Chronologie
2010 - 2009 - 2008 - 2007 - 2006 - 2005 - 2004 - 2003 - 2002 - 2001 - 2000 - 1999 - 1998 - 1997 - 1996 - 1995 - 1994 - 1993 - 1992 - 1991 - 1990 - 1989 - 1988 - 1987 - 1986 - 1985 - 1984 - 1983 - 1982 - 1981 - 1980 - 1979 - 1978 - 1977 - 1976 - 1975 - 1974 - 1973 - 1972 - 1971
1971 - Gründung: Eintragung ins Vereinsregister unter dem Namen Release e.V.
Von Release Heidelberg kommend, ziehen im Oktober 1971 fünf drogenfreie Fixer - darunter das Ehepaar Ingo und Irene Warnke mit ihrer zweijährigen Tochter - in das nicht beheizbare Büro einer schon seit längerem leerstehenden alten Fabrik in der Dennewitzstraße 33 in Berlin-Schöneberg.
Die grundlegenden Ideen waren da und der Wille, eine nüchterne Gemeinschaft zu bilden. Am 22.12.1971 erfolgt die Eintragung ins Vereinsregister unter dem Namen Release Berlin e.V. Einen Tag später zieht die Gemeinschaft nach Berlin-Kreuzberg in die Oranienstraße 140 auf zwei mit Sanitär- und Heizanlagen sowie dicht schließenden Fenstern ausgestattete Fabriketagen. Allerdings ist der Mietvertrag nur auf drei Monate befristet und wird seitens des Vermieters dann auch zum August des Jahres 1972 gekündigt.
Bereits im ersten Jahr der Gründung wird die Gemeinschaft von der Senatsverwaltung für Familie, Jugend und Sport mit einem Betrag von 7.400 DM und der Übernahme der monatlichen Miete in Höhe von 500 DM unterstützt. Dafür berät die Release-Gemeinschaft hilfesuchende Drogensüchtige in ihrem Büro. Schon zu Beginn dieses Angebots zeigt sich, dass der Hilfebedarf drogensüchtiger Menschen nach Vermittlung und Unterstützung groß ist.
Ca. 1.200 bis 1500 Optiatabhängige in Westberlin. 67 Drogentote in Deutschland, davon 9 in Westberlin. Mittlerweile ist die Tragweite der Drogenproblematik in Politik, Gesellschaft und Öffentlichkeit angekommen.
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1972 - Gründung des ersten Zweckbetriebes Transporte und Umzüge
Mit einem noch aus Heidelberg mitgebrachten alten VW-Bus werden erste Möbeltransporte für türkische Nachbarn in der Dennewitzstraße ausgeführt.
Im Februar des Jahres 1972 spenden Berliner Polizisten der Lebensgemeinschaft einen ausrangierten Polizei-Lkw. Das Geld dafür sammelten sie auf ihrer Faschingsfeier im Februar 1972. Der intensive Kontakt zu den Polizei-Beamten bestand bereits über die Anfang der 70er Jahre ins Leben gerufene Einsatzgruppe Erprobung und Sonderaufgaben.
Bärchen, der kleine Mercedes-Transporter, wird der Gemeinschaft über viele Jahre hinweg treue Dienste leisten.
Im
August 1972 dann der Umzug in eine ehemalige Zimmerspringbrunnenfabrik
in der Oranienstraße 175. Die Gemeinschaft hat viel zu tun, das neue
Domizil instandzusetzen, denn das fünfstöckige Haus ist marode.
Gemeinsam werden Wände und Fensterrahmen gestrichen, Küche und Dusche
eingebaut, Zwischenwände eingezogen. Bis Juli 1978 wird es die
Heimstätte des Vereins bleiben.
Der Senat von Berlin fördert den Release e.V. mit 12 TDM für Anschaffungen.
Umbenennung in Release 1 Berlin e.V., nachdem sich weitere Release-Gemeinschaften in unmittelbarer Nachbarschaft gründeten.
Die
Neuköllner Kirchengemeinde spendet die erste Druckmaschine, eine
Rotaprint A4. Von dort kommen auch die ersten Druckaufträge. Mit einer
bescheidenen Grundausstattung beginnt die neu gegründete
Offsetdruckerei, Druckaufträge bis DIN-A4-Format ausführen. Weitere
Kleinaufträge verhelfen zu Einnahmen.
Die Gemeinschaft wächst kontinuierlich. Durchschnittlich 8 Bewohner.
104 Drogentote in Deutschland, davon 6 in Westberlin.
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1973 - Anerkennung des Vereins als gemeinnützig; Gründung des Zweckbetriebes Druckerei
Rückwirkende
Anerkennung der Gemeinnützigkeit und der besonderen
Förderungswürdigkeit von Release 1 Berlin e.V. durch das Finanzamt für
Körperschaften zum Januar 1972. Von nun an dürfen
Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.
Der Zweckbetrieb
Druckerei übernimmt kleinere Aufträge, so z. B. die Übersetzung und den
Druck von Alexander Bassins Arbeit Daytop Village (aus Psychologie
Today, Bd. II, Nr. 7, Dez. 1968). Damit möchte die Release-Gemeinschaft
erreichen - so in einem beigefügten Schreiben erklärt -, dass bekannt
wird, dass Süchtige keine hoffnungslosen Fälle sind. Anknüpfend an die
in dieser Arbeit beschriebenen Erfahrungen von Synanon und Daytop
Village wollen auch sie eine Selbstorganisation von ehemaligen
Drogensüchtigen aufbauen, die ihnen und anderen Süchtigen die
Möglichkeit gibt, ein drogenfreies und zufriedenes Leben zu führen.
Ferner rufen sie Gleichgesinnte auf, sich zu melden. Der Brief endet
mit einem ersten öffentlichen Spendenaufruf.
Durchschnittlich 11 Bewohner bei vermehrten Aufnahmen.
Ca. 1.500 bis 5.000 Opiatabhängige in Westberlin. 106 Drogentote in Deutschland, davon 6 in Westberlin.
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1974 - Ausbau der Zweckbetriebe Umzüge und Druckerei; Verschärfung der Aufnahmeregularien
Die
Druckerei stellt neben Briefpapier, Anzeigen und Ähnlichem jetzt auch
Broschüren her. Auftraggeber sind Bezirksämter und Kirchenkreise. Durch
den Kauf einer alten Druckerei für 10 TDM kommt es zur ersten größeren
Investition. Auch der Zweckbetrieb Transport wird erweitert.
Die
Aufnahmevoraussetzungen werden verschärft. Wer zu Release will, muss an
einem festgelegten Termin nüchtern erscheinen. Eine verbindliche
Hausordnung, die für alle Bewohner des Hauses Oranienburger Straße 175
gilt, wird eingeführt. Im September gründet sich eine Frauengruppe.
Durchschnittlich 17 Bewohner bei steigenden Aufnahmezahlen.
139 Drogentote in Deutschland, davon 13 in Westberlin.
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1975 - Umbenennung von Release 1 Berlin e.V. in Synanon International e.V.
Um
sich deutlich von den anderen Release-Gruppen zu unterscheiden, erfolgt
im Oktober die Vereinsumbenennung in Synanon International e.V.
Brieflich hatte die US-Organisation Synanon Foundation Inc., die als
Vorbild gilt, die Verwendung des Namens gestattet. Den Anstoss dazu gab
es bereits durch die Buchempfehlung eines befreundeten Arztes im Jahre
1971, als dieser statt Morphium Lewis Yablonskys Buch Synanon - The
Tunnel back "verordnete". Die Gründungsmitglieder von Synanon in Berlin
sind fasziniert von Yablonskys spannendem Bericht über Junkies, die
genauso lebten wie sie: Lügen, stehlen, Stoff besorgen, high sein, down
sein, einen Affen haben, auf turkey sein. Das Buch erzählt
Suchtgeschichten und beschreibt den Weg in die Nüchternheit. Eigentlich
ein Lehrbuch. 1975 wird die deutsche Ausgabe des Buches erscheinen.
Synanon
ist ein Kunstwort. Es entstand, als sich eines der Mitglieder der
Gemeinschaft für Drogen- und Alkoholabhängige, die vom Ex-Alkoholiker
Charles E. (Chuck) Dederich 1958 in St. Monica/Kalifornien gegründet
wurde, während eines Meetings versprach. Bei dem Versuch, die Begriffe
Symposium und Seminar in einem Atemzug auszusprechen, entschlüpfte ihm
ungewollt das Wort Synanon.
Der Kontakt zu Synanon in Amerika wird nicht zuletzt durch gegenseitige Besuche in den folgenden Jahren intensiviert.
Der
Zweckbetrieb Umzüge und Transporte wird erweitert. Die Erlangung der
dafür erforderlichen Güternahverkehrskonzession setzt den Erwerb des
nötigen Versicherungsschutzes voraus, den Uwe Schriever, schon damals
ein Freund der Suchtselbsthilfegemeinschaft, vermittelt.
Durchschnittlich 22 Bewohner, viele Aufnahmen.
194 Drogentote in Deutschland, davon 31 in Westberlin.
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1976 - Zweites Synanon-Haus wird eröffnet: Der Jägerhof im Glienicker Volkspark
Steigende
Aufnahmezahlen. Es wird eng im Haus Oranienburger Straße 175. Mit dem
Jägerhof mietet Synanon ein zweites Haus an. Das in Berlin-Wannsee im
Volkspark Glienicke wunderschön gelegene frühere Senatskinderheim wird
ab April renoviert und bezogen und soll später eine Stätte vor allem
für Synanon-Bewohner mit ihren Kindern werden. Der Nutzungsvertrag gilt
zunächst nur für ein Jahr mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Die
Gemeinschaft wird dort bis zum April 1992 16 schöne Jahre verbringen.
Ein
Mitglied von Synanon USA besucht die Berliner
Suchtselbsthilfegemeinschaft. Der Gegenbesuch erfolgt im Sommer des
gleichen Jahres durch Irene und Ingo Warnke. Aufgrund ihrer dort
gesammelten Eindrücke werden die Grundregeln im Berliner Synanon
erweitert: Die Meetings, jetzt Spiele (games) genannt, gehen über ein
gruppendynamisches Streitgespräch hinaus und beinhalten nun auch
Unterrichtseinheiten. Die kurzgeschorenen Haare (zur deutlichen
Abgrenzung von langhaarigen Fixern auf der Szene) werden zur Pflicht.
Aerobic wird zur Erhöhung der Gesundheit und körperlichen
Leistungsfähigkeit eingeführt. Die Entwicklung einer Vielzahl kreativer
und produktiver Freizeittätigkeiten durch Synanon-Bewohner (von
Holzarbeiten über Malen/Zeichnen bis hin zum Töpfern) wird gefördert,
womit der Grundstock für weitere Zweckbetriebe gelegt wird. Die
Ernährung wird auf Vollwertkost umgestellt. Zucker und weißes Mehl
werden vom Speiseplan gestrichen.
Durchschnittlich 32 Bewohner, viele Aufnahmen.
337 Drogentote in Deutschland, davon 54 in Westberlin.
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1977 - Bundespräsident würdigt Arbeit von Synanon; erste Kontakte zu Berliner und bundesdeutschen Gerichten
Als
einziger Bürger Berlins wird Synanon-Mitbegründer Ingo Warnke zum
Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Walter Scheel eingeladen, der
damit die gemeinnützige Arbeit Synanons würdigt.
Erste Kontakte
zu Berliner und bundesdeutschen Gerichten. Synanon intensiviert
Öffentlichkeitsarbeit. Zunehmende Außenkontakte und erste
Partnerbeziehungen zwischen Synanon-Mitgliedern und Nichtsüchtigen.
Gründung des Förderkreises Freunde von Synanon.
Im Jägerhof wird mit dem Gemüseanbau auf biologisch-dynamischer Grundlage begonnen.
Durchschnittlich 42 Bewohner, viele Aufnahmen.
380 Drogentote in Deutschland, davon 84 in Westberlin.
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1978
- Erwerb eines eigenen Hauses; Gründung des Synanon-Zweckbetriebes
Tischlerei; Plakataktion über die Drogengefahr; Distanzierung von
Synanon Amerika
Im
Berliner Bezirk Kreuzberg wird das heruntergekommene Haus Bernburger
Straße 24-25 erworben. Der Kaufpreis beträgt 585.000 DM. Für den
Barkredit bei der Bank in Höhe von 500.000 DM verbürgt sich Uwe
Schriever, langjähriger Freund Synanons. Der Rest wird aus Eigenmitteln
finanziert. Mit einer großzügigen Unterstützung der Stiftung Deutsche
Klassenlotterie in Höhe von 2,3 Mio DM und einem sehr großen Anteil
Eigenleistung werden 3.000 m² Wohn- und Nutzfläche über einen längeren
Zeitraum aufwendig saniert. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand in
Synanon ahnen, dass die Renovierungsarbeiten insgesamt 8 Jahre dauern
und die Gesamtkosten dafür das Zehnfache des Kaufpreises betragen
würden. Bis zum Januar 1991 wird es über einen Zeitraum von 13 Jahren
das Stammhaus der Synanon-Gemeinschaft sein.
Gründung des Zweckbetriebes Tischlerei.
Synanon
startet eine medienwirksame Werbeaktion unter dem Motto: Nüchtern, für
ein Leben ohne Drogen mit einer Plakat- und Aufkleberreihe, die vom
Berliner Grafiker Heribert Kintscher entworfen wurde.
Synanon
distanziert sich vom US-amerikanischen Vorbild, da die mittlerweile zur
Dekadenz neigende elitäre Führungsschicht von den ursprünglichen Ideen
abzuweichen beginnt, was sektirische Auswüchse zur Folge hat.
Gründung
der Synanon-Judo(Ju-Jutsu)-Sportgruppe. Drei zum Teil aus der
Gründungszeit mit Synanon eng verbundene Berliner Polizeibeamte
erteilen interessierten Synanon-Bewohnern von nun an über viele Jahre
hinweg Unterricht in dieser Kampfsportart.
Der Berliner
Rotary-Club spendet Synanon-Mitgliedern zwei Segelreisen auf der
Ostsee. Sie werden begleitet von einem Team des ZDF. Das
Medieninteresse an Synanon nimmt zu. In den folgenden Jahren kommt es
zu regelmäßigen Berichten, Reportagen und Inverviews. Gefragt ist die
Meinung Synanons zu Drogen im allgemeinen sowie zur aktuellen
Drogenpolitik.
Durchschnittlich 53 Bewohner, viele Aufnahmen.
430
Drogentote in Deutschland, davon 62 in Westberlin. Die Zahl der
Drogenabhängigen in der Bundesrepublik wird offiziell auf 40.000 bis
60.000 geschätzt.
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1979 - Mitgliedschaft im DPWV; Ausbildungsbeginn in der Tischlerei
Synanon
wird Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) sowie
in der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege.
Im
Jägerhof wird die bio-dynamische Anbauweise intensiviert. Die Weltsicht
der Anthroposophen erschließt sich den Mitgliedern von Synanon durch
Kontakte mit einer Waldorf-Lehrerin von der Rudolf-Steiner-Schule in
Berlin-Zehlendorf. Es folgt der Aufbau der Kinderabteilung Synanons
unter Einbeziehung dieses Gedankengutes.
Ausbildungsbeginn zum Tischler für drei Synanon-Bewohner.
Zwei
Gruppen von Synanon besuchen auf Einladung nacheinander Kibbuze in
Israel. Die Verbindungen dorthin bestehten bereits seit einiger Zeit.
Dreifach-Hochzeit in Synanon. Alle Paare haben sich in Synanon kennengelernt.
Durchschnittlich 63 Bewohner, 90 Aufnahmen.
623 Drogentote in Deutschland, davon 81 in Westberlin.
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1980 - Erste Bußgeld-Zuweisungen; Synanon-Zweckbetrieb Keramik entsteht; Synanon-Verwaltung setzt auf EDV
Erster Erhalt von Bußgeldern, die Synanon als anerkannte Drogenhilfe aus gerichtlichen Verfahren zugesprochen werden.
Nach
Transport, Druckerei und Tischlerei Gründung des vierten
Synanon-Zweckbetriebes: Keramik. Für die Werkstatt wird ein gebrauchter
Brennofen angeschafft. In der Verwaltung von Synanon wird die
elektronische Datenverarbeitung eingeführt.
Durchschnittlich 78 Bewohner, 119 Aufnahmen.
494 Drogentote in Deutschland, davon 52 in Westberlin.
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1981 - Zehnjähriges Bestehen wird gefeiert
Synanon
feiert im Oktober 10-jähriges Bestehen mit einem öffentlichen Fest. Es
erscheint die erste Dokumentation mit dem Titel: Synanon, für ein Leben
ohne Drogen.
Die 1978 begonnenen Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten im Haus Bernburger Straße 24-25 werden abgeschlossen.
Der
Zweckbetrieb Druckerei ist mittlerweile in der Lage, anspruchsvolle
Publikationen auf eigener Fotosatzanlage im Vierfarbdruck herzustellen.
Der Zweckbetrieb Umzüge hat sich dank wachsender Auftragslage auf fünf
Lkw vergrößert.
Durchschnittlich 80 Bewohner, 63 Aufnahmen.
360
Drogentote in Deutschland, davon 65 in Westberlin. Der Film Wir Kinder
vom Bahnhof Zoo mit dem Schicksal der Christiane F. wird zum Kino-Hit.
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1982
- Einführung des bundesweit einmaligen Angebots der Aufnahme sofort;
Staatliche Anerkennung als Therapieeinrichtung; Gründung der STIFTUNG
SYNANON
Ab
Juni können hilfesuchende Süchtige jederzeit - Tag und Nacht, rund um
die Uhr - und ohne Vorbedingungen zu Synanon kommen. Dieses Angebot der
Aufnahme sofort ist bundesweit einmalig.
Die Veränderung der
Aufnahmeregularien korrespondiert mit der Novellierung des
Betäubungsmittelgesetzes (BtMG), wonach auf Antrag Therapie statt
Strafe für straffällig gewordene Süchtige, deren Strafmaß unter zwei
Jahren liegt, möglich wird. Im Juni erhält Synanon die staatliche
Anerkennung als Therapieeinrichtung gemäß § 35 BtMG.
Gründung
der STIFTUNG SYNANON im September: Ziel ist es, durch Förderung oder
eigenes Betreiben von Selbsthilfe-Einrichtungen süchtigen und
suchtgefährdeten Menschen ein Leben ohne Drogen zu lehren sowie
Personen zu unterstützen, die langjährig in Selbsthilfegemeinschaften
gelebt und mitgearbeitet haben und deshalb auf Alters- und/oder
Invaliditätsvorsorge verzichtet haben.
Die wachsende Arbeit der
Organisation wird innerhalb der Verwaltung mit speziell auf Synanons
Bedürfnisse zugeschnittener Software bewältigt. Synanon bietet darüber
hinaus im Bereich EDV-gestützter Buchhaltung und Textverarbeitung
Dienstleistungen für Berliner Firmen an.
Synanon beginnt mit der Suche eines Hofes auf dem Lande (mit Platz für 20 bis 30 Menschen) in Westdeutschland.
Durchschnittlich 110 Bewohner, 228 Aufnahmen.
383 Drogentote in Deutschland, davon 40 in Westberlin.
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1983 - Drittes Synanon-Haus wird eröffnet; Ausbau der Zweckbetriebe; Gründung der Synanon-Tochterfirma GATES
Mit
einer renovierungsbedürftigen Villa in der Peter-Lenné-Straße im Bezirk
Zehlendorf bezieht Synanon im Oktober ein weiteres Haus. Dieses ist als
Mutter-Kind-Haus geplant, wird die Kindergruppen aus dem Haus in der
Bernburger Straße 24-25 aufnehmen und bietet Platz für weitere junge
drogensüchtige Paare mit kleinen Kindern.
Der Schwerpunkt der
Synanon-Transporte liegt jetzt beim Umzugsverkehr. Mit mehreren Lkw
wird man der wachsenden Auftragslage gerecht. Synanon-Bewohner können
innerhalb dieses Zweckbetriebes ihren Führerschein und Fähigkeiten im
Transport- und Umzugsgewerbe erwerben. Der Zweckbetrieb Tischlerei wird
zur Haustischlerei umgewandelt, da er sich wirtschaftlich auf längere
Zeit nicht tragen kann. Der Zweckbetrieb Druckerei, dem eine Repro- und
eine Fotosatzabteilung angegliedert sind, wird weiter ausgebaut. Ein
Synanon-Bewohner beendet erfolgreich eine extern durchgeführte
Erzieherausbildung.
Mit Gründung der Firma GATES wird das erste
Synanon-Nachsorge-Modell geschaffen. Die GmbH für Verwaltungs- und
Managementaufgaben sowie Beratung und Schulung mietet Räume in der Nähe
des Haupthauses Bernburger Straße 24-25 an. Ehemalige Synanon-Bewohner
arbeiten mit externen Fachleuten zusammen an Aufgaben. Sie üben für
Synanon Verwaltungs- und Managementfunktionen aus und entwicklen
Software für den Sozialbereich außerhalb Synanons.
Erstmalig
findet im Rahmen der halbjährlich stattfindenden Synanon-Tage ein
großes Ehemaligen-Meeting statt. Die Kontakte und Freundschaften zu
Menschen, die Synanon verlassen haben und nüchtern leben, werden
erleichtert.
Durchschnittlich 140 Bewohner, 292 Aufnahmen.
472 Drogentote in Deutschland, davon 76 in Westberlin.
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1984
- Synanon erhält Kinderschutzpreis; Erwerb des Hofguts Fleckenbühl,
Planung eines Synanon-Hauses (Neubau) in der Bernburger Straße 10
Synanon erhält den Kinderschutzpreis der Hanse-Merkur-Versicherung in Hamburg.
Im
September erwirbt Synanon das 118 Hektar große Hofgut Fleckenbühl bei
Marburg im Bundesland Hessen. Der landwirtschaftliche Betrieb wird in
der Rechtsform einer gemeinnützigen und mildtätigen GmbH geführt, die
im April gegründet wurde.
Der Zweckbetrieb Umzüge ist seit
Anfang des Jahres zur Durchführung des Möbelfernverkehrs berechtigt.
Die ersten Fernumzüge gehen nach Hamburg, Hannover und Bremen.
Synanon
beginnt mit der Planung eines Neubaus, der auf dem Eckgrundstück
Bernburger Straße 10 (gegenüber dem Haupthaus Bernburger Straße 24)
entstehen soll, und tritt mit dem Bezirksamt Kreuzberg in Verhandlung
über einen Erbbaurechtsvertrag.
Mittlerweile ist Synanon in allen überregionalen Bußgeldlisten der Oberlandesgerichte verzeichnet.
Ereignisse:
Initiierung und Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen wie
Konzerten und Töpfermärkten. Wiederholte Teilnahme von
Synanon-Bewohnern am Berlin-Marathon. Öffentliches Interesse an Synanon
besteht nach wie vor. So sind Vertreter Synanons im Rahmen der
ZDF-Suchtwoche im Oktober als Diskutanten im Fernsehen vertreten.
Darüber hinaus nehmen Synanon-Mitglieder an verschiedenen
Drogen-Fachtagungen in Berlin, Mainz und Hamburg teil. Angehende
Sozialarbeiterinnen absolvieren bei Synanon ihr Praktikum.
Durchschnittlich 160 Bewohner, 366 Aufnahmen.
361 Drogentote in Deutschland, davon 32 in Westberlin.
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1985 - Hofgut Fleckenbühl wird in Betrieb genommen
Die
Inbetriebnahme des landwirtschaftlichen Zweckbetriebes beginnt mit
Instandsetzungsarbeiten. Es folgt die Umstellung auf
biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Die Auflagen des
Demeter-Fachverbandes werden erfüllt.
Synanon-Bewohner nehmen
verstärkt an Weiterbildungskursen teil. Ein Synanon-Bewohner beendet
erfolgreich seine Bäckerlehre. Die Druckerei beginnt mit der
Herstellung und dem Vertrieb von Wohlfahrtsmarkenheften für die
Zentrale des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
Die
Öffentlichkeitsarbeit wird erweitert. Namhafte Mediziner, Psychiater
und Drogenexperten halten Vorträge in Synanon zu brisanten Themen wie
zum Beispiel HIV und HCV mit anschließender Diskussion. Gesponsert von
der Bayer AG, wird im Sommer ein halbstündiger Film über Synanon
gedreht.
Parallel zum Wirtschaftsgipfel findet ein Treffen der
First Ladys Marianne Freifrau von Weizsäcker und Nancy Reagan, die die
Anti-Drogen-Kampagne Just say No ins Leben gerufen hatte, statt. Zu
dieser Veranstaltung eingeladen ist ein Vertreter Synanons.
Durchschnittlich 180 Bewohner, 340 Aufnahmen.
324 Drogentote in Deutschland, davon 39 in Westberlin.
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1986
- Abschluss der Instandsetzungsarbeiten am Haus Bernburger Straße
24-25; Gründung des Synanon-Fachverlages; Verleihung des
Bundesverdienstkreuzes an zwei Synanon-Mitglieder
Nach 8
Jahren Bauzeit sind die Arbeiten am Haupthaus Bernburger Straße 24-25
abgeschlossen. Die Einweihungsfeier findet in feierlichem Rahmen mit
zahlreichen Vertretern aus Politik und Gesellschaft statt.
Die
Senatorin für Jugend und Familie legt dem Abgeordnetenhaus von Berlin
ein Finanzierungskonzept für den Synanon-Neubau Bernburger Straße 10
vor.
Hofgut Fleckenbühl erhält die Anerkennung als biologisch-dynamischer Betrieb.
Der
Synanon-Fachverlag nimmt als sechster Zweckbetrieb mit der Herausgabe
der Zwei-Monats-Zeitschrift SuchtReport - Europäische Fachzeitschrift
für Suchtprobleme die Arbeit auf (Erstauflage: 10.000 Stück). Synanon
wird Mitglied im Bundesverband der Druckindustrie und erhält so die
Möglichkeit, auf die Bildungsangebote der Branche zurückzugreifen.
Im
Mai erhalten Synanons 1. Vorsitzender Ingo Warnke und Geschäftsführer
Ralph-Dieter Wilk von Bundespräsident Richard von Weizsäcker das
Bundesverdienstkreuz als Anerkennung für ihre langjährige und
erfolgreiche Arbeit in der Drogenhilfe.
Besuche in befreundeten
Kibbuzen in Israel. Teilnahme an der Veranstaltungsreihe Suchtwoche des
ZDF im Oktober. Kunstausstellungen im Synanon-Haus.
Novum in
der Geschichte Synanons: Erstes Angestelltenverhältnis mit einem
ehemaligen Synanon-Bewohner. Ralph-Dieter Wilk verlässt nach 11 Jahren
Zugehörigkeit zusammen mit Frau und Kind die Synanon-Gemeinschaft und
arbeitet weiterhin als Geschäftsführer für Synanon. Diese Entscheidung
des Vorstandes stößt bei vielen Mitgliedern der Synanon-Gemeinschaft
auf Vorbehalte und Kritik.
Durchschnittlich 200 Bewohner, 388 Aufnahmen.
348
Drogentote in Deutschland, davon 55 in Westberlin. Nach Schätzungen des
BKA gibt es 60.000 Drogenabhängige in der Bundesrepublik.
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1987
- Neubau des Synanon-Hauses Bernburger Straße 10 bewilligt; Ausbau der
biologisch-dynamischen Landwirtschaft; Verdienstorden des Landes Berlin
an Synanon-Mitbegründer; Teilnahme an Weltrechtskonferenz
Der
Bewilligungsausschuss bei der Wohnungsbau-Kreditanstalt Berlin (WBK)
hat sich für eine Förderung des Synanon-Neubaus Bernburger Straße 10
entschieden. Die Senatsverwaltung für Jugend und Familie fördert das
Bauvorhaben mit 1,9 Mio DM.
Im Mutter-Kind-Haus in der
Peter-Lenné-Straße werden die umfangreichen Instandsetzungsmaßnahmen
mit einer Einweihungsfeier beendet.
Im Rahmen des Ausbaus der
biologisch-dynamischen Landwirtschaft auf dem Hof Fleckenbühl legt ein
Synanon-Bewohner erfolgreich die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister ab.
Synanon-Mitbegründer
Ingo Warnke wird am 1. Oktober vom Regierenden Bürgermeister von
Berlin, Eberhard Diepgen, im Rahmen einer Feierstunde am Tag der
Verfassung in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um Berlin
der Verdienstorden des Landes Berlin verliehen.
Synanon-Geschäftsführer
Ralph-Dieter Wilk hält anlässlich der 13. Weltrechtskonferenz in Seoul,
Südkorea, in der Sektion Health and Drug Law einen Vortrag zum Thema
Therapie statt Strafe. Als Reaktion darauf folgen Berichterstattungen
und Interviews in den deutschen Medien.
Die Gattin des Bundespräsidenten, Marianne Freifrau von Weizsäcker, besucht in Begleitung ihrer persönlichen Referentin Synanon.
Durchschnittlich 185 Bewohner, 468 Aufnahmen.
442
Drogentote in Deutschland, davon 41 in Westberlin. Die Anzahl der
Betäubungsmittelabhängigen wird auf über 80.000, die der
Kokainmissbraucher auf 5.000 bis 10.000 geschätzt.
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1988 -
Finanzierung des Synanon-Neubaus gesichert; Eröffnung des
Ladengeschäfts Kunstpause; Hof Fleckenbühl erhält Umweltpreis;
Einführung eines Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms
Die
Finanzierung des dem Stammhaus gegenüber gelegenen Neubaus in der
Bernburger Straße 10 ist gesichert. Baubeginn ist am 1. April. Bei der
Grundsteinlegung am 14. Oktober sind u. a. die Bürgermeisterin Hanna
Renate Laurin, der Staatssekretär für Jugend und Sport Prof. Dittberner
sowie Kreuzbergs Bürgermeister Wolfgang Krüger mit Reden und Grußworten
vertreten.
In der Bernburger Straße 26 wird das Ladengeschäft
Kunstpause eröffnet. Verkauft werden dort Waren des Zweckbetriebes
Keramik sowie gestiftete Grafiken Berliner Künstler. Neben Irene Warnke
und Synanon-Freund Edgar-Carlo Bettermann stellen weitere Künstler ihre
Bilder und Arbeiten wechselnd aus.
Hof Fleckenbühl erhält den
Umweltpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Die wichtigsten
Baumaßnahmen und Instandsetzungsarbeiten dort werden abgeschlossen.
Im
August wird den Polizeibeamten Klaus Scheel, Detlef Eichhorn und
Herbert Staack für ihre mehrjährige ehrenamtliche Tätigkeit als
Sportlehrer für Synanon im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung das
Bundesverdienstkreuz verliehen.
Für das seit 1984 ehrenamtliche
Vertreiben von Wohlfahrtsbriefmarken und Markenheften im Auftrag des
Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) überreicht
Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker eine Urkunde an einen
Vertreter Synanons, der diese stellvertretend für den Berlinder
Landesverband des DPWV entgegen nimmt.
Der ehemalige
Generalbevollmächtigte für Wirtschaftsförderung des Landes Berlin,
Robert G. Layton, sagt Synanon im November seine ehrenamtliche Mithilfe
als Wirtschaftsberater zu. Schwerpunkt ist die Entwicklung
langfristiger finanzieller und organisatorischer Konzepte. Der erste
Schritt in diese Richtigung beginnt 1989 mit einem einjährigen
Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm für eine begrenzte Anzahl
von Synanon-Bewohnern.
Der Fuhrpark des Synanon-Zwecktetriebes
Umzüge und Transporte wird auf 5 Möbelkofferwagen, 2 Kipper und ein
18-Tonner-Fahrzeug erweitert.
Durchschnittlich 208 Bewohner, 549 Aufnahmen.
670
Drogentote in Deutschland, davon 80 in Westberlin. Nordrhein-Westfalen
startet einen Modellversuch mit der Ersatzdroge Methadon.
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1989
- Aufnahme süchtiger Menschen aus der DDR; Start des Beschäftigungs-
und Qualifizierungs-programms; Demeter-Anerkennung für Hof Fleckenbühl
Synanon wird Anfang des Jahres Mitglied im Deutschen Kinderhilfswerk.
Im
März lädt die Synanon-Gemeinschaft zum Ehemaligen-Treffen ein, dass von
nun an regelmäßig zweimal im Jahr - zu Ostern in Berlin, im November in
Fleckenbühl - stattfinden soll. Synanon beginnt damit, ehemalige
Bewohner und andere nüchtern lebende Süchtige als gleichberechtigte
Partner des Nüchternseins anzusprechen.
Teilnahme an diversen Veranstaltungen und Kongressen.
Hof
Fleckenbühl erhält für seine Vieh- und Landwirtschaft die Anerkennung
als Demeter-Betrieb. Im Hofladen werden Käse, Fleisch, Brot und Gemüse
aus eigenem Anbau verkauft.
Veränderte Aufnahmeregelung durch
Einführung einer Probezeit von 14 Tagen für Neuankömmlinge. Erst nach
dieser Zeit wird von den Bewerbern eine Entscheidung über eine längere
Verweildauer in Synanon erwartet.
Ab 1. April nehmen 29 Männer
und 6 Frauen von Synanon an einem staatlichen Beschäftigungsprogramm
mit besonderen berufsorientierten Beschäftigungs- und
Qualifizierungsmaßnahmen teil. Die Zusammenarbeit erfolgt mit den
Senatsverwaltungen für Arbeit, Verkehr und Betriebe sowie Gesundheit
und Soziales und dem Bezirksamt Kreuzberg. Durch diese
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse werden
erstmals in der Geschichte Synanons Bewohner in die Lage versetzt,
mitgebrachte Schulden, Unterhaltsverpflichtungen und dgl. ganz bzw.
teilweise begleichen zu können.
Nach Grenzöffnung werden die
ersten Hilfe suchenden Alkohol- und/oder Medikamentenabhängigen sowie
drei Fixer aus der DDR aufgenommen. Der Neubau in der Bernburger
Straße 10 ist noch nicht bezugsfertig und der Altbau gegenüber ist
überbelegt. Der Anspruch, jederzeit jede anhängige Person in jedem
Zustand aufzunehmen, fordert der Synanon-Gemeinschaft mehr denn je ab.
Über Synanon wird in zahlreichen Medien, auch in denen der DDR, berichtet.
Die
Redaktion des Synanon-Fachverlages erhält von Günter Dahl, einem
erfahrenen Journalisten des Magazins Stern und Freund aus den
Gründungsjahren, fachliche Beratung und Unterstützung.
Durchschnittlich 240 Bewohner, 689 Aufnahmen.
991
Drogentote in Deutschland, davon 94 in Westberlin. Nordrhein-Westfalen
startet einen Modellversuch mit der Ersatzdroge Methadon.
1990
- Einweihung des Synanon-Hauses Bernburger Straße 10; Fortsetzung des
staatlich geförderten Beschäftigungsprogramms, Aufnahmezahlen steigen
um 70 %
Feierliche
Eröffnung des Neubaus Bernburger Straße 10 am 15. Januar mit Gästen aus
Politik und Öffentlichkeit wie der Bürgermeisterin Ingrid Stahmer, der
Senatorin Anne Klein, dem Vorsitzenden des DPWV, Prof. Sengling, und
anderen.
Das Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm wird von 35 auf 50 Plätze erweitert.
Synanon-Zweckbetriebe
engagieren sich in vielfältiger Art und Weise. So wird der Hof
Fleckenbühl Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für Verarbeitung und
Vertrieb von Demeter-Erzeugnissen e.V., Mitarbeiter der Druckerei
besuchen wie in den Vorjahren die Fachmesse Drupa in Düsseldorf, der
Fachverlag gibt mit dem Anti-Drogen-ABC eine Loseblatt-Sammlung heraus,
der neu gegründete Zweckbetrieb Bäckerei mit dem Schwerpunkt auf
Demeter-Produkte wird Mitglied der Bäckerinnung, der neu gegründete und
somit achte Synanon-Zweckbetrieb Speise-Café und Markt öffnet in
natürlich rauch- und alkoholfreier Atmosphäre mit der Ausstellung eines
Malers. Traditionell finden in Synanon Kunstausstellungen, Konzert- und
Musikveranstaltungen statt.
Dr. Dietrich Kleiner, Psychiater
und Drogenexperte und langjähriger Freund Synanons sowie engagiert im
Informationskreis Drogenprobleme e.V., initiiert in den Räumen von
Synanon eine Informationsveranstaltung, der 300 Mediziner aus der
noch-DDR folgen. Ingo Warnke referiert an der Humboldt-Universität in
Ostberlin vor 70 Ärzten zum Thema Suchtprophylaxe. Der
Informationsbedarf ist groß und Synanon gefragt.
Durchschnittlich 310 Bewohner, 1.068 Aufnahmen.
991
Drogentote in Deutschland, davon 94 in Westberlin. Nordrhein-Westfalen
startet einen Modellversuch mit der Ersatzdroge Methadon.
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1991
- Verkauf des Stammhauses Bernburger Straße 24-25; Kauf des Grundstücks
Herzbergstraße 82 - 84 in Berlin-Lichtenberg; Ewerb eines
landwirtschaftlichen Betriebes im Land Brandenburg; 20-jähriges
Bestehen Synanons
Aufgrund
der durch die Wiedervereinigung Deutschlands enorm angestiegenen
Aufnahmezahlen in Synanon glauben die Verantwortlichen, diesem Bedarf
auch künftig räumlich zu entsprechen zu müssen. Sie entschließen sich,
das Stammhaus Bernburger Straße 24-25, das bei Erwerb im Jahre 1978 im
Grenzgebiet einen Dornröschenschlaf fristete, aufzugeben. Der Verkauf
dieses Hauses bringt stolze 29 Mio DM ein, die verwendet werden für den
Kauf zweier von der Treuhandanstalt angebotener Grundstücke. Erworben
werden zum einen das Grundstück Herzbergstraße 82 - 84 in
Berlin-Lichtenberg, das das neue Synanon-Stammhaus werden soll, sowie
das im Hohen Fläming (Land Brandenburg) gelegene ehemalige VEG
(volkseigenes Gut) Schmerwitz. Letzteres mit der Verpflichtung, 65
ehemalige VEG-Mitarbeiter in einer zweijährigen ABM-Maßnahme für den
Bereich des ökologischen Landbaus zu schulen und anschließend einen
Teil von ihnen einzustellen. Zweck der daraufhin gegründeten
gemeinnützigen GmbH Gut Schmerwitz ist es, Synanon-Bewohnern
Arbeitsmöglichkeiten in der Landwirtschaft zu bieten. Bei der
Umstellung auf biologisch-dynamischen Landbau übernimmt das Hofgut
Fleckenbühl die Patenschaft. Brandenburgs Ministerin Dr. Regine
Hildebrandt sagt nach einem Besuch in Schmerwitz, bei dem sie sich
umfassend über die Vorhaben Synanons informierte, ihre künftige
Unterstützung zu.
Die beiden neuen Projekte stellen die
leitenden Synanon-Mitglieder auf eine Belastungsprobe. Die räumlichen
Improvisationen und die vermehrten Aufnahmen müssen gemeinsam mit immer
mehr jüngeren und noch nicht so lange zur Gemeinschaft gehörenden
Synanon-Mitgliedern bewältigt werden, denen Spezialwissen in den Haus-
und Arbeitsbereichen noch vermittelt werden muss.
Termine wie
die Teilnahme mit einem Informationsstand des Synanon-Fachverlags beim
14. Bundesdrogenkongresses des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel
(FDR) e.V. wie den Empfang des Präsidenten des Präsidentenhauses von
Malaysia und andere mehr werden wahrgenommen.
Im Oktober begeht
Synanon das 20-jähriges Bestehen improvisiert im neuen, noch
instandzusetzenden Stammhaus Herzbergstraße, in das als erster
Zweckbetrieb die Druckerei einzieht.
Durchschnittlich 360 Bewohner, 724 Aufnahmen, 583 Krisenaufenthalte.
2.125 Drogentote in Deutschland, davon 240 in Berlin
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1992 -
Ausbau des neuen Stammhauses Herzbergstraße; Ziele in der Drogenhilfe
werden schriftlich fixiert; Weiterhin steigende Aufnahmezahlen
Die
umfangreichen Bauarbeiten im neuen Stammhaus Herzbergstraße laufen auf
Hochtouren. Künftig sollen dort alle Synanon-Zweckbetrieb
einschließlich Verwaltung angesiedelt werden. Bereits im Juni wird die
Bäckerei provisorisch in Betrieb genommen.
Zu Jahresbeginn wird
für alle Mitglieder der Verwaltung ein Bildungspass erstellt, der
Bildungsangebote unter Berücksichtigung individueller Fähigkeiten
bereit hält.
Synanon-Mitglieder beginnen ihre bisher
verfolgten Ziele in der Drogenhilfe und die dazu notwendigen Maßnahmen
und Voraussetzungen systematisch zu beschreiben und detailliert zu
fixieren. Damit legen sie ihr Konzept der Suchthilfe in
curricular-ähnlicher Form gemeinschaftlich und überpersonell fest.
Sonstige
Ereignisse: Empfang einer Delegation aus Guatemala, deren Teilnehmer
sich als Gäste der Konrad-Adenauer-Stiftung einen Überblick über Sinn,
Ziele und Methodik Synanons verschaffen möchten. Doppelhochheit im Mai.
Damit gab es insgesamt 20 Eheschließungen in Synanon. Aufgabe des
Jägerhofs im Juni mit Abschiedsfeier im April. Ein Teil der Bewohner
zieht nach Schmerwitz und baut dort die Keramikwerkstatt auf. Der
Zweckbetrieb "Speisecafé" wird vorerst geschlossen, denn Küche und
Speiseraum werden für die Bewohner der Bernburger Straße 10 benötigt.
Im Sommer erholen sich 20 Kinder aus Tschernobyl in Berlin und
Schmerwitz. Teilnahme an der im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden
Leistungsschau der regionalen Wirtschaft, die zur Eröffnung von Hessens
Ministerpräsident Hans Eichel besucht wird. Im November besichtigt der
Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen anlässlich seines
Bezirksbesuches in Lichtenberg das Haus Herzbgerstraße. Mittlerweile
leben und arbeiten dort ca. 50 Synanon-Bewohner unter provisorischen
Bedingungen.
Mit dem Mauerfall und der Wiedervereinigung
Deutschlands ist für Synanon eine Zeit des raschen Wachstums gekommen.
Die Gemeinschaft ist sich bewusst darüber, dass dies eine Besinnung auf
die eigenen Ziele und Werte erfordert.
Durchschnittlich 450 Bewohner, 1.262 Aufnahmen, 851 Krisenaufenthalte.
2.099
Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 3), davon 217 in
Berlin. Die Anzahl der Betäubungsmittelverbraucher wird auf 100.000 bis
120.000, die der Aufputschmittelverbraucher (Kokain) auf über 40.000
geschätzt.
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1993 -
Bauarbeiten in der Herzbergstraße schreiten voran; Mittlerweile 128
Synanon-Bewohner in Schmerwitz - Ausbau für 500 Menschen in Planung;
Inbetriebnahme der Milchwirtschaft; Arbeitsbesuch von Vertretern des
Berliner Drogenreferats in der Bernburger Straße
Das
Haus Herzbergstraße soll nach Abschluss der Arbeiten, die noch bis 1996
andauern werden, Wohn- und Arbeitsraum für 500 Menschen bereit halten.
Es ist somit das größte Bauvorhaben in der bisherigen Geschichte
Synanons. Das Jahresfest zum 22-jährigen Bestehen findet am 9. Oktober
zusammen mit einer Bauausstellung statt. Gute Kontakte zum Nachbarn,
dem evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge bestehen
bereits.
In Schmerwitz hat sich die Zahl der Bewohner von 40 auf
128 erhöht. Künftig sollen 500 süchtige Menschen in Schmerwitz ein
neues Zuhause finden. Über Fördermöglichkeiten und andere
wirtschaftliche Aspekte beraten vor Ort Brandenburgs Ministerpräsident
Dr. Manfred Stolpe, Vertreter der Staatskanzlei und des
Wohnungsbauministeriums sowie Landräte mit Vertretern Synanons und
deren Baubetreuern und Architekten. Anfang April besichtigen Vertreter
des Brandenburgischen Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und
Raumordnung das Pilotvorhaben Biotop-Verbundsystem Schlamau-Schmerwitz.
Im September findet das Richtfest des Kuhstalls in Hagelberg mit Platz
für 250 Milchkühe (Gut Schmerwitz) statt. Im November dann die
vorläufige Einweihungsfeier der Milcherzeugungsanlage mit
EDV-gestützter Futterzuteilung. Unter den mehr als 1.000 Gästen
befinden sind Staatssekretäre des Ministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten, der Landrat und der Architekt.
Auf
Hof Fleckenbühl in Hessen wird das Cafe Fleck mit angeschlossener
Vollkornbäckerei eröffnet. Ein Hof-Bewohner legt die Prüfung zum
Tierwirtschaftsmeister ab.
Im Oktober besuchen Vertreter des
Berliner Drogenreferats das Haus Bernburger Straße 10 und sprechen dort
mit Verantwortlichen der Abteilung für zivil- und strafsächliche
Betreuung. Vor dem Hintergrund der steigenden Aufnahmezahlen ist
kompetente Beratung und Unterstützung dringend erforderlich.
Sonstige
Ereignisse: Besuch eines Gastprofessors aus China in Berlin und
Schmerwitz. Auf Initiative von Irene Warnke findet die 1. Schmerwitzer
Kunstwoche statt. Künstler sind eine Woche lang in Schmerwitz zu Gast
und arbeiten mit Synanon-Bewohnern an verschiedenen Kunstprojekten.
Durchschnittlich 470 Bewohner, 1.127 Aufnahmen, 621 Krisenaufenthalte.
1.783 Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 2), davon 142 in Berlin.
1994 - Zahlreiche Besuche durch Vertreter von Bundes- und Landesministerien sowie ausländischer Regierungsvertreter
Gut
Schmerwitz empfängt in diesem Jahr besonders viele Gäste: Zu einem
Gespräch über geplante Projektmaßnahmen unter der Überschrift Arbeit
statt Sozialhilfe teffen sich die Leiterin des Sozialamtes, Vertreter
des Landesamtes für Soziales und Versorgung und ein Mitarbeiter des
Landesdrogenbeauftragten von Brandenburg mit Vertretern von Synanon.
Ebenso finden Gespräche mit Brandenburgs Minister Hirch zur Neu- und
Umgestaltung des Landschaftsbildes Hagelberg statt. Im Juli besucht die
Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Sabine Bergmann-Pohl Synanon Gut
Schmerwitz. Auf ihrer Tour durch die neuen Bundesländer stattet die
Umweltministerin des Landes Niedersachsen, Monika Griefahn, einen
Besuch ab. Im Dezember dann wird Brandenburgs Minister Matthias
Platzeck empfangen.
Hof Fleckenbühl erhält im August
überraschend Besuch von Hessens Ministerpräsident Hans Eichel. Am 10.
September wird 10-jähriges Bestehen gefeiert. 2.000 Gäste folgen der
Einladung. An diesem Tag leben 115 Synanon-Bewohner, 92 Rinder, 45
Schweine, 5 Perde sowie ungezählte Ziegen, Hunden und Katzen dort. Am
22. Dezember überreicht der hessische Staatssekretär Alexander Müller
den Bewilligungsbescheid zum Aus- und Erweiterungsbauvorhaben für das
Hofgut.
Die Synanon-Bäckerei nimmt am Demeter-Fachgruppentreffen in Weinheim teil.
Ereignisse:
Zweite Schmerwitzer Kunstwoche findet statt. Feier zum 23-jährigen
Bestehen Synanons in der Herzbergstraße. Vorträge befreundeter
Mediziner in Synanon-Häusern: Unter anderen referiert Dr. Salloch Vogel
vom Jüdischen Krankenhaus zum Thema Rückfallverhinderung und Tragen von
Verantwortung für mich selbst und informiert darüber hinaus über
Suchtstoffe in Lebensmitteln.
Besuche statten ab: Mitglieder
des israelischen Kibbuzes Magen, der Direktor des malayischen
Anti-Narcotics Task Force in Kuala Lumpur, Mitglieder der französischen
Arche-Gemeinschaft La Fleyssiere, die Schweizer Nationalrätin Dr.
Judith Stamm, die die Synanon-Häuser und Gut Schmerwitz besichtigt,
Mitglieder der staatlichen Selbsthilfeorganisation Fröso aus Schweden.
267 Bewohner per 01.01, 802 Aufnahmen, 258 Krisenaufenthalte.
1.624
Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 6), davon 108 in
Berlin. Die Zahl der Betäubungsmittelabhängigen (Heroin/Kokain) wird
auf 150.000 bis 200.000 geschätzt.
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1995 - Hof Fleckenbühl wird selbständig
Dem
Wunsch nach Selbständigkeit folgend, trennt sich im September nach 11
Jahren die Gemeinschaft auf Hof Fleckenbühl organisatorisch von Synanon
in Berlin und Brandenburg. Als Suchthilfe Fleckenbühl e.V. arbeitet das
Gut nach Synanon-Regeln weiter. Mit der Abtrennung im Sinne einer
Zellteilung beginnt in der über 20-jährigen Geschichte Synanons ein
neuer Abschnitt. Die Muttergemeinschaft Synanon lässt eines ihrer
erwachsen gewordenen Kinder in die Selbständigkeit und
Eigenverantwortlichkeit ziehen im Vertrauen darauf, dass das erwachsene
Kind seinen weiteren Weg nach den Grundsätzen Synanons gehen wird.
Mit
Fortschreiten der Fertigstellung des neuen Stammhauses in der
Lichtenberger Herzbergstraße, das Platz für 500 süchtige Menschen
bieten soll, trennt sich Synanon schweren Herzens vom Mutter-Kind-Haus
in der Peter-Lenné-Straße in Berlin-Dahlem.
Da die
angegangenen Großprojekte die Verantwortlichen in weiten Teilen
anfangen zu überfordern und zudem die Gemeinschaft immens belasten,
holt Synanon für Fragen der Organisation und Führung erstmals die Hilfe
professioneller Unternehmensberater ins Haus. Die Mitarbeiter der
holländischen Beratungsgesellschaft NPI interviewen und beraten bei
mehreren Besuchen in Schmerwitz und Berlin.
Besuche: Der
parlamentarische Staatssekretär und Drogenbeauftragter der
Bundesregierung Eduard Lintner informiert sich bei einer Führung durch
das Haus Herzbergstraße über Synanon. Er wird begleitet vom
Vorstandsvorsitzenden Ingo Warnke und Geschäftsführer Ralph-Dieter
Wilk. Dr. Sabine Bergmann-Pohl, parlamentarische Staatssekretärin, und
Dr. Hans Hinrich Knappe, MdB, besuchen Gut Schmerwitz. Ein Mitglied des
Europäischen Parlaments im Politikbereich Drogenkriminalität und
Drogenbekämpfung diskutiert im Haus Bernburger Straße mit Vertretern
Synanons über Fragen der Suchtarbeit und Suchtpolitik.
Über das
Jahr verteilt finden zahlreiche Veranstaltungen wie Tage der offenen
Tür, Kunstwoche und Jahresfest in Scherwitz und dgl. statt.
197 Bewohner per 01.01., 677 Aufnahmen, 200 Krisenaufenthalte.
1.463
Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 7), davon 108 in
Berlin (bei geschätzten 8.000 Drogenabhängigen). Jeder 20. Deutsche
gilt als suchtkrank. Allein die Zahl der Medikamentenabhängigen wird
auf 1,4 Millionen Menschen geschätzt. Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von
11,4 Litern Alkohol liegt Deutschland weltweit an der Spitze.
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1996
- Namensumbenennung von Synanon International e.V. in Synanon e.V.; 25
Jahre Synanon und Einzug in die Herzbergstraße werden groß gefeiert
Namensumbenennung von Synanon International e.V. in Synanon e.V.
Synanon
feiert 25-jähriges Jubiläum und den Einzug in das neue Stammhaus
Herzbergstraße in Berlin-Lichtenberg am 20. und 21. September mit ca
1.700 Gästen, einem bunten Programm mit zahlreich auftretenden
Künstlern von Klassik bis Pop sowie einem selbst arrangierten Buffets.
Festredner sind der Bundesdrogenbeauftragte Eduard Lintner und die
Berliner Senatorin für Jugend und Familie Ingrid Stahmer.
Mit
dem Projekt Herzbergstraße ging eine Ära zu Ende und eine neue beginnt.
Ein Pionier der Herzbergstraße hat es schon 1992 einmal treffend
beschrieben: Neue Synanisten mussten hier früh Verantwortung
übernehmen, wodurch der Status in der Synanon-Hierarchie, anders als in
unseren anderen Häusern, zweitrangig wurde. In dem kleinen Rahmen
wurden auch die vielen kleinen Gebote und Einschränkungen viel
beweglicher gehandhabt, was den Umgang miteinander letztlich entspannte
... Es kommen ganz neue Leute, die gewissermaßen eine fertige Situation
vorfinden, und alte Synanisten, die ihre Vorstellungen dem hiesigen
Stil anpassen müssen. Auch das ist wieder sehr spannend. Hier wie auch
in Schmerwitz wird Synanon sich merklich verändern.
5 Jahre
Synanon Gut Schmerwitz. Das brandenburgische Wohnungsbauministerium
bewilligt den Bau von 60 Wohneinheiten mit 150 Wohnplätzen. Konkret
heißt das, dass mit dem Bau der geplanten 11 Neubauten im Dorf
Schmerwitz begonnen werden kann, deren Fertigstellung für Ende 1997
geplant ist. In der hauseigenen Zeitung Neues von Synanon wird dazu
geschrieben, dass man über die zunächst bewilligten Wohnplätze hinaus
auf weitere mit entsprechenden Gemeinschaftsflächen für dann insgesamt
500 Menschen hoffe. Die Vision der Verantwortlichen von einem
Synanon-Dorf wird weiter verfolgt.
Die Fachzeitschrift SuchtReport erscheint seit nunmehr 10 Jahren, das Mitteilungsblatt Neues von Synanon seit 20 Jahren.
186 Bewohner per 01.01., 633 Aufnahmen, keine Angaben über Krisenaufenthalte erfasst.
1.624
Drogentote in Deutschland (in den neuen Bundesländern 6), davon 108 in
Berlin. Seit 1990 hat sich die Zahl der 14- bis 15-jährigen
Ecstasy-Konsumenten verdreifacht, bisher haben 540.000 Menschen
Erfahrungen damit gemacht.
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1997 - Wirtschaftliche
Probleme werden sichtbar; Uwe Schriever wird als kaufmännischer Berater
hinzugezogen; Langzeitstudie wird veröffentlicht
In den
Jahren 1996/1997 gerät Synanon in die sich schon länger vorher
abzeichnende schwere wirtschaftliche Krise. Grobe Managementfehler und
Fehleinschätzungen der Verantwortlichen werden offenbar. Interne
Meinungsverschiedenheiten zwischen den Verantwortlichen eskalieren. Die
angegangenen Großprojekte unter Beratung und Betreuung von Bauträgern
und Architekten entwickeln sich zu einem Fiasko, aus dem sich Synanon
ohne fremde Hilfe nicht mehr befreien kann. Die Existenz der seit 25
Jahren bundesweit größten Suchtselbsthilfe ist bedroht.
Vom
Vorstand des Synanon e.V. Ende 1996 um Hilfe gebeten, sagt Uwe
Schriever Anfang 1997 wieder einmal seine Unterstützung zu. Aus der
anfänglichen Bereitschaft, für eine kurze Zeit beratend zur Seite zu
stehen, wird schnell klar, dass tatsächliche Hilfe nur über einen
längerfristigen Zeitraum erreicht werden kann. Uwe Schriever übernimmt
die kaufmännische Betreuung und Beratung.
Synanon beschreitet
von nun an einen Weg, der überaus beschwerlich ist. Es wird ein Erbe
angetreten, dass Widrigkeiten und Rückschläge bereit hält. Freunde und
Förderer sind verschreckt von der Entwicklung, die mehr oder weniger
offenbar wird. Viele ziehen sich zurück. Das Vertrauen von Politik,
Gesellschaft und Öffentlichkeit in die Suchtselbsthilfe Synanon muss
neu erarbeitet werden. Die verbliebenen Verantwortlichen und neuen
Mitstreiter um Uwe Schriever vollbringen auch in den darauffolgenden
Jahren enorme Anstrengungen, um der Suchtselbsthilfe Synanon zu einer
wirtschaftlichen Stabilität mit Rahmenbedingungen zu verhelfen, die für
eine Fortführung der Suchthilfearbeit unerlässlich ist.
Noch im
Reformjahr 1997 wird der kontinuierliche Ausbau der Zweckbetriebe
vorangetrieben. Dies beginnt mit einer Straffung der
Arbeitsorganisation. Um der von nun an verstärkt angestrebten Aus- und
Weiterbildung von Synanon-Bewohnern eine solide Grundlage zu geben,
werden je ein Meister in der Druckerei und in der Bäckerei sowie in der
Wäscherei beschäftigt.
Konzept über Kinderprojekt wird
bewilligt. Das Land Brandenburg übernimmt die Finanzierung.
Traumatisierte und mit Erlebnissen aus der Suchtvergangenheit ihrer
Eltern belastete Kinder erhalten nun in Schmerwitz ganztägig
professionelle Hilfe und Begleitung durch Heilpädagogen und Erzieher.
Im
Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erscheint die Katamnese
der selbstverwalteten Suchthilfe SYNANON unter Berücksichtigung der
Bildung sozialer Netzwerke in Deutschland. Die Ergebnisse - 70 %
bleiben dauerhaft nüchtern, nachdem sie zwei bis drei Jahre in Synanon
gelebt haben - sprechen für eine erfolgreiche Suchtselbsthilfearbeit
von Synanon.
