Nachsorgeangebot

Die ersten drei bis sechs Monate nach Beendigung einer Therapie oder nach Verlassen einer Therapeutischen Gemeinschaft gelten für die Betroffenen als sehr kritische Zeit, in der 2/3 aller Rückfälle stattfinden (Anton/Schulz, 1990, Küfner et al. 1988). Durch effektive Nachsorgearbeit können Rückfallgefahren minimiert werden. Es handelt sich hierbei gleichzeitig um Vorsorge bzw. Sekundärprävention (Schwoon, 1988).
Wir halten ein umfangreiches Nachsorgeangebot bereit. Dieses reicht von finanzieller und materieller Starthilfe bis hin zur Wohnungs- und Arbeitsplatzvermittlung. Ebenso sind wir behilflich bei der Kontaktaufnahme zu Selbsthilfegruppen.

Finanzielle Starthilfe
Jeder Synanon-Bewohner, der die Lebensschule erfolgreich durchlaufen hat, bekommt zum Auszug eine finanzielle Hilfe mit auf den Weg. Darüber hinaus können wir unseren Bewohnern gebrauchte Möbel, Hausrat, Elektrogeräte und dgl., die uns gespendet werden, zur Ersteinrichtung ihrer Wohnung mit auf den Weg geben.

Wohnraumvermittlung
Wir helfen unseren Bewohnern bei der Vermittlung von Wohnungen, da es für den Einzelnen aufgrund seiner Biografie oftmals nicht leicht ist, eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt zu erhalten.

Beschäftigung, drogenfreier Arbeitsplatz
Arbeits- und Beschäftigungsprojekte sind Teil unserer Qualifizierungsangebote. Sie bieten vielfältige Möglichkeiten der allmählichen Gewöhnung an Arbeitstätigkeiten und an Arbeitsabläufe bis hin zur Vollzeitarbeit an. Nach Ablauf der Projektzeit sind die Chancen zur Wiedereingliederung der Projektteilnehmer in den Arbeitsmarkt bzw. zur Vermittlung in weiterführende Maßnahmen der Fortbildung und Umschulung realistisch. Für Bewohner, die die von uns empfohlene Zeit von 2 - 4 Jahren erfolgreich beendet haben, besteht jederzeit die Möglichkeit, einen drogenfreien Arbeitsplatz in einem unserer Zweckbetriebe zu erhalten. Anfang 2009 waren insgesamt 25 ehemalige Bewohner in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen bei uns beschäftigt.

Nachsorge auch für abstinente Suchtkranke und Suchtgefährdete aus anderen Einrichtungen

Die Möglichkeit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung bieten wir auch für abstinente Suchtkranke und Suchtgefährdete aus anderen Einrichtungen an. Die Informationen dazu finden Sie hier:

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NACHSORGE, bei uns ein großes Thema! Anton hat zu sich und dem Thema NACHSORGE einiges zu sagen! Vielen Dank, Anton, für Deine Offenheit!

"Ich wuchs in Berlin Kreuzberg in einem besetzten Haus auf. Dort war es völlig normal, dass Menschen kifften oder tranken. So bin ich von klein auf mit Drogen konfrontiert worden. Ich will damit nicht sagen dass ständig in meinem direkten Umfeld Drogen konsumiert wurden, aber doch denke ich heute, dass ich das wahrgenommen habe.

Ich habe da eine Kindheitserinnerung: In dem Päckchen Tabak das auf dem Tisch lag, war so ein komischer schwarzer Brocken der sich so schön kneten ließ, ich wusste damals natürlich nicht, was das ist. Heute weiß ich, das war mein erster Kontakt mit Haschisch.

Ich selber habe das erste Mal mit ca. 12 Jahren Haschisch auf einer Geburtstagsfeier ausprobiert. Von da an habe ich in sehr unregelmäßigen Abständen gekifft. Als ich 16 war bin ich mit meiner Mutter und meinem Adoptivvater nach Dortmund gezogen. Dort fand ich Anschluss an eine Gruppe Jugendlicher, die fast alle etwas älter als ich waren. Da habe ich dann angefangen täglich zu kiffen. Kurze Zeit später kamen dann auch Partydrogