Unser Leben im Jugendhaus
1. Tag der offenen Tür in Karow
Unser JUGENDHAUS KAROW hatte eingeladen und viele interessierte Gäste aus Jugendämtern, Verwaltungen und anderen Suchthilfeeinrichtungen in Berlin und Brandenburg waren gekommen. Nachdem sich anlässlich der Eröffnung unseres Jugendhauses im Oktober letzten Jahres die zahlreich erschienenen Besucher und Freunde Synanons sowie Vertreter aus Senatsverwaltungen, Jugendämtern und Fachpublikum einen ersten Eindruck vom Haus verschaffen konnten, wollten wir nun, ein gutes halbes Jahr später, noch einmal unsere Türen öffnen, um uns mit Fachbesuchern über erste Erfahrungen auszutauschen, Anregungen zu erhalten oder zu geben, aber auch, um einfach mal unser schönes Haus und seine Bewohner, den idyllischen Garten und die neu hinzugekommenen tierischen Mitbewohner vorzustellen.
Alles war besonders herausgeputzt an diesem Tag, dem 4. Juli 2008, in Karow. Das Grillbuffet lockte. Die Bewohner und die Leitung des Hauses sowie die Mitglieder unseres Vorstandes standen für den Empfang bereit. Nur das Wetter wollte nicht so recht mitspielen. Noch am Vortag zeigte das Thermometer mehr als 30 Grad im Schatten an und heute nun, am Tag der offenen Tür, nieselte und regnete es schon den ganzen Tag. Unsere Freude auf diesen Tag aber, für den sich zahlreiche Besucher angekündigt hatten, auch jene, die schon zur Einweihung im Oktober kamen, konnte dies nicht trüben.
Schon um 11 Uhr trafen die ersten Gäste ein und schon bald darauf viele andere. Neben der Besichtigung des Hauses, des Gartens und der ansässigen Zweckbetriebe hatten wir Gelegenheit, mit unseren Gästen wie Frau Ulrike Bräutigam von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Fachbesuchern verschiedener Institutionen wie der Jugendgerichtshilfe, der Jugendberatung, der Jugendberufshilfeberatung und des Regionalen Sozialpädagogischen Dienstes sowie Herrn Kreft von der CDU-Fraktion ins Gespräch zu kommen. Aber auch Vertreter und Bewohner aus verschiedenen Jugendhilfe- und Therapieeinrichtungen wie Chance, Teenex e.V., SEHstern e.V., Soziale Nachbarschaft e.V. und anderen waren gekommen, um mit uns Erfahrungen auszutauschen.
Einige Leiter befreundeter Einrichtungen brachten ihre Bewohner gleich mit. Der sich bei Kartoffelsalat und Bratwurst entsponnene Austausch zwischen diesen und unseren Jugendlichen war vor allem für die Vertreter unseres Vorstandes, die diesem beiwohnten, hoch interessant. So konnten es die jugendlichen Besucher kaum glauben, dass es möglich ist, nicht nur keine Drogen oder Alkohol zu konsumieren, denn das schaffen sie ja derzeit auch, sondern auch nicht zu rauchen. Einige von ihnen vermuteten, dass doch vielleicht getrickst wird und die Möglichkeiten, die sie aufzählten, wo, wie und wann man das versuchen könnte, zeugten schon von Professionalität. Unsere Jugendlichen erklärten, dass es eigentlich nicht schwer ist, nicht zu rauchen und sie auch nicht vorhätten, dies zu tun. Darauf hatte dann auch die Redegewandteste aus der Fraktion der Raucher nichts mehr einzuwenden. Bewundernd schaute sie den beiden, die sich dann den Fragen einer Vertreterin der Jugendgerichtshilfe stellten, nach.
Erfreulicherweise kamen auch Interessierte und Betroffene, die über unsere Homepage vom Tag der offenen Tür erfahren haben. Sie waren erstaunt über die Möglichkeiten und Chancen, die das Jugendhaus bietet. Vor allem beeindruckte sie, dass eine Ausbildung in zahlreichen Berufen wie Tischler, Gärtner, Bürokaufmann und vielen anderen mehr für jeden Bewohner des Hauses möglich ist.
Von allen Seiten erhielten wir Zuspruch und Lob für unser Konzept der Verzahnung von Jugendhilfe und Selbsthilfe. Uns so freuen wir uns auf den nächsten Tag der offenen Tür, zu dem wir jetzt schon herzlich einladen und den wir dann vielleicht bei Sonnenschein im nächsten Sommer begehen werden.
Erste Erfahrungen in der Jugendhilfe
Die Eröffnung unseres Jugendhauses im Oktober letzten Jahres weckte viel Interesse in der Fachöffentlichkeit. Wir stellten unser Konzept in den verschiedenen Gremien und Ämtern vor. Die Resonanz dort war und ist noch immer stets positiv, weil eben der Synanon-Weg in der Jugendhilfe umgesetzt wird. So kamen und kommen denn etliche Anfragen und Vorstellungen direkt in Karow zustande. Bei diesen Gesprächen stellte sich u.a. heraus, dass die absolute Rauchfreiheit für manchen Jugendlichen der Hinderungsgrund war, zu uns zu kommen. Wenn aber der junge Mensch die Möglichkeiten unseres Jugendhauses für sich entdecken konnte, vermochte er sich einzulassen und blieb.
Nun sind mehrere männliche Jugendliche/junge Erwachsene in der Betreuung. In enger Zusammenarbeit mit den betreffenden Jugendämtern wird die Hilfe bedarfsgerecht ausgestaltet. Jeder Betreute durchläuft zunächst Kurzzeit-Praktika in den verschiedenen Zweckbetrieben, später dann mehrmonatige Vertiefungs-Praktika. So sammeln die Betreuten Erfahrungen mit einer realistischen Arbeitswelt und können erste Erfolgserlebnisse für sich verbuchen. Gleichzeitig sind die jungen Menschen in die Gesprächsstruktur mit eingebunden, so dass sie sich immer wieder mit sich und ihrer Sucht auseinandersetzen. Darüber hinaus übernehmen die jungen Menschen Verantwortung und erleben, dass ihnen etwas zugetraut wird. Vor allem aber ist für die jungen Betreuten das ganz alltägliche Leben in der Gemeinschaft mit Bewohnern Synanons von entscheidender Bedeutung, da hier Vorbildwirkung, Gleichberechtigung und Vertrauen tatsächlich gelebt werden.
Schon werden erste Verhaltensänderungen sichtbar. So entdeckt ein Jugendlicher (...“ich lese nie...“) die Bibliothek für sich und ein anderer beginnt mit dem Gitarrespielen. Beim Billard-Turnier im Februar/März hingegen mussten sich unsere Jungs den erfahrenen Billardspielern der Synanon-Gemeinschaft geschlagen geben. Dies aber war der Auftakt für ein regelmäßiges Trainieren am Mittwochabend.
Diese Anfänge ermutigen, spornen an und zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir berichten weiter.