141 Bewohner per 01.01., 869 Aufnahmen, keine Angaben über Krisenaufenthalte erfasst.
1.501 Drogentote in Deutschland. 187.022 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
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1998 - Auszug aus dem Synanon-Haus Herzbergstraße; Einführung eines offenen Meetings
Das
Synanon-Haus in der Herzbergstraße erweist sich schon kurz nach
Fertigstellung als nicht finanzierbar und muss aufgegeben werden. Die
meisten dort lebenden Synanon-Bewohner ziehen zurück ins Synanon-Haus
in der Bernburger Straße 10 und richten sich dort wieder ein. Vorher
aber müssen die einige Zeit leerstehenden Räume zum Teil umgebaut und
renoviert werden. Innerhalb von nur sechs Wochen ziehen 190
Synanon-Bewohnern mit allen Möbeln und Hausrat einschließlich Großküche
und Verwaltung um. Die Zweckbetriebe Druckerei und Wäscherei werden in
einer an die Bernburger Straße 10 angrenzenden Lagerhalle angesiedelt,
nachdem diese instandgesetzt und renoviert wurde. Die Zweckbetriebe
Umzüge, Clean up - Reinigung und Café & Markt (hieß vormals
Kunstpause) finden im Synanon-Haus ihr neues Domizil. Die im Fachverlag
sowie in der Bäckerei und im Töpferladen Tätigen ziehen mit ihren
Zweckbetrieben aufs Land nach Schmerwitz. Koordniniert und geleitet
wird dieser in der Geschichte Synanons bisher nie dagegwesene und an
die Grenzen der Belastbarkeit gehende Großumzug von Peter Elsing, dem
langjährigen Hausleiter und Vorstandsmitglied des Synanon e.V.
Neu
eingeführt wird ein offenes Meeting. Es findet jeden Montag um 19:00
Uhr im Synanon-Haus statt und wird wechselnd geleitet von zwei
erfahrenen Synanon-Bewohnern. Damit wird dem neuen Zeitgeist in Synanon
und dem Bedarf ehemaliger Synanon-Bewohner nach Austausch in
Selbsthilfegruppen entsprochen. Dieses Angebot richtet sich dennoch
generell an alle interessierten süchtigen Menschen, auch an jene, die
noch nicht zur dauerhaften Nüchternheit gefunden haben.
Aus den
Zweckbetrieben: Synanon-Keramik-Laden im Holländischen Viertel in
Potsdam eröffnet. Synanon-Café wieder eröffnet im Synanon-Haus
Bernburger Straße 10.
176 Bewohner per 01.01., 687 Aufnahmen, 103 Krisenaufenthalte.
1.674 Drogentote in Deutschland, davon 313 in Berlin. 205.099 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
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1999
- STIFTUNG SYNANON übernimmt die Suchthilfeaufgaben des Synanon e.V.,
Strukturwandel in Synanon nimmt Gestalt an; Kinderprojekt in Schmerwitz
bewilligt; Synanon geht ins Netz unter www.synanon.de
Am
1.1.1999 - nach knapp zwei Jahren intensiver Sanierungsarbeit -
übernimmt die in den 80er Jahren bereits ins Leben gerufene STIFTUNG
SYNANON, deren einziges Ziel zunächst die Sicherung der
Altersversorgung langjähriger Synanon-Mitglieder war, die
Suchthilfeaufgaben des Synanon e.V. Damit vollzieht Synanon den
strukturellen und inhaltlichen Wandel auch sichtbar nach außen. Synanon
hat die Zeichen der Zeit erkannt und aus den Fehlern der Vergangenheit
gelernt, ohne jedoch die grundsätzliche Philosophie und das
einzigartige Angebot der Aufnahme sofort aufzugeben.
Das
Abenteuer Herzbergstraße ist den nun Verantwortlichen noch immer
gegenwärtig, zeigt es doch, wie schnell durch eine Kette interner
Fehlentscheidungen plötzlich die finanzielle und somit auch ideelle
Basis Synanons in ihrer Existenz bedroht sein kann. Unter dem Dach der
Stiftung herrschen von nun an strikte Kostenkontrolle, Transparenz und
Offenheit. Oberstes Gebot ist der Erhalt des Stiftungsvermögens zur
Sicherstellung satzungsgemäßer Zwecke der Suchtselbsthilfe.
Synanon
erhebt nicht mehr den Anspruch, den allein gültigen Weg aus der Sucht
zu bieten. Dennoch ist man in Synanon noch immer der festen
Überzeugung, dass nur die strikte Abstinenz den sogenannten Königsweg
aus der Drogensucht weist und es das Bestreben eines jeden Süchtigen
sein soll, diesen obschon dornigen Weg zumindest zu versuchen. Durch
behutsame Öffnung nach außen, der eine jahrelange und fortschreitende
Form der Abschottung vorausging, versuchen die nun Verantwortlichen in
Synanon, das Vertrauen von Politik und Öffentlichkeit zurück zu
gewinnen und für die nach wie vor faszinierende Idee Synanons zu
begeistern.
Den Vorsitz im Vorstand übernimmt im Oktober Peter
Elsing, sein Stellvertreter wird Thomas Rottenbücher, ein weiteres
Mitglied ist Ingo Warnke. Im Kuratorium unter Vorsitz von Irene Warnke,
dem mittlerweile auch Uwe Schriever angehört, können Herr Rechtsanwalt
Dr. Riebschläger (ehemaliger Finanzsenator von Berlin) und Herr
Rechtsanwalt Nikolaus Ley zur ehrenamtlichen Mitarbeit gewonnen werden.
Damit vollzieht sich Schritt für Schritt und auch nach außen hin
sichtbar ein Generationswechsel in der Führung und Aufsicht der
STIFTUNG SYNANON.
Gäste: Informationsbesuch in Berlin und
Schmerwitz durch Ministerialdirektor Dr. Boeter aus dem
Bundesjustizministerium. Chinas stellvertretender
Landwirtschftsminister besucht Gut Schmerwitz, um sich vor Ort ein Bild
über den biologisch-dynamischen Landbau zu machen.
Mitglieder des
Europäischen Sozialfonds auf ihrer Informationsreise über
Drogenprojekte in den Mitgliedsstaaten besuchen das Synanon-Haus in der
Bernburger Straße wie auch Teilnehmer der European Cities Against Drugs
(ECAD) im Rahmen ihrer in Berlin stattfindenden Beiratssitzung. In
Begleitung des Drogenreferats von Berlin besuchen fünf Mitglieder des
Suchtstoffkontrollrates der Vereinten Nationen das Synanon-Haus, um
sich einen persönlichen Eindruck von Synanon zu verschaffen.
Interessantes
aus den Zweckbetrieben: Café & Markt liefert zum Auftakt der
Grünen Woche in Berlin sein bisher umfangreichstes Buffet mit
biologisch-dynamischen Produkten aus eigener Herstellung und
Verarbeitung. Im Laufe des Jahres ist dieser Zweckbetrieb bei
zahlreichen Veranstaltungen wie Kanzleieröffnungen (eine in Anwesenheit
des Bundeskanzlers Gerhard Schröder) und dem Frohnauer Dressurfestival
mit Buffets aus eigener Herstellung gefragt. Ein Synanon-Bewohner
erhält im November den Meisterbrief fürs Elektrotechnikhandwerk vom
Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Dr. Manfred Stolpe
persönlich überreicht. Die Druckvorstufe der meistergeführten
Synanon-Druckerei wird technisch aufgerüstet, so dass es einer
Synanon-Bewohnerin möglich wird, eine Ausbildung zur Grafikdesignerin
zu beginnen. Im Zweckbetrieb Keramik schließt Thomas Rottenbücher,
Vorstandsmitglied, die Meisterausbildung im Keramikhandwerk erfolgreich
ab; eine weitere Synanon-Bewohnerin besteht ihre Gesellenprüfung
ebenfalls mit Erfolg.
Gründung des Zweckbetriebes Elektrotechnik
unter der Leitung eines Meisters, der zuvor als Bewohner Synanons die
Meisterprüfung erfolgreich abgeschlossen hat.
Interessierte
aus medizinisch-helfenden und handwerklichen Berufen absolvieren
Praktika in diversen Zweckbetrieben und Arbeitsbereichen Synanons.
Synanon geht mit www.synanon.de ins Internet.
138 Bewohner per 01.01., 564 Aufnahmen, 120 Krisenaufenthalte.
1.812 Drogentote in Deutschland, davon 205 in Berlin. 216.682 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
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2000
- Generationswechsel - Vorstand und Kuratorium formieren sich neu;
Suchthilfegemeinschaft in Schmerwitz wird selbständig mit Gründung des
Synanon Schmerwitz e.V; DHS stellt Jahrbuch Sucht im Synanon-Haus vor
Die
Synanon-Mitbegründer Ingo und Irene Warnke erklären ihren Rücktritt aus
Vorstand bzw. Kuratorium. Eine räumliche Trennung durch Auszug war dem
bereits vorangegangen. Der neue Vorstand besteht aus Peter Elsing,
Thomas Rottenbücher und Ulrich Letzsch. Neuer Kuratoriumsvorsitzender
wird Uwe Schriever. Peter Rohrer (Bankdirektor a. D.) und Ursula
Birghan (langjähriges Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin)
können als weitere Kuratoriumsmitglieder nach Herrn Dr. Riebschläger
und Herrn Ley, die diesem bereits seit einem Jahr angehören, gewonnen
werden.
Im April werden der Betrieb und die landwirtschaftlichen
Flächen in Schmerwitz an einen privaten Investor verkauft. Trotz zuvor
eingeleiteter und intensiv verfolgter Sanierungsmaßnahmen, die parallel
zu denen in Berlin liefen, war es den neuen Verantwortlichen nicht
möglich, den Betrieb der Synanon Gut Schmerwitz GGmbH zu erhalten. Der
Traum von einem Synanon auf dem Lande mit Rahmenbedingungen und einem
Betätigungsfeld zur Rehabilitation suchtkranker Menschen, die idealer
nicht sein können, muss der Realität weichen. Die sich bereits 1999 und
Anfang 2000 abzeichnende prekäre Situation löst bei den Bewohnern
Ängste und Besorgnis aus.
So kann nach langen und
intentensiven Verhandlungen mit dem Land Brandenburg eine
Übergangslösung in Form einer finanziellen Unterstützung für eine
begrenzte Anzahl von Synanon-Bewohnern in Schmerwitz herbeigeführt
werden. Die Bedingungen des Landes sind die Herauslösung der Suchthilfe
aus der Synanon Gut Schmerwitz GGmbH und die Zusage Synanons, die
Suchthilfearbeit nur noch mit einem kleineren Personenkreis (ca. 50
Erwachsene und 20 Kinder) weiterzuführen.
Diesem Umstand ist
es geschuldet, dass der Synanon Schmerwitz e.V. (im Vorstand: Thomas
Rottenbücher, Uwe Schriever und Ulrich Letzsch) gegründet wird, der die
Zusage des Landes Brandenburg auf finanzielle Unterstützung für die
nächsten zwei Jahre erhält. Eine weitergehende Förderung durch das Land
wird von vornherein ausgeschlossen, so dass man sich schon zu Beginn
darauf konzentriert, eine langfristige Lösung für diesen neuen kleinen
Verein zu finden, der sich als zweites Kind Synanons nach Hof
Fleckenbühl im Jahre 1995 von der Mutter Synanon in Berlin abtrennt und
in die Eigenständigkeit entlassen wird. Noch im Gründungsjahr
erarbeiten die Verantwortlichen mit fachlicher Unterstützung durch den
Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, Landesverband Brandenburg,
ein Konzept, das der Suchtselbsthilfegemeinschaft in Schmerwitz, die
sich kurze Zeit später in Scarabäus Hoher Fläming e.V. umbenennen wird,
eine dauerhafte Existenz ermöglicht.
In Berlin besucht die
parlamentarische Staatssekretärin und Drogenbeauftrage der
Bundesregierung Christa Nickels in Begleitung ihres persönlichen
Referenten Dr. Ilja Michels das Synanon-Haus in der Bernburger Straße
10. Nach einem Rundgang durch das Haus einschließlich Besichtigung der
vor Ort ansässigen Zweckbetriebe Druckerei, Wäscherei, Umzüge, Clean up
- Reinigung und Café & Markt, bei dem sie zahlreiche Gespräche
mit Bewohnern führte, erklärt sie, dass Synanon ein Angebot sei, das
allerdings nicht für jeden Süchtigen geeignet sei. Dabei verweist sie
auf das Methadonprogramm, das auch künfig von der Bundesregierung
gefördert werde.
Der ABB Elektrokonzern spendet Synanon 16 TDM
aus Anlass seines 100-jährigen Bestehens, für das er insgesamt 100 TDM
gemeinnützigen Zwecken zukommen lassen möchte. Den Scheck überreicht
der Vorstandsvorsitzende der ABB in Deutschland dem Vorstand von
Synanon persönlich.
Das Qualitätsmanagement nach ISO 9001 soll
in den Zweckbetrieben eingeführt werden. Sinn und Zweck der Einführung
ist die Optimierung der Arbeitsabläufe in den Zweckbetrieben zur
dauerhaften Qualitätssicherung.
Synanon-Bewohner, die sich zum Drucker, Fotosetzer und Tischler haben ausbilden lassen, bestehen ihre Gesellenprüfungen.
Die Synanon-Verwaltung wird von der Industrie- und Handelskammer als Ausbildungsbetrieb anerkannt.
Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren stellt erstmals im Synanon-Haus der Presse ihr aktuelles Jahrbuch Sucht vor.
172 Bewohner per 01.01., 503 Aufnahmen, 86 Krisenaufenthalte.
2.030 Drogentote in Deutschland, davon 225 in Berlin. 226.563 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
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2001
Verkürzung der Kontaktpause; Einführung der Synanon-Nachsorge;
Mitgliedschaft im FDR und bei InnerCity; 30-Jahres-Feier mit
prominenten Gästen muss abgesagt werden; Einführung eines
Qualitätsmanagementsystems
Die Kontaktpause für neue Synanon-Bewohner zu Verwandten, Freunden und Bekannten wird von sechs auf drei Monate verkürzt.
Im
Rahmen ihrer satzungsgemäßen Aufgaben bietet die STIFTUNG SYNANON
süchtigen Menschen, die abstinent leben, einen drogenfreien
Arbeitsplatz an. Die ersten Anstellungsverhältnisse mit ehemaligen
Synanon-Bewohnern werden geschlossen.
Die für Mitte September
geplante Feier zum 30-jährigen Bestehen Synanons wird wegen der
Terroranschläge am 11. September in den USA kurzfristig abgesagt. In
Briefen würdigen der Bürgermeister und Senator für Schule, Jugend und
Sport Klaus Böger sowie die Bezirksbürgermeisterin Dr. Bärbel Grygier
die herausragenden Leistungen von Synanon.
Synanon tritt dem
Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V. (FDR) bei und engagiert sich
darüber hinaus als Gründungsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft
InnerCity, einem ausstiegsorientierten Zusammenschluss mehrerer Vereine
und Verbände.
Synanon-Bewohner nehmen an einer halbjährigen
Suchthelferausbildung (168 Stunden), die von Dozenten des Paritätischen
Bildungswerks durchgeführt wird, teil und erwerben umfangreiche
Fachkenntnisse im Bereich der Suchthilfe.
