August 2014: Einblicke aus einer Woche in einer anderen Lebenswelt

Projektwoche "SeitenWechsel"

SeitenWechsel

Jürgen Hildebrand (re.) und Alexander Koch vor einem Fahrzeug der Stiftung Synanon

Normalerweise ist mein Arbeitsplatz in der Mercedes-Benz Bank. Im Rahmen des Programms „SeitenWechsel“ der Patriotischen Gesellschaft war ich für eine Woche im August als Praktikant bei Synanon im Einsatz. Das Programm ermöglicht Führungskräften in sozialen Einrichtungen eine Woche mitzuarbeiten, um dort in einer „anderen Lebenswelt“ Erfahrungen zu machen, die ihre „Wahrnehmungen dauerhaft verändern“. So steht es in der Broschüre. Für Synanon hatte ich mich entschieden, weil ich zum einen relativ wenig über die Probleme von Drogensüchtigen wusste. Zum anderen ist es in dieser Einrichtung üblich, dass man in der Gemeinschaft wohnt und nicht am Abend einfach wieder in seine gewohnte Umgebung zurückgeht.

Je näher der Start rückte, umso mehr Gedanken machte ich mir: Wie wird es mir dort ergehen, wie gehe ich mit dieser „anderen Lebenswelt“ um? Schließlich war es dann soweit:  Alexander Koch, Im Vorstand der Synanon verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, erläuterte mir einige grundsätzliche Themen rund um die Drogensucht und stellte mir vor, wie meine Woche verlaufen sollte: Einstieg, wie bei jedem neuen Bewohner, in der Hauswirtschaft, Teilnahme an Gruppengesprächen sowie tägliche Mitarbeit in den Zweckbetrieben gemeinsam mit den anderen Bewohnern. Hörte sich gut an und die ersten Kontakte mit Bewohnern bestätigten dieses Gefühl. Die Offenheit und Freundlichkeit, mit der sie mir begegneten, hatte ich so nicht erwartet. Ich erfuhr von manchen Mitbewohnern, wie der Drogenkonsum sie aus der Bahn geworfen hatte.

Ihr Schicksal und ihre Entschlossenheit, ihr Leben zu ändern und ihm einen neuen Sinn zu geben, haben mich tief bewegt. Ich lernte auch, dass Synanon ihnen eine Gemeinschaft und einen drogen- und gewaltfreien Raum bietet, der sie auf ihrem neuen Weg unterstützt. Ein Ort, in dem der Mensch im Vordergrund steht. Aber es ist auch eine Gemeinschaft, die nur funktioniert, wenn sich alle an die Regeln halten, was nicht immer für alle einfach ist. Wie wertschätzend aber trotzdem konsequent in diesem Umfeld Probleme gelöst werden, hat mich wirklich beeindruckt. Diese Woche zählt nun zu den ganz wichtigen Erfahrungen in meinem Leben. Dafür möchte ich mich bei allen „Synanisten“ bedanken. Ich wünsche allen von ganzem Herzen, dass ihr Wunsch von einem freien Leben ohne Drogen in Erfüllung geht.

Über Jürgen Hildebrand:
Jürgen Hildebrand ist 54 Jahre alt, verheiratet und hat 2 erwachsene Kinder. Er ist bei der Mercedes-Benz Bank als Leiter Banking für das Produktmanagement sowie die Abwicklung der Geldanlageprodukte und der Kreditkarten verantwortlich. Seine Hobbies sind Radfahren, Joggen und Schwimmen.

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