieder der Synanon-eigenen Abteilung für Zivil- und Strafsachenbearbeitung von Bewohnern besuchen mehrtägige Kurse zur Schuldnerberatung. Der Beratungs- und Betreuungsbedarf von neuen Synanon-Bewohnern in Schuldenangelegenheiten steigt.
Die Zweckbetriebe Wäscherei zieht um auf das Betriebsgelände in die Kiefholzstraße 401 in Berlin-Treptow, wo die Zweckbetriebe Bauhilfe und Malerei-Lackiererei angesiedelt sind.
Zu Gast: Eine russische Delegation u. a. mit dem stellvertretenden Minister für Jugend und Familie, dem Leiter des Arbeitsamtes in Moskau und Juristen in Begleitung des Jugendaufbauwerks.

139 Bewohner per 01.01., 444 Aufnahmen, 157 Krisenaufenthalte.

1.296 Drogentote in Deutschland, davon 173 in Berlin. 255.019 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

Etwa ein Drittel der Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland zwischen 12 und 25 Jahren haben Erfahrungen mit Marihuana und anderen illegalen Drogen. 40.000 jugendliche Konsumenten gelten als abhängig. (Quelle: Apothekermagazin „Gesundheit“)

9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen, rund 1,3 Millionen sind alkoholkrank und 73.000 Menschen sterben an den Folgen des Alkoholmissbrauchs. (Quelle: Drogenbericht der Bundesregierung)

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2007 – Neues Mitglied im Kuratorium; Bundesdrogenbeauftragte zu Besuch, Synanon-Ferienhaus eingeweiht; Deichmann-Förderpreis erhalten

Prof. Barbara John wird im Juni 2007 als 7. Mitglied ins Kuratorium der Stiftung Synanon gewählt. Die amtierende Vorsitzende des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, LV Berlin und ehemalige langjährige Ausländerbeauftragte des Landes Berlin ist bekannt für ihr hohes soziales Engagement.

Zu Besuch: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, im März 2007. Ihre im Vorfeld zu diesem Besuch veröffentlichte Presseerklärung trägt die Überschrift „33 Jahre Rauchfrei Synanon“ und nimmt damit Bezug auf die in jenen Tage gestartete „Rauchfrei“-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).

JUGENDHAUS KAROW wird am 24.10.207 feierlich eröffnet. Anwesend sind Fachleute aus Jugendämtern und Senatsverwaltungen sowie Freunde und Förderer Synanons. Auf der Grundlage des SGB VIII und in Verbindung mit § 34 und § 41 KJHG bietet Synanon süchtigen und suchtgefährdeten Menschen ab dem 14. Lebensjahr Hilfe mit fachlicher Unterstützung durch Sozialpädagogen. Die Besonderheit dieses Modellprojektes ist die enge Verzahnung zur Suchtselbsthilfegemeinschaft. Der Hausleiter ist nicht nur ein langjähriges Mitglied der Synanon-Gemeinschaft, sondern lebt mit im Haus.

Benefizkonzert des Bundesjuristenorchesters zugunsten von Synanon. Auf Initiative des Kuratoriumsmitglieds der Stiftung Synanon, Rechtsanwalt und Notar Nikolaus Ley, findet 25.2.2007 im Konzertsaal der Universität der Künste in Berlin in Anwesenheit von mehr als 850 Gästen das Symphoniekonzert am unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Justiz, Brigitte Zypries, statt.

Der Spendenverein „Menschen helfen!“ des Tagesspiegel überreichte Vertretern Synanons in einer feierlichen Veranstaltung im Haus des Malteser Hilfsdienstes in Berlin-Charlottenburg einen Scheck über 8 T€, die für Anschaffungen im Kinderbereich im Synanon-Haus von den Lesern dieser Tageszeitung gespendet wurden.

Auszeichnung mit dem Deichmann-Förderpreis für Schaffung von Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt für benachteiligte Jugendliche: Unter der Schirmherrschaft von Christina Rau, der Witwe des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, erhält Synanon in einer feierlichen Veranstaltung den mit 5.000 € dotierten Preis. Gewürdigt wird damit der Erfolg Synanons bei der Berufsausbildung jugendlicher Bewohner.