Besuche: Im März
informiert sich die Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke über die Rolle
der Selbsthilfe im Selbsthilfesystem für Jugendliche. Eine Delegation
der englischsprachigen CARICOM-Staaten stattet während einer
Deutschlandreise zum Thema Humaner Strafvollzug, Resozialisierung,
Menschenrechte Synanon einen Besuch ab.
Die weltweit agierende
Selbsthilfegruppe Al-Anon als Angehörigenvertretung süchtiger Menschen
hält aus Anlass ihres 50. Bestehens eine Pressekonferenz im
Synanon-Haus ab.
Einführung des Qualitätsmanagementsystems DIN EN ISO 9001:2000 in den Synanon-Zweckbetrieben nach erfolgter Zertifizierung.
Die Verwaltung des Hotel Adlon und das Tierheim Lankwitz ziehen mit Synanon Umzüge um.
Es
wird eng im Hause Bernburger Straße 10, so dass man sich zur Aufgabe
des im Erdgeschoss des Hauses befindlichen Zweckbetriebes Café &
Markt entschließt. In die Räume zieht das Büro des Zweckbetriebes
Umzüge.
137 Bewohner per 01.01., 467 Aufnahmen, 74 Krisenaufenthalte.
1.835 Drogentote in Deutschland, davon 189 in Berlin. 224.336 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
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2002 -
Synanon holt 30-Jahres-Feier nach; Einführung der Synanon-Lebensschule;
PARITÄTISCHE Ehrennadel in Gold an Uwe Schriever verliehen;
Synanon
feiert 30-jähriges Bestehen. Mehr als 400 Gäste kommen, darunter
zahlreiche Abgeordnete des Bundestages und des Abgeordnetenhauses. Auf
der Rednerliste stehen der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus
Wowereit und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marion
Caspers-Merk.
Der Wandel von der Lebensgemeinschaft zur
Lebensschule wird vollzogen. Synanon-Bewohner werden von nun an
individuell und nach ihren jeweiligen Möglichkeiten neben der täglichen
Auseinandersetzung mit der Sucht gefordert und gefördert, die eigens
geschaffenen umfangreichen Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung in
kaufmännischen und handwerklichen Berufen für sich zu nutzen. Mehrere
Ausbildungsverhältnisse werden geschlossen.
Wechsel im Vorstand:
Für den stellvertetenden Vorstandsvorsitzenden, Thomas Rottenbücher,
der um Entlassung aus dem Vorstand aufgrund von Arbeitsüberlastung
durch seine Vorstandstätigkeit im Synanon Schmerwitz e.V. bittet, tritt
Hannelore Junge, die die kaufmännischen Angelegenheiten Synanons schon
seit Jahren begleitet, als drittes Mitglied in den Vorstand ein. Ulrich
Letzsch wird stellvertretender Vorstandsvorsitzender.
Im Mai
wird Uwe Schriever die PARITÄTISCHE Ehrennadel in Gold für Sponsoring
und langjähriges bürgerschaftliches Engagement zugunsten von Synanon -
für ein Leben ohne Drogen des Deutschen Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes verliehen.
Der Spendenverein des Berliner
Tagesspiegel unterstützt Synanon unter der Überschrift Menschen helfen!
mit 12.000 €, die für die Anschaffung dringend benötigter Betten,
Matratzen, Decken und Bezüge verwendet werden.
Beitritt zum neu
gegründeten Arbeitskreis Zukunft vererben.de, einem Zusammenschluss von
acht Vereinen und Verbänden, deren erklärtes Ziel es ist, über die
Regelung des Nachlasses aufzuklären und dazu beizutragen, dass
Vermächtnisse häufiger als bisher für die Ziele gemeinnütziger
Organisationen eingesetzt werden können.
134 Bewohner per 01.01., 502 Aufnahmen, 76 Krisenaufenthalte.
1.513 Drogentote in Deutschland, davon 170 in Berlin. 246.518 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
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2003
- Eberhard Diepgen wird Kuratoriumsmitglied; Synanon-Bewohner immer
jünger; Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat e. V.; DPWV umgezogen;
Start einer großen Plakataktion
Eberhard Diepgen, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, tritt dem Kuratorium der STIFTUNG SYNANON bei.
Trend
setzt sich fort: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene suchen
Zuflucht und Hilfe bei Synanon. Mittlerweile sind ein Drittel der
Bewohner jünger als 25 Jahre. Schon seit Jahren ist auffällig, dass die
hilfesuchenden unter 25-Jährigen neben Alkohol hauptsächlich
Aufputschmittel und Designerdrogen wie Amphetamine, Speed, Ecstasy,
Chrystal usw. konsumiert haben mit schweren physischen und vor allem
psychischen Spätfolgen wie Konzentrationsschwächen, Halluzinationen,
Psychosen, Schizophrenien, plötzlichen Angstzuständen und dergleichen.
Peter
Elsing, Vorstandsvorsitzender der STIFTUNG SYNANON und Leiter des
Synanon-Hauses, scheidet im November nach 20 Jahren
Synanon-Zugehörigkeit aus gesundheitlichen Gründen aus. Ulrich Letzsch,
stellvertretender Vorstandsvorsitzender, übernimmt die Leitung des
Synanon-Hauses.
Neues Angebot für junge Bewohner: Jugendliche
haben die Möglichkeit, in einer Reitschule im Norden Berlins Praktika
zu absolvieren. Durch die Arbeit mit Pferden soll das
Verantwortungsgefühl und das Selbstbewusstsein des Einzelnen gestärkt
werden, was in der Reittherapie als ein heilendes Moment bezeichnet
wird.
Synanon wird Mitglied im Deutschen Spendenrat e. V.
Der
Zweckbetrieb Umzüge erhält den Auftrag, den Umzug des Gesamtverbandes
des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes von Frankfurt/Main nach
Berlin durchzuführen.
Mit Unterstützung einer Werbefirma wird
eine groß angelegte Aktion gestartet, um das Angebot der Aufnahme
sofort bundesweit bekannt zu machen. Synanon-Bewohner geben auf
insgesamt 11.500 Plakaten, die in Städten wie Hamburg, Frankfurt/Main,
Berlin und Köln zu sehen sind, der Aktion im wahrsten Sinne des Wortes
ihr Gesicht.
Besuche: Von der Drogenbeauftragten des Landes
Berlin Elfriede Koller im Januar. Von DPWV-Geschäftsführer und
langjährigem Wegbegleiter Synanons Rüdiger Schmidtchen und seiner Frau
ebenfalls im Januar. Vom Präsidenten des Suchtstoffkontrollrates der
UNO sowie der Vizepräsidentin und weiteren Vertretern in Begleitung der
Landesdrogenbeauftragten sowie Vertretern aus dem Büro der
Bundesdrogenbeauftragten, Vertretern des Bundes und des Auswärtigen
Amtes im Juli.
Mittlerweile finden täglich
Suchtpräventionsveranstaltungen im Synanon-Haus statt. Aufgrund der
Authentizität, mit der Synanon-Bewohner über ihre Erfahrungen mit
Drogen sprechen und Fragen beantworten, ist die Nachfrage von Lehrern
und Schülern, Eltern, Auszubildenden in medizinisch-helfenden Berufen
und anderen sehr groß.
Pressekonferenz der Deutschen Hauptstelle
für Suchtfragen e.V. zur Vorstellung des Jahrbuch Sucht. Dabei werden
die aktuellen Suchtzahlen veröffentlicht, wonach jährlich in
Deutschland 220.000 Menschen an den Folgen ihrer Sucht sterben.
Neues
aus den Zweckbetrieben: Die Vermarktung erhält das BIO-Zertifikat. Ins
Leben gerufen wird der Zweckbetrieb Catering. Die Buffets und
Arrangements mit Produkten aus bio-dynamischem Anbau erfreuen sich
schon bald großer Beliebtheit. Das Team ist besonders stolz auf
regelmäßige Bestellungen aus Bundestag und Abgeordnetenhaus, in deren
unmittelbarer Nachbarschaft sich das Synanon-Haus befindet.
Kuratorium
und Vorstand ziehen auf einer gemeinsamen Sitzung im Oktober Bilanz.
Fünf Jahre ist es her, dass die STIFTUNG SYNANON die Suchthilfeaufgaben
des Synanon e.V. übernommen hat.
Im November findet die
Versteigerungsaktion Traumfänger der Arbeitsgemeinschaft Zukunft
vererben statt. Den Erlös (17 T€) dieser Charity-Veranstaltung, zu der
zahlreiche Prominenz aus Politik, Unterhaltung, Sport und Gesellschaft
erschienen, teilen sich die acht Mitgliedsorganisationen, zu denen auch
Synanon gehört.
112 Bewohner per 01.01., 725 Aufnahmen, 84 Krisenaufenthalte.
1.477 Drogentote in Deutschland, davon 165 in Berlin. 255.575 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
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2004
- Ausbildungsangebot wird erweitert; Baubeginn in Berlin-Karow;
Urlaubsdomizil in Steinhagen erworben; Auslauf des Qualifizierungs- und
Beschäftigungsprojektes
Ausbildungsangebot
an Synanon-Bewohner wird erweitert: Mittlerweile haben Synanon-Bewohner
die Möglichkeit, sich zwischen 13 Berufen in kaufmännischen und
handwerklichen Bereichen zu entscheiden.
Synanon übernimmt Patenschaft für angrenzenden Spielplatz in der Bernburger Straße.
Baubeginn
eines neuen Synanon-Hauses in Berlin-Karow, im Nordosten Berlins
gelegen, mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch und der
Stiftung Deutsches Hilfswerk. Synanon-Bewohner bauen unter fachlicher
Anleitung selbst mit. Jugendliche und junge Erwachsene, die vermehrt um
Aufnahme bitten, sollen sich zunächst in familiärer und ländlicher
Umgebung ihrem Alter entsprechend orientieren können, um so die für ihr
weiteres Leben so wichtigen Entscheidungen über mitunter nachzuholende
Schul- und Berufsausbildung treffen zu können. In den ebenfalls auf dem
Grundstück angesiedelten Zweckbetrieben Tischlerei und Keramik werden
Praktikumsangebote vorgehalten. Die Finanzierung des Projektes für 24
Jugendliche und junge Erwachsene ist beantragt.
Erwerb eines
Urlaubsdomiziles in Steinhagen bei Stralsund. Geplant sind der Ausbau
eines vorhandenen alten Hauses und ein Neubau. Künftig sollen kleinere
Gruppen von Synanon-Bewohner dorthin therapeutische Urlaubs- und
Wochenendfahrten unternehmen. Damit entfallen die Fahrten, die bisher
in Jugendherbergen und Pensionen führten.
Das Qualifizierungs-
und Beschäftigungsprojekt läuft endgültig zum Ende des Jahres 2004 aus.
Die Finanzierung des Landes Berlin für 30 Plätze war schon im Jahre
2003 gefährdet. In zahlreichen Gesprächen konnte eine Fortführung
dieses für Synanon-Bewohner einmalige und wichtige Projekt zur
Weiterbildung und Entschuldung - wenn auch mit Einschränkungen -
erreicht werden.
Veränderungen in Vorstand und Kuratorium:
Peter Elsing scheidet Mitte des Jahres aus gesundheitlichen Gründen nun
auch aus dem Vorstand aus, nachdem er bereits Ende des Vorjahres seine
Tätigkeit als Synanon-Hausleiter aufgegeben hatte. Den Vorsitz
übernimmt Uwe Schriever, dessen bisheriges Amt des
Kuratoriumsvorsitzenden auf den bislang stellvertretenden
Kuratoriumsvorsitzenden Peter Rohrer übertragen wird. Neue
stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende wird Ursula Birghan. Michael
Frommhold tritt für Hannelore Junge, die ins Kuratorium wechselt, in
den Vorstand ein.
152 Bewohner per 01.01., 692 Aufnahmen, 84 Krisenaufenthalte.
1.385
Drogentote in Deutschland, davon 192 in Berlin. 283.708
Rauschgiftdelikte in Deutschland. Nach einer Veröffentlichung der
Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. trinkt jeder zweite
Jugendliche regelmäßig hochprozentigen Alkohol. Das Einstiegsalter für
regelmäßigen Alkohlkonsum liegt mittlerweile bei 14 Jahren. 6 % der 12-
bis 24-Jährigen sind alkoholabhängig.
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2005 - Wohnprojekt in
Berlin-Karow eröffnet; neues Qualifizierungsprojekt löst altes
ab; Zweckbetrieb Druckerei geschlossen; Zweckbetrieb Reitschule
gegründet; Bundesverdienstkreuz an Vorstandsvorsitzenden verliehen;
Ausbildung wird groß geschrieben
Mitte
Mai wird das Wohnprojekt in Berlin-Karow feierlich eröffnet.
Bezirksbürgermeister Burkhard Kleinert heißt Synanon in seiner Rede
herzlich willkommen und sichert darüber hinaus die künftige
Unterstützung des Bezirkes zu. Das Haus zu einem großen Teil von
Synanon-Bewohnern selbst gebaute Haus bietet 24 Jugendlichen und jungen
Erwachsenen zwischen 17 und 25 Jahren Raum zur Entfaltung ihrer
Persönlichkeit und zur Erlernung einer nüchterner Lebensweise.
Erfahrene Synanon-Bewohner geben vor Ort die erforderliche
Hilfestellung.
Neues Qualifizierungsprojekt löst altes ab. Nach
den Reformen auf dem Arbeitsmarkt, welche als Hartz IV durch die Presse
gingen, und dem Wegfall des Bundessozialhilfegesetzes (BSHG), welches
die finanzielle Grundlage für das bisheriges Beschäftigungsprojekt war,
kann Synanon erreichen, dass von Juni 2006 an vom JobCenter
Friedrichshain-Kreuzberg und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds
30 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsplätze für Bewohner
gefördert werden.
Zweckbetrieb Druckerei geschlossen. Synanon
muss aus wirtschaftlichen Gründen den bereits in den Gründungsjahren
ins Leben gerufenen Zweckbetrieb aufgeben. Zahlreiche Bewohner haben
dort in all den Jahren eine Aus- oder Weiterbildung absolviert bzw.
eine sinnvolle Beschäftigung auf dem Wege ihrer Rehabilitation
erfahren.
Gründung einer Theatergruppe unter der
ehrenamtlichen Leitung der Theaterregisseurin Meike Techem. Als erstes
Stück wird Der Graf von Monte Christo aufgeführt.
Zweckbetrieb
Reitschule gegründet. Auf dem Gelände einer bereits vorhandenen
Reitanlage in Berlin-Frohnau wird dem neuen Zweckbetrieb ein eigener
Bereich zur Verfügung gestellt. Zahlreiche Synanon-Bewohner nehmen das
Angebot, dort ein Praktikum bzw. eine Ausbildung zum Pferdepfleger FN
zu absolvieren, in Anspruch. Für alle anderen interessierten
Synanon-Bewohnern besteht die Möglichkeit, Reitstunden und andere
Freizeitaktivitäten auf der Anlage wahrzunehmen.
