Wie leben Frauen und Kinder in Synanon?

Mit „Mut zum Neuanfang“

Frauen und Kinder bei Synanon

Mit „Mut zum Neuanfang“, appellieren wir in unserem Flyer an süchtige Frauen und Mütter, sich aus dem Teufelskreis der Suchtmittelabhängigkeit zu befreien und zu uns zu kommen.

Wenn sie diesen Schritt endlich wagen, haben sie mitunter schon einen sehr langen Leidensweg hinter sich. Zur Ruhe kommen. Kraft für einen Neubeginn finden. Viele der Frauen, die mit oder ohne Kinder zu uns kommen, wünschen sich das am meisten. Bei uns erhalten sie die Möglichkeit dazu. Ausgewählte Mitglieder der Gemeinschaft, wir nennen sie Paten, stehen ihnen von Anfang an zur Seite, helfen über erste Schwierigkeiten hinweg und kümmern sich um die Kinder.

Überhaupt: Wenn sich Mitglieder der Synanon-Gemeinschaft in einem Punkt ihres Zusammenlebens vollkommen einig sind, dann betrifft es das Wohlergehen der Kinder, denn darüber wird stets mit Argus-Augen gewacht. Zunächst gilt es aber, Voraussetzungen zu schaffen, die den Frauen und Kindern helfen, ihren Platz in unserer Gemeinschaft zu finden. Ganz wichig ist es dann in der ersten Zeit, die räumlichen Verhältnisse so zu gestalten, dass sich alle wohl fühlen und für einen längeren Zeitraum einrichten können.

Parallel dazu werden Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge eingeleitet, behördliche Angelegenheiten geklärt und die Kinder in der benachbarten Fanny-Hensel-Schule mit integriertem Hort und Kita angemeldet. Das Verhältnis zu den Lehrern und Erziehern dieser Schule ist überaus vertrauensvoll. Auf jedes unserer Kinder gehen sie stets liebevoll ein und sind darüber hinaus behilflich bei der Vermittlung von therapeutischen und sonstigen Fördermaßnahmen, die zur körperlichen und seelischen Gesundung unserer Kinder beitragen.

In unserer Gemeinschaft leben weitaus weniger Frauen als Männer. Warum das so ist, können wir nur vermuten. Vielleicht liegt es daran, dass Suchtverhalten bei Frauen in der Gesellschaft noch immer anders bewertet wird als bei Männern. Frauen scheuen sich oft davor, sich und anderen ihr Suchtproblem einzugestehen. Vor allem möchten jene, die Kinder haben, diesen die gewohnte Umgebung erhalten, die sie aufgeben müssen, wenn sie zu uns kommen. Dieser Teufelskreis schließt sich oft nur dann, wenn andere für sie eine Entscheidung treffen, wie es jüngst bei Hanka und ihren drei Kindern der Fall war, denn das Jugendamt hatte die Familie an uns verwiesen. Wie viele vor ihr auch sagt Hanka heute, dass diese Entscheidung die seit langem beste war.

Einige Frauen unserer Gemeinschaft kämpfen darum, das Sorge- oder Umgangsrecht für ihre Kinder wieder zu erlangen. Dabei sind wir ebenso behilflich wie auch bei der Vermittlung in spezielle Therapieeinrichtungen, wenn z. B. starke psychische Erkrankungen der Frau selbst vorliegen oder wenn die Begleitung durch Fachkräfte bei massiv gestörten Mutter-Kind-Beziehungen dringend erforderlich ist. Jede Frau bringt ihr Schicksal mit, das ihr ganz eigenes ist und das doch dem der anderen ähnelt. Sie machen es sich oft nicht leicht, sowohl miteinander in ihrem geschützten Bereich als auch in der großen Suchtselbsthilfegemeinschaft Synanons zu leben. Und dennoch eint und trägt die Frauen in Synanon der Wille, gemeinsam einen Weg in ein nüchternes und selbstbestimmtes Leben zu finden.

Frauen mit Kindern sind überaus wichtig für die Synanon-Gemeinschaft. Mit ihrer Persönlichkeit, ihren Erfahrungen, ihrer Sensibilität und ihrem Engagement bereichern sie die ansonsten sehr von Männern dominierte Gemeinschaft ganz entscheidend. Sie lernen, sich zu behaupten und ihren Platz zu finden. Je mehr Frauen und vor allem Kinder im Synanon-Haus leben, um so ausgeglichener und emotional stärker ausgeprägt funktioniert das Zusammenleben. Das dies so ist, müssen auch die Mitglieder der Gemeinschaft, die dieses Thema gern mit einem Aber beginnen, an dieser Stelle einfach eingestehen.

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