Synanon-Ferienhaus in Steinhagen (bei Stralsund) feierlich eingeweiht: Am 13.10.2007 wird das Feriendomizil in Anwesenheit des Landrates, des Bürgermeisters, der Pastorin und Nachbarn sowie aus Berlin angereisten Mitgliedern des Kuratoriums und zahlreichen Bewohner Synanons seiner Bestimmung übergeben. Die Bewohner sind begeistert über den Standort in Ostseenähe und das Haus, das zum größten Teil in Eigenleistung gebaut und in der Sommersaison bereits von 5 Urlaubsgruppen genutzt wurde.

Synanon-Bewohner ist einer von insgesamt 253 Berliner Auszubildenden der Sommerprüfung 2007, die ihre Ausbildung mit Auszeichnung bestanden haben. Die feierliche Übergabe der Urkunde erfolgt durch den Präsidenten der IHK Industrie- und Handelskammer zu Berlin.

Informationsbesuche: Eine kubanische Delegation im März 2007, die Berliner Senatorin Katrin Lompscher und die Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara am 16.8.2007, der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland am 27.8.2007, der Fraktionsvorsitzende der FDP im Abgeordnetenhaus von Berlin Markus Löning am 28.8.2007, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Abgeordnetenhaus von Berlin Michael Müller am 28.8.2007, der Bundestagsabgeordnete Kai Wegner am 4.9.2007, die Regierungsdirektorin des Bundeskanzleramtes Susanne Wald am 6.9.2007, die Bundestagsabgeordnete Dr. Dagmar Enkelmann, eine Georgische Regierungsdelegation mit der First Lady Georgiens in Begleitung von Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums am 23.10.2007 sowie die Vorstandsvorsitzende der Peter Dornier Stiftung, Maja Dornier, am 29.10.2007.

Veranstaltungen: Die Synanon-Theatergruppe startet mit dem Stück „Che oder der Stern an der Boina“ in die neue Saison.

146 Bewohner per 01.01., 401 Aufnahmen, 155 Krisenaufenthalte.

1.394 Drogentote in Deutschland, davon 158 in Berlin. 248.355 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

Seit 2007 nimmt die Zahl der Alkoholischen Mixgetränke (Alcopops) vor allem bei Jugendlichen und Heranwachsenden durch gezielte Werbemaßnahmen der Bier- und Spirituosenindustrie dramatisch zu. Die Jugendlichen sind für neue Trink- und Lebensstile empfänglicher als früher. (Quelle: DHS, Jahrbuch Sucht)

Ein Viertel aller Jugendlichen betrinkt sich einmal im Monat mit fünf oder mehr Gläsern Alkohol. Die Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen haben sich von 9.500 im Jahr 2000 auf 19.400 im Jahr 2005 verdoppelt. (Quelle: Drogenbeauftragte der Bundesregierung)

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2008 – Bundespräsident Dr. Horst Köhler zu Besuch; Synanon ist Gastgeber einer Deutschen Meisterschaft; Erwerb des Synanon-Hauses; Rekord bei Ausbildung erreicht

Bundespräsident Dr. Horst Köhler und seine Frau besuchen Synanon am 11. Dezember 2008 - ein Höhepunkt in der Geschichte der Suchtselbsthilfegemeinschaft: In einem Gespräch mit Vertretern von Vorstand und Kuratorium der Stiftung Synanon erklärt der Bundespräsident, dass die wichtige Arbeit Synanons Anerkennung und Respekt verdiene, was er durch seine Präsenz im Synanon-Haus öffentlichkeitswirksam unterstützen wolle. Bei einem dann folgenden Rundgang durchs Haus interessiert sich das Bundespräsidentenpaar für die Lebens- und Wohnverhältnisse der Bewohner, von denen einige im Anschluss daran bei einem gemeinsamen Essen die Gelegenheit haben, mehr zu berichten. Mit den Worten „Ich komme wieder!“ verabschiedet sich der Bundespräsident unter großem Beifall der Anwesenden im Saal. „Was für ein Tag!“ klingt es bei den Bewohnern Synanons nach.