Dem
Vorstandsvorsitzenden, Uwe Schriever, wird im September das
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland durch Bundespräsident Dr. Horst Köhler verliehen. In einer
auf Wunsch Uwe Schrievers im Synanon-Haus stattfindenden Feierstunde
mit zahlreichen Gästen aus Politik und Öffentlichkeit würdigt die
Laudatorin Dr. Heidi Knake-Werner (Senatorin für Gesundheit, Soziales
und Verbraucherschutz) sein überragend großes ehrenamtliches Engagement
zu Gunsten der Suchtselbsthilfe Synanon.
Besuche: Vom
peruanischen Minister für Drogenkontrolle im Mai und vom schwedischen
Drogenbeauftragten im Dezember. Beide Delegationen werden von
Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin begleitet.
Ausbildung:
Im September beginnen für fünf Synanon-Bewohner Ausbildungen zum
Garten- und Landschaftsgärtner, Gas-Wasser-Sanitär-Installateur,
Kaufmann für Bürokommunikation sowie Glas- und Gebäudereiniger. Zu
diesem Zeitpunkt befinden sich insgesamt 11 Synanon-Bewohner in der
Ausbildung. Der Trend von jährlich 10 Führerscheinausbildungen setzt
sich fort.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. stellt
ihr aktuelles Jahrbuch auf einer Pressekonferenz im Synanon-Haus vor.
Nach den veröffentlichten Zahlen befindet sich Deutschland europaweit
in der Spitzengruppe beim Alkoholkonsum. 9,3 Millionen Deutsche weisen
einen gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum auf. Rauschgiftdelikte
sind von 246.518 im Vorjahr auf 255.575 angestiegen.
137 Bewohner per 01.01., 642 Aufnahmen, 132 Krisenaufenthalte.
1.385 Drogentote in Deutschland, davon 192 in Berlin. 283.708 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
2006 - 35 Jahre Synanon – Resümee; Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe; ARD-Dokumentarfilm „Björns Weg aus dem Drogenrausch“; 14 Azubis im neuen Ausbildungsjahr – Bedarf steigt weiter an
35 Jahre bewegte und erfolgreiche Suchtselbsthilfearbeit liegen hinter Synanon. Mehr als 20.000 süchtige Männer und Frauen haben kurz-, mittel- bis langfristig Hilfe und Unterstützung von der Suchtselbsthilfegemeinschaft erhalten. Viele von ihnen, die in zumeist ausweglos scheinenden Notsituationen kamen, führen heute - nach erfolgreich durchlaufener Synanon-Lebensschule - ein nüchternes und zufriedenes Leben. Darüber hinaus haben die Menschen in Synanon über die vielen Jahre hinweg in ca. 320.000 persönlichen, vor allem telefonischen Beratungsgesprächen Süchtigen und deren Angehörigen, Freunden und Bekannten Auskunft, Rat, Trost und Lebenshilfe gegeben.
Und mit bisher mehr als 7.000 abgehaltenen Suchtpräventionsveranstaltungen leisten Synanon-Bewohner ihren gesellschaftlichen Beitrag, vor allem Schüler, Eltern und andere interessierte Gruppen über die Gefahren der Sucht aus eigenem Erleben aufzuklären.
Die Feierlichkeiten aus Anlass des 35-jährigen Bestehens finden am 15.09.2006 im Synanon-Haus statt. Gäste aus Politik und Öffentlichkeit, Vetreter von Vereinen und Verbänden sowie Angehörige, Freunde und Förderer Synanons sind anwesend. In besonderer Erinnerung bleiben den Bewohnern Synanons die an sie gerichteten abschließenden Worte der Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Prof. Barbara John: „Sie alle leben ihn bereits, den Rausch der Nüchternheit!“ Weitere Festredner sind die Senatorin Dr. Heidi Knake-Werner, der Vorsitzende der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Rolf Hüllinghorst und Kuratoriumsmitglied Dr. Klaus Riebschläger.
Nach langjähriger Planung erhält die STIFTUNG SYNANON am 15.02.2006 die Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport. Im eigens dafür geschaffenen Synanon-JUGENDHAUS KAROW erhalten Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderen sozialen Schwierigkeiten eine spezielle und im Hilfeplan mit den Jugendämtern festgelegte Betreuung. Das einzigartige an diesem Modellprojekt ist die enge Verzahnung von Suchtselbsthilfe durch mit im Haus lebende erfahrene Synanon-Bewohner und fachlich qualifizierter Unterstützung durch Sozialpädagogen.
Die Journalistin Ellen Trapp und ein Fernsehteam drehen den Dokumentarfilm „Björns Weg aus dem Drogenrausch“, der erstmals am 29.10.2006 in der ARD ausgestrahlt wird. Am Beispiel eines Synanon-Bewohners wird exemplarisch aufgezeigt, wie Jugendliche in den Teufelskreis der Drogensucht geraten und wie der Ausstieg in ein selbstbestimmtes Leben ohne Drogen mit Hilfe der Synanon-Gemeinschaft gelingen kann.
Im Synanon-Ferienhaus in Steinhagen wird am 25.08.2006 Richtfest gefeiert. Synanon-Bewohner sind mit Engagement und Begeisterung am Bau dieses Hauses beteiligt. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von der Aktion Mensch und von der Stiftung Deutsches Hilfswerk.
Ausbildung: Mittlerweile gibt es in Synanon 14 Auszubildende. Die Vielfalt der Ausbildungsberufe ist groß und reicht vom Kaufmann für Bürokommunikation über Gärtner, Maler und Lackierer, Koch, Tischler, Immobilienkaufmann bis hin zum neu geschaffenen Berufsbild der Fachkraft für Möbel-, Küchen und Umzugsservice.
Verschiedenes:
Start eines weiteren MAE-Projektes mit 20 Plätzen zur Qualifizierung von Bewohnern.
Synanon-Bewohner legen im Zweckbetrieb Reitschule Prüfung zum Pferdebasispass ab.
Mitglieder der Synanon-eigenen Abteilung für Zivil- und Strafsachenbearbeitung von Bewohnern besuchen mehrtägige Kurse zur Schuldnerberatung. Der Beratungs- und Betreuungsbedarf von neuen Synanon-Bewohnern in Schuldenangelegenheiten steigt.
Die Zweckbetriebe Wäscherei zieht um auf das Betriebsgelände in die Kiefholzstraße 401 in Berlin-Treptow, wo die Zweckbetriebe Bauhilfe und Malerei-Lackiererei angesiedelt sind.
Zu Gast: Eine russische Delegation u. a. mit dem stellvertretenden Minister für Jugend und Familie, dem Leiter des Arbeitsamtes in Moskau und Juristen in Begleitung des Jugendaufbauwerks.
139 Bewohner per 01.01., 444 Aufnahmen, 157 Krisenaufenthalte.
1.296 Drogentote in Deutschland, davon 173 in Berlin. 255.019 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
Etwa ein Drittel der Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland zwischen 12 und 25 Jahren haben Erfahrungen mit Marihuana und anderen illegalen Drogen. 40.000 jugendliche Konsumenten gelten als abhängig. (Quelle: Apothekermagazin „Gesundheit“)
9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken Alkohol in gesundheitlich riskanten Mengen, rund 1,3 Millionen sind alkoholkrank und 73.000 Menschen sterben an den Folgen des Alkoholmissbrauchs. (Quelle: Drogenbericht der Bundesregierung)
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2007 – Neues Mitglied im Kuratorium; Bundesdrogenbeauftragte zu Besuch, Synanon-Ferienhaus eingeweiht; Deichmann-Förderpreis erhalten
Prof. Barbara John wird im Juni 2007 als 7. Mitglied ins Kuratorium der Stiftung Synanon gewählt. Die amtierende Vorsitzende des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, LV Berlin und ehemalige langjährige Ausländerbeauftragte des Landes Berlin ist bekannt für ihr hohes soziales Engagement.
Zu Besuch: Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, im März 2007. Ihre im Vorfeld zu diesem Besuch veröffentlichte Presseerklärung trägt die Überschrift „33 Jahre Rauchfrei Synanon“ und nimmt damit Bezug auf die in jenen Tage gestartete „Rauchfrei“-Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA).
JUGENDHAUS KAROW wird am 24.10.207 feierlich eröffnet. Anwesend sind Fachleute aus Jugendämtern und Senatsverwaltungen sowie Freunde und Förderer Synanons. Auf der Grundlage des SGB VIII und in Verbindung mit § 34 und § 41 KJHG bietet Synanon süchtigen und suchtgefährdeten Menschen ab dem 14. Lebensjahr Hilfe mit fachlicher Unterstützung durch Sozialpädagogen. Die Besonderheit dieses Modellprojektes ist die enge Verzahnung zur Suchtselbsthilfegemeinschaft. Der Hausleiter ist nicht nur ein langjähriges Mitglied der Synanon-Gemeinschaft, sondern lebt mit im Haus.
Benefizkonzert des Bundesjuristenorchesters zugunsten von Synanon. Auf Initiative des Kuratoriumsmitglieds der Stiftung Synanon, Rechtsanwalt und Notar Nikolaus Ley, findet 25.2.2007 im Konzertsaal der Universität der Künste in Berlin in Anwesenheit von mehr als 850 Gästen das Symphoniekonzert am unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Justiz, Brigitte Zypries, statt.
Der Spendenverein „Menschen helfen!“ des Tagesspiegel überreichte Vertretern Synanons in einer feierlichen Veranstaltung im Haus des Malteser Hilfsdienstes in Berlin-Charlottenburg einen Scheck über 8 T€, die für Anschaffungen im Kinderbereich im Synanon-Haus von den Lesern dieser Tageszeitung gespendet wurden.
Auszeichnung mit dem Deichmann-Förderpreis für Schaffung von Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt für benachteiligte Jugendliche: Unter der Schirmherrschaft von Christina Rau, der Witwe des früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, erhält Synanon in einer feierlichen Veranstaltung den mit 5.000 € dotierten Preis. Gewürdigt wird damit der Erfolg Synanons bei der Berufsausbildung jugendlicher Bewohner.
Synanon-Ferienhaus in Steinhagen (bei Stralsund) feierlich eingeweiht: Am 13.10.2007 wird das Feriendomizil in Anwesenheit des Landrates, des Bürgermeisters, der Pastorin und Nachbarn sowie aus Berlin angereisten Mitgliedern des Kuratoriums und zahlreichen Bewohner Synanons seiner Bestimmung übergeben. Die Bewohner sind begeistert über den Standort in Ostseenähe und das Haus, das zum größten Teil in Eigenleistung gebaut und in der Sommersaison bereits von 5 Urlaubsgruppen genutzt wurde.
Synanon-Bewohner ist einer von insgesamt 253 Berliner Auszubildenden der Sommerprüfung 2007, die ihre Ausbildung mit Auszeichnung bestanden haben. Die feierliche Übergabe der Urkunde erfolgt durch den Präsidenten der IHK Industrie- und Handelskammer zu Berlin.
Informationsbesuche: Eine kubanische Delegation im März 2007, die Berliner Senatorin Katrin Lompscher und die Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara am 16.8.2007, der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland am 27.8.2007, der Fraktionsvorsitzende der FDP im Abgeordnetenhaus von Berlin Markus Löning am 28.8.2007, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Abgeordnetenhaus von Berlin Michael Müller am 28.8.2007, der Bundestagsabgeordnete Kai Wegner am 4.9.2007, die Regierungsdirektorin des Bundeskanzleramtes Susanne Wald am 6.9.2007, die Bundestagsabgeordnete Dr. Dagmar Enkelmann, eine Georgische Regierungsdelegation mit der First Lady Georgiens in Begleitung von Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums am 23.10.2007 sowie die Vorstandsvorsitzende der Peter Dornier Stiftung, Maja Dornier, am 29.10.2007.
Veranstaltungen: Die Synanon-Theatergruppe startet mit dem Stück „Che oder der Stern an der Boina“ in die neue Saison.
146 Bewohner per 01.01., 401 Aufnahmen, 155 Krisenaufenthalte.
1.394 Drogentote in Deutschland, davon 158 in Berlin. 248.355 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
Seit 2007 nimmt die Zahl der Alkoholischen Mixgetränke (Alcopops) vor allem bei Jugendlichen und Heranwachsenden durch gezielte Werbemaßnahmen der Bier- und Spirituosenindustrie dramatisch zu. Die Jugendlichen sind für neue Trink- und Lebensstile empfänglicher als früher. (Quelle: DHS, Jahrbuch Sucht)
Ein Viertel aller Jugendlichen betrinkt sich einmal im Monat mit fünf oder mehr Gläsern Alkohol. Die Krankenhausaufenthalte von Jugendlichen haben sich von 9.500 im Jahr 2000 auf 19.400 im Jahr 2005 verdoppelt. (Quelle: Drogenbeauftragte der Bundesregierung)
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2008 – Bundespräsident Dr. Horst Köhler zu Besuch; Synanon ist Gastgeber einer Deutschen Meisterschaft; Erwerb des Synanon-Hauses; Rekord bei Ausbildung erreicht
Bundespräsident Dr. Horst Köhler und seine Frau besuchen Synanon am 11. Dezember 2008 - ein Höhepunkt in der Geschichte der Suchtselbsthilfegemeinschaft: In einem Gespräch mit Vertretern von Vorstand und Kuratorium der Stiftung Synanon erklärt der Bundespräsident, dass die wichtige Arbeit Synanons Anerkennung und Respekt verdiene, was er durch seine Präsenz im Synanon-Haus öffentlichkeitswirksam unterstützen wolle. Bei einem dann folgenden Rundgang durchs Haus interessiert sich das Bundespräsidentenpaar für die Lebens- und Wohnverhältnisse der Bewohner, von denen einige im Anschluss daran bei einem gemeinsamen Essen die Gelegenheit haben, mehr zu berichten. Mit den Worten „Ich komme wieder!“ verabschiedet sich der Bundespräsident unter großem Beifall der Anwesenden im Saal. „Was für ein Tag!“ klingt es bei den Bewohnern Synanons nach.
Synanon ist vom 23.5. bis 25.5.2008 Gastgeber der Deutschen Meisterschaft der Dressurreiter mit Handicap: Erstmals in der Geschichte des Reitsports in Deutschland absolvieren Regelsportler und Sportler mit Handicap ihre Prüfungen. In ihrem Grußwort im Programmheft würdigt Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel das integrative und damit wegweisende Konzept der Veranstaltung. Austragungsort ist die Reitanlage Am Poloplatz in Berlin-Frohnau, auf dem auch er im Jahre 2005 gegründete Synanon-Zweckbetrieb Reitschule ansässig ist. Geboren wurde die Idee durch Kontakte zur Landestrainerin für den Behindertenreitsport und das Vorhaben Synanons, auf diesem Gelände ein Reittherapiezentrum zu gründen.
Die durch den Wegfall der Wohnungsbauförderungsmaßnahmen Synanon drohende Zwangsversteigerung des Stammhauses Bernburger Straße 10 konnte abgewendet werden. Die Gläubigerversammlung stimmte im September 2008 dem Kaufantrag Synanons nach einer mehr als zwei Jahre andauernden Verhandlungszeit zu.
Wechsel im Vorstand: Anlässlich einer gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand wird am 02.02.2008 Dirk Mager einstimmig als 3. Vorstandsmitglied gewählt. Er tritt in die Amtszeit seines Vorgängers Michael Frommhold ein und übernimmt die Leitung des Hauses Bernburger Straße 10.
Neuer Rekord bei Ausbildung: Der Bedarf der Bewohner Synanons nach kaufmännischer und handwerklicher Ausbildung hält ungebrochen an. 17 Auszubildende sind es allein im Jahr 2008. Die Abbrecherquote tendiert gen Null. 13 Zweckbetriebe ermöglichen Ausbildungen in mehr als doppelt soviel Berufsbildern. Besonders gefragt ist die Ausbildung zum Bürokaufmann und zum neu geschaffenen Berufsbild der Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice. Die finanzielle Belastung Synanons ist immens. Der Status der Suchtselbsthilfe erweist sich in der Situation als Handicap, da schon allein eine Zuordnung der Zuständigkeit von Behörden bei der Antragstellung auf finanzielle Unterstützung unklar ist. Gespräche mit dem Bundesministerium für Gesundheit werden aufgenommen .
Veranstaltungen: Synanon unterstützt die Aufklärungsaktion „Toter Winkel“ im Auftrag des Fachberaters für Verkehrserziehung des Berliner Senats. Wie in den Jahren zuvor demonstrieren Mitglieder des Zweckbetriebs Umzüge in ihrem eigens mitgebrachten Lkw Schülern einer 6. Klasse auf dem Schulhof die Existenz und Größe des Toten Winkels.
Filmdokumentation über Synanon von Fachjury ausgezeichnet: „Gemeinsam nüchtern werden“ lautet der Titel der Abschlussarbeit von Berliner Studenten des Fachbereichs Medien. Mehrere Regionalsender strahlen den Film aus.
Der Zweckbetrieb Clean up – Reinigung begeht 10-jähriges Bestehen. Aus dem mittlerweile zweitgrößten Synanon-Zweckbetrieb haben sich weitere eigenständige Zweckbetriebe wie Gärtnerei, Hauswartung, Heizung- und Sanitärtechnik, Elektrotechnik und andere mehr entwickelt, in denen Synanon-Bewohner Ausbildung und sinnvolle Beschäftigung unter realen Bedingungen erhalten.
Beschäftigungsmaßnahme ÖBS (Öffentlicher Beschäftigungssektor) gestartet. Als eine der ersten Einrichtungen erhält Synanon für 12 Bewohner finanzielle Unterstützung aus Mitteln des JobCenters und des ESF (Europäischer Sozialfonds) bei dem Modellprojekt „Arbeit statt Sozialhilfe bzw. ALG II“. 22 weitere Bewohner konnten in ABM-Maßnahmen vermittelt werden, die aus Qualifizierung und Beschäftigung bestehen.
Mittlerweile finden jährlich zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Sucht im Synanon-Haus statt, bei der die Suchtselbsthilfe Synanon den Rahmen bietet und gleichzeitig die Gelegenheit hat, sich den Teilnehmern vorzustellen: Im April treffen Teilnehmer der Suchtselbsthilfekonferenz der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V ein, im Oktober tagen die Mitgliederversammlung des Deutschen Spendenrates und im Juli liest die Autorin Viktoria Tapp aus ihrem Buch „Gemeinsam besiegen wir den Alkohol“ vor Bewohnern Synanons und Gästen.
Zu Gast: Eine chinesische Delegation in Begleitung von Vertretern des Bundesministeriums für Gesundheit, Deutschlandradio und Regionalrundfunksender rbb zu Interviews mit Bewohnern.
108 Bewohner per 01.01., 386 Aufnahmen, 136 Krisenaufenthalte.
1.449 Drogentote in Deutschland, davon 152 in Berlin. 239.951 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
Zuviel Zucker führt zu langfristigen Änderungen im Hirn und erhöht auch die Gefahr für den Missbrauch anderer Drogen. Auch Zucker schüttet Endorphine aus und bewirkt damit einen Rausch. (Quelle: Bart Hoebel, Princeton University)
Jeder 12. Bundesbürger über 14 Jahre trinkt täglich alkoholische Getränke, das sind etwa 5,7 Millionen Deutsche. 45% der Alkohol-trinkenden Männer haben schon einmal einen Filmriss gehabt. (Quelle: Forsa-Institut)
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2009 – Plakataktion „Aufnahme sofort!“ gestartet; Trauer um langjähriges Kuratoriumsmitglied; Wechsel im Vorstand; Besuch aus San Patrignano; Synanon wieder Gastgeber einer Deutschen Meisterschaft; Ausbildung wird groß geschrieben
Gesponsert vom Fachverband Außenwerbung startet Synanon im Oktober die bundesweit angelegte Plakataktion „Aufnahme sofort!“. Drei Menschen der Gemeinschaft geben der Aktion ihr Gesicht. Die Botschaft ist klar. Jeder kann jederzeit zu Synanon kommen, Tag und Nacht und ohne Vorbedingungen. Die insgesamt 10.000 Plakate hängen in zahlreichen Groß- und auch Kleinstädten in der Nähe von Bahnhöfen, Haltestellen und Plätzen der Drogenszene. Gleichzeitig erhalten alle Drogenberatungsstellen in Deutschland Informationsmaterial dieser Aktion. Das Interesse von Betroffenen und Fachleuten ist groß. Vertreter Synanons besuchen bundesweit Drogenberatungsstellen.
Dr. Klaus Riebschläger, Berlins Finanzsenator a.D. und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Synanon seit 1999, verunglückt im September bei einem Flugzeugabsturz tödlich. Synanon trauert um einen Freund und Wegbegleiter, der in der ersten und schwierigen Zeit der ideellen und wirtschaftlichen Neuausrichtung wesentlich zum Ansehen Synanons in Gesellschaft und Politik beigetragen hat.
Wechsel im Vorstand: Anlässlich einer gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand wird am 31.01.2009 Dr. Christian Walz einstimmig als 3. Vorstandsmitglied gewählt. Er tritt in die Amtszeit seines Vorgängers Dirk Mager ein und übernimmt die Leitung des Synanon-Hauses in der Bernburger Straße 10 und im Jugendprojekt „Jugendhaus Karow“, wo er in Abstimmung und Ergänzung zur sozialpädagogischen Leitung Ansprechpartner für die Betroffenen und deren Betreuer ist.
Andrea Muccioli, der Präsident der weltweit bekannten Suchtselbsthilfegemeinschaft San Patrignano besucht Synanon im November. Vertreter Synanons waren in den Jahren zuvor bereits in der beeindruckenden „Welt ohne Drogen“ in den Hügeln oberhalb von Rimini in Italien zu Besuch. Seit Gründung San Patrignanos durch Vincenzo Muccioli im Jahre 1978 haben dort mehr als 18.000 süchtige Menschen über mehrere Jahre gelebt. Da die Konzeption von der Aufnahme über Ausbildung, Unterstützung und Heranführung an ein eigenständiges Leben ohne Drogen der Synanons gleicht, besteht großes Interesse von beiden Seiten an einem Erfahrungsaustausch.
Nach dem Erfolg im Vorjahr ist Synanon im Juni 2009 wieder Gastgeber der Deutschen Meisterschaft für Dressurreiter mit Handicap. Die von zahlreichen Sponsoren unterstützte Veranstaltung auf dem Gelände des Synanon Zweckbetriebs Reitschule in Berlin-Frohnau steht unter dem Motto: „Eine Vision wird wahr – Integration wird selbstverständlich“. In seinem Grußwort an die Sportler, Betreuer und ehrenamtlichen Helfer der Veranstaltung hebt der Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, hervor, dass diese Veranstaltung ein lebendiger Beweis für die Integrationskraft, die der Sport besitzt, sei, was zukünftig zur Normalität werden soll.
Ausbildung wird in Synanon weiterhin groß geschrieben. Im September starten sechs Bewohner Synanons in ein Ausbildungsverhältnis, vier Bewohner schließen ihre Ausbildung erfolgreich ab. Acht Bewohner befinden sich im 2. bzw. 3. Ausbildungsjahr.
Teilnahme an zahlreichen bundesweiten Veranstaltungen zum Thema Sucht.
Die Integrationshilfe für ehemals Suchtkranke e.V., bekannt unter Marianne von Weizsäcker Fonds, feiert am 24.4.2009 in Hamm ihr 20-jähriges Bestehen. Die Gründungsidee sei ihr durch den Kontakt zu Synanon gekommen in der Zeit als ihr Mann Regierender Bürgermeister von Berlin war, sagt Marianne von Weizsäcker in ihrer Festrede. Der Kontakt besteht seitdem fort. Der Weizsäcker Fonds unterstützt Bewohner Synanons in Entschuldungsfragen durch Beratung und Gewährung von Darlehen.
116 Bewohner per 01.01., 355 Aufnahmen, 151 Krisenaufenthalte.
1.331 Drogentote in Deutschland, davon 155 in Berlin. 255.842 Rauschgiftdelikte in Deutschland.
Ende September 2009 mussten schon so viele jugendliche „Komasäufer“ betreut werden wie im ganzen Jahr 2008. (Quelle: Apotheken Umschau“)
Die Dunkelziffer der suchtartigen Nutzung des Internets, vor allem Online-Spielewelten, liegt in der Bundesrepublik bei ca. 2 Millionen Menschen. Tendenz steigend. (Quelle: Gabriele Farke, Online-Sucht Beraterin)
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2010 – Peter Elsing wieder im Vorstand; Jubiläum - 30 Jahre Drogenliga; Vorbereitung auf Synanon-Jubiläum - Appell an Verantwortliche in der Drogenpolitik
Aufgrund der großen Resonanz auf die im Jahr zuvor gestartete Plakataktion lädt Synanon ein zum „Tag der offenen Tür für Fachpublikum“, der im Februar stattfindet. Die Vertreter von Suchtberatungsstellen, Jugendämtern und –einrichtungen, Krankenhäusern, Jobcentern und Polizeidienststellen sind interessiert daran zu erfahren, wie es gelingt, jeden Einzelnen individuell in das Konzept der Synanon-Lebensschule einzubinden.
Auf einer gemeinsamen Sitzung von Kuratorium und Vorstand der STIFTUNG SYNANON am 28.10.2010 wird Peter Elsing wieder in den Vorstand gewählt. Von 1998 bis 2004 hatte er den Vorsitz in diesem Gremium, den er aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Nie wirklich weg, wie er sagt, und wieder genesen, tritt er in die Amtszeit seines Vorgängers Dr. Christian Walz als 3. Vorstandsmitglied ein und übernimmt die Leitung des JUGENDHAUS KAROW.
Die Drogenliga feiert 30-jähriges Bestehen. Synanon ist aktives Gründungsmitglied dieser heute nicht mehr wegzudenkenden sportlichen Vereinigung aus Mitgliedern verschiedener Suchthilfeeinrichtungen Berlins. Sport und Bewegung sind wichtig bei der Rehabilitation ehemals suchtmittelabhängiger Menschen, so die Motivation von Seiten Synanons. Die Turniere der Fußball- und Volleyballmanschaften an den Wochenenden tragen dazu bei, über den verbindenden Sport hinaus soziale Netzwerke zu knüpfen, Erfahrungen mit Gleichgesinnten auszutauschen bzw. Freundschaften zu pflegen.
Zu Gast im Synanon-Haus: eine Serbische Regierungsdelegation mit 11 hochrangigen Mitarbeitern verschiedener Ministerien am 24.7., deren größtes Interesse dem Weg der strikten Abstinenz gilt; eine israelische Delegation mit 11 Mitarbeitern unterschiedlicher Suchthilfeeinrichtungen aus Haifa und Tel Aviv, die sich besonders mit der Rolle der Frauen in der Selbsthilfe und ihren speziellen Problematiken und Bedürfnissen auseinandersetzen; eine Ungarische Delegation mit 8 Sozialarbeitern des Landes am 17.11. und dem besonderen Interesse am Synanon-Jugendprojekt.
Mit der Aktion „Seelenwärmeressen“ lädt Synanon am 4. Adventssontag bei klirrender Kälte von minus 14 Grad Obdachlose und Bedürftige am Bahnhof Zoo zur Erbsensuppe aus der Gulaschkanone ein. „In erster Linie geht es darum, mit den obdachlosen Menschen ins Gespräch zu kommen und ihnen Mut zu machen, den Schritt aus ihrer hoffnungslos scheinenden Situation zu wagen“, heißt es in der Presseerklärung. Gesponsert wird die zum vierten Mal in Folge stattfindende Aktion wieder vom Fleischgroßhändler Recke.
Unter der Überschrift „40 Jahre auf dem Königsweg“ im Leitartikel der Ende des Jahres erscheinenden Zeitung „Synanon heute“ 2010 richtet Synanon mit Blick auf die alarmierende Zahl von 70.000 mit Ersatzdrogen wie Methadon bzw. Diamorphin substituierten Menschen in Deutschland einen Appell an die Verantwortlichen in der Drogenpolitik, der sich dramatisch zuspitzende Suchtproblematik entgegenzuwirken. „Darf eine Gesellschaft, die für sich in Anspruch nimmt, sozial zu sein, es wirklich zulassen, dass junge Menschen mit einem Eintrittsalter von 23 Jahren, nach nur zwei gescheiterten Therapien als schwerstabhängig eingestuft, die Fahrkarte für solchen einen Geisterzug bekommen?“ wird darin gefragt. In dem Artikel macht klar, dass Ersatzdrogen keine „Krücke“ sein können und nur die absolute Abstinenz von Drogen auf Dauer eine lebenswerte Alternative für süchtige Menschen sein kann.
104 Bewohner per 1.1.2010, 248 Aufnahmen, 208 Krisenaufenthalte
Jährlich sterben in der Bundesrepublik ca. 140.000 Menschen an den Folgen des Nikotins. Es sind schätzungsweise 20 Millionen Deutsche nikotinabhängig und davon rauchen ca. 6,8 Millionen mehr als 20 Zigaretten am Tag. (Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nikotinforschung)
Die Raucherkrankheit COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) ist die vierthäufigste Todesursache. Jeder fünfte Erkrankte erhält trotz Beschwerden keine entsprechende Diagnose vom Hausarzt. (Quelle: „Canadian Medical Association Journal“)
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