Synanon ist vom 23.5. bis 25.5.2008 Gastgeber der Deutschen Meisterschaft der Dressurreiter mit Handicap: Erstmals in der Geschichte des Reitsports in Deutschland absolvieren Regelsportler und Sportler mit Handicap ihre Prüfungen. In ihrem Grußwort im Programmheft würdigt Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel das integrative und damit wegweisende Konzept der Veranstaltung. Austragungsort ist die Reitanlage Am Poloplatz in Berlin-Frohnau, auf dem auch er im Jahre 2005 gegründete Synanon-Zweckbetrieb Reitschule ansässig ist. Geboren wurde die Idee durch Kontakte zur Landestrainerin für den Behindertenreitsport und das Vorhaben Synanons, auf diesem Gelände ein Reittherapiezentrum zu gründen.

Die durch den Wegfall der Wohnungsbauförderungsmaßnahmen Synanon drohende Zwangsversteigerung des Stammhauses Bernburger Straße 10 konnte abgewendet werden. Die Gläubigerversammlung stimmte im September 2008 dem Kaufantrag Synanons nach einer mehr als zwei Jahre andauernden Verhandlungszeit zu.

Wechsel im Vorstand: Anlässlich einer gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand wird am 02.02.2008 Dirk Mager einstimmig als 3. Vorstandsmitglied gewählt. Er tritt in die Amtszeit seines Vorgängers Michael Frommhold ein und übernimmt die Leitung des Hauses Bernburger Straße 10.

Neuer Rekord bei Ausbildung: Der Bedarf der Bewohner Synanons nach kaufmännischer und handwerklicher Ausbildung hält ungebrochen an. 17 Auszubildende sind es allein im Jahr 2008. Die Abbrecherquote tendiert gen Null. 13 Zweckbetriebe ermöglichen Ausbildungen in mehr als doppelt soviel Berufsbildern. Besonders gefragt ist die Ausbildung zum Bürokaufmann und zum neu geschaffenen Berufsbild der Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Die finanzielle Belastung Synanons ist immens. Der Status der Suchtselbsthilfe erweist sich in der Situation als Handicap, da schon allein eine Zuordnung der Zuständigkeit von Behörden bei der Antragstellung auf finanzielle Unterstützung unklar ist. Gespräche mit dem Bundesministerium für Gesundheit werden aufgenommen .

Veranstaltungen: Synanon unterstützt die Aufklärungsaktion „Toter Winkel“ im Auftrag des Fachberaters für Verkehrserziehung des Berliner Senats. Wie in den Jahren zuvor demonstrieren Mitglieder des Zweckbetriebs Umzüge in ihrem eigens mitgebrachten Lkw Schülern einer 6. Klasse auf dem Schulhof die Existenz und Größe des Toten Winkels.

Filmdokumentation über Synanon von Fachjury ausgezeichnet: „Gemeinsam nüchtern werden“ lautet der Titel der Abschlussarbeit von Berliner Studenten des Fachbereichs Medien. Mehrere Regionalsender strahlen den Film aus.

Der Zweckbetrieb Clean up – Reinigung begeht 10-jähriges Bestehen. Aus dem mittlerweile zweitgrößten Synanon-Zweckbetrieb haben sich weitere eigenständige Zweckbetriebe wie Gärtnerei, Hauswartung, Heizung- und Sanitärtechnik, Elektrotechnik und andere mehr entwickelt, in denen Synanon-Bewohner Ausbildung und sinnvolle Beschäftigung unter realen Bedingungen erhalten.

Beschäftigungsmaßnahme ÖBS (Öffentlicher Beschäftigungssektor) gestartet. Als eine der ersten Einrichtungen erhält Synanon für 12 Bewohner finanzielle Unterstützung aus Mitteln des JobCenters und des ESF (Europäischer Sozialfonds) bei dem Modellprojekt „Arbeit statt Sozialhilfe bzw. ALG II“. 22 weitere Bewohner konnten in ABM-Maßnahmen vermittelt werden, die aus Qualifizierung und Beschäftigung bestehen.

Mittlerweile finden jährlich zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Sucht im Synanon-Haus statt, bei der die Suchtselbsthilfe Synanon den Rahmen bietet und gleichzeitig die Gelegenheit hat, sich den Teilnehmern vorzustellen: Im April treffen Teilnehmer der Suchtselbsthilfekonferenz der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V ein, im Oktober tagen die Mitgliederversammlung des Deutschen Spendenrates und im Juli liest die Autorin Viktoria Tapp aus ihrem Buch „Gemeinsam besiegen wir den Alkohol“ vor Bewohnern Synanons und Gästen.

Zu Gast: Eine chinesische Delegation in Begleitung von Vertretern des Bundesministeriums für Gesundheit, Deutschlandradio und Regionalrundfunksender rbb zu Interviews mit Bewohnern.

108 Bewohner per 01.01., 386 Aufnahmen, 136 Krisenaufenthalte.

1.449 Drogentote in Deutschland, davon 152 in Berlin. 239.951 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

Zuviel Zucker führt zu langfristigen Änderungen im Hirn und erhöht auch die Gefahr für den Missbrauch anderer Drogen. Auch Zucker schüttet Endorphine aus und bewirkt damit einen Rausch. (Quelle: Bart Hoebel, Princeton University)

Jeder 12. Bundesbürger über 14 Jahre trinkt täglich alkoholische Getränke, das sind etwa 5,7 Millionen Deutsche. 45% der Alkohol-trinkenden Männer haben schon einmal einen Filmriss gehabt. (Quelle: Forsa-Institut)

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2009 – Plakataktion „Aufnahme sofort!“ gestartet; Trauer um langjähriges Kuratoriumsmitglied; Wechsel im Vorstand; Besuch aus San Patrignano; Synanon wieder Gastgeber einer Deutschen Meisterschaft; Ausbildung wird groß geschrieben

Gesponsert vom Fachverband Außenwerbung startet Synanon im Oktober die bundesweit angelegte Plakataktion „Aufnahme sofort!“. Drei Menschen der Gemeinschaft geben der Aktion ihr Gesicht. Die Botschaft ist klar. Jeder kann jederzeit zu Synanon kommen, Tag und Nacht und ohne Vorbedingungen. Die insgesamt 10.000 Plakate hängen in zahlreichen Groß- und auch Kleinstädten in der Nähe von Bahnhöfen, Haltestellen und Plätzen der Drogenszene. Gleichzeitig erhalten alle Drogenberatungsstellen in Deutschland Informationsmaterial dieser Aktion. Das Interesse von Betroffenen und Fachleuten ist groß. Vertreter Synanons besuchen bundesweit Drogenberatungsstellen.

Dr. Klaus Riebschläger, Berlins Finanzsenator a.D. und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Synanon seit 1999, verunglückt im September bei einem Flugzeugabsturz tödlich. Synanon trauert um einen Freund und Wegbegleiter, der in der ersten und schwierigen Zeit der ideellen und wirtschaftlichen Neuausrichtung wesentlich zum Ansehen Synanons in Gesellschaft und Politik beigetragen hat.

Wechsel im Vorstand: Anlässlich einer gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand wird am 31.01.2009 Dr. Christian Walz einstimmig als 3. Vorstandsmitglied gewählt. Er tritt in die Amtszeit seines Vorgängers Dirk Mager ein und übernimmt die  Leitung des Synanon-Hauses in der Bernburger Straße 10 und im Jugendprojekt „Jugendhaus Karow“, wo er in Abstimmung und Ergänzung zur sozialpädagogischen Leitung Ansprechpartner für die Betroffenen und deren Betreuer ist.

Andrea Muccioli, der Präsident der weltweit bekannten Suchtselbsthilfegemeinschaft San Patrignano besucht Synanon im November. Vertreter Synanons waren in den Jahren zuvor bereits in der beeindruckenden „Welt ohne Drogen“ in den Hügeln oberhalb von Rimini in Italien zu Besuch. Seit Gründung San Patrignanos durch Vincenzo Muccioli im Jahre 1978 haben dort mehr als 18.000 süchtige Menschen über mehrere Jahre gelebt. Da die Konzeption von der Aufnahme über Ausbildung, Unterstützung und Heranführung an ein eigenständiges Leben ohne Drogen der Synanons gleicht, besteht großes Interesse von beiden Seiten an einem Erfahrungsaustausch.

Nach dem Erfolg im Vorjahr ist Synanon im Juni 2009 wieder Gastgeber der Deutschen Meisterschaft für Dressurreiter mit Handicap. Die von zahlreichen Sponsoren unterstützte Veranstaltung auf dem Gelände des Synanon Zweckbetriebs Reitschule in Berlin-Frohnau steht unter dem Motto: „Eine Vision wird wahr – Integration wird selbstverständlich“. In seinem Grußwort an die Sportler, Betreuer und ehrenamtlichen Helfer der Veranstaltung hebt der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, hervor, dass diese Veranstaltung ein lebendiger Beweis für die Integrationskraft, die der Sport besitzt, sei, was zukünftig zur Normalität werden soll.

Ausbildung wird in Synanon weiterhin groß geschrieben. Im September starten sechs Bewohner Synanons in ein Ausbildungsverhältnis, vier Bewohner schließen ihre Ausbildung erfolgreich ab. Acht Bewohner befinden sich im 2. bzw. 3. Ausbildungsjahr.

Teilnahme an zahlreichen bundesweiten Veranstaltungen zum Thema Sucht.
Die Integrationshilfe für ehemals Suchtkranke e.V., bekannt unter Marianne von Weizsäcker Fonds, feiert am 24.4.2009 in Hamm ihr 20-jähriges Bestehen. Die Gründungsidee sei ihr durch den Kontakt zu Synanon gekommen in der Zeit als ihr Mann Regierender Bürgermeister von Berlin war, sagt Marianne von Weizsäcker in ihrer Festrede. Der Kontakt besteht seitdem fort. Der Weizsäcker Fonds unterstützt Bewohner Synanons in Entschuldungsfragen durch Beratung und Gewährung von Darlehen.

116 Bewohner per 01.01., 355 Aufnahmen, 151 Krisenaufenthalte.

1.331 Drogentote in Deutschland, davon 155 in Berlin. 255.842 Rauschgiftdelikte in Deutschland.

Ende September 2009 mussten schon so viele jugendliche „Komasäufer“ betreut werden wie im ganzen Jahr 2008. (Quelle: Apotheken Umschau“)

Die Dunkelziffer der suchtartigen Nutzung des Internets, vor allem Online-Spielewelten, liegt in der Bundesrepublik bei ca. 2 Millionen Menschen. Tendenz steigend. (Quelle: Gabriele Farke, Online-Sucht Beraterin)

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2010 – Peter Elsing wieder im Vorstand; Jubiläum - 30 Jahre Drogenliga; Vorbereitung auf Synanon-Jubiläum - Appell an Verantwortliche in der Drogenpolitik

Aufgrund der großen Resonanz auf die im Jahr zuvor gestartete Plakataktion lädt Synanon ein zum „Tag der offenen Tür für Fachpublikum“, der im Februar stattfindet. Die Vertreter von Suchtberatungsstellen, Jugendämtern und –einrichtungen, Krankenhäusern, Jobcentern und Polizeidienststellen sind interessiert daran zu erfahren, wie es gelingt, jeden Einzelnen individuell in das Konzept der Synanon-Lebensschule einzubinden.

Auf einer gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand der STIFTUNG SYNANON am 28.10.2010 wird Peter Elsing wieder in den Vorstand gewählt. Von 1998 bis 2004 hatte er den Vorsitz in diesem Gremium, den er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Nie wirklich weg, wie er sagt, und wieder genesen, tritt er in die Amtszeit seines Vorgängers Dr. Christian Walz als 3. Vorstandsmitglied ein und übernimmt die Leitung des JUGENDHAUS KAROW.

Die Drogenliga feiert 30-jähriges Bestehen. Synanon ist aktives Gründungsmitglied dieser heute nicht mehr wegzudenkenden sportlichen Vereinigung aus Mitgliedern verschiedener Suchthilfeeinrichtungen Berlins. Sport und Bewegung sind wichtig bei der Rehabilitation ehemals suchtmittelabhängiger Menschen, so die Motivation von Seiten Synanons. Die Turniere der Fußball- und Volleyballmanschaften an den Wochenenden tragen dazu bei, über den verbindenden Sport hinaus soziale Netzwerke zu knüpfen, Erfahrungen mit Gleichgesinnten auszutauschen bzw. Freundschaften zu pflegen.

Zu Gast im Synanon-Haus: eine Serbische Regierungsdelegation mit 11 hochrangigen Mitarbeitern verschiedener Ministerien am 24.7., deren größtes Interesse dem Weg der strikten Abstinenz gilt; eine israelische Delegation mit 11 Mitarbeitern unterschiedlicher Suchthilfeeinrichtungen aus Haifa und Tel Aviv, die sich besonders mit der Rolle der Frauen in der Selbsthilfe und ihren speziellen Problematiken und Bedürfnissen auseinandersetzen; eine Ungarische Delegation mit 8 Sozialarbeitern des Landes am 17.11. und dem besonderen Interesse am Synanon-Jugendprojekt.

Mit der Aktion „Seelenwärmeressen“ lädt Synanon am 4. Adventssontag bei klirrender Kälte von minus 14 Grad Obdachlose und Bedürftige am Bahnhof Zoo zur Erbsensuppe aus der Gulaschkanone ein. „In erster Linie geht es darum, mit den obdachlosen Menschen ins Gespräch zu kommen und ihnen Mut zu machen, den Schritt aus ihrer hoffnungslos scheinenden Situation zu wagen“, heißt es in der Presseerklärung. Gesponsert wird die zum vierten Mal in Folge stattfindende Aktion wieder vom Fleischgroßhändler Recke.

Unter der Überschrift „40 Jahre auf dem Königsweg“ im Leitartikel der Ende des Jahres erscheinenden Zeitung „Synanon heute“ 2010 richtet Synanon mit Blick auf die alarmierende Zahl von 70.000 mit Ersatzdrogen wie Methadon bzw. Diamorphin substituierten Menschen in Deutschland einen Appell an die Verantwortlichen in der Drogenpolitik, der sich dramatisch zuspitzende Suchtproblematik entgegenzuwirken. „Darf eine Gesellschaft, die für sich in Anspruch nimmt, sozial zu sein, es wirklich zulassen, dass junge Menschen mit einem Eintrittsalter von 23 Jahren, nach nur zwei gescheiterten Therapien als schwerstabhängig eingestuft, die Fahrkarte für solchen einen Geisterzug bekommen?“ wird darin gefragt. In dem Artikel macht klar, dass Ersatzdrogen keine „Krücke“ sein können und nur die absolute Abstinenz von Drogen auf Dauer eine lebenswerte Alternative für süchtige Menschen sein kann.

104 Bewohner per 1.1.2010, 248 Aufnahmen, 208 Krisenaufenthalte

Jährlich sterben in der Bundesrepublik ca. 140.000 Menschen an den Folgen des Nikotins. Es sind schätzungsweise 20 Millionen Deutsche nikotinabhängig und davon rauchen ca. 6,8 Millionen mehr als 20 Zigaretten am Tag. (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nikotinforschung)

Die Raucherkrankheit COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) ist die vierthäufigste Todesursache. Jeder fünfte Erkrankte erhält trotz Beschwerden keine entsprechende Diagnose vom Hausarzt. (Quelle: „Canadian Medical Association Journal“)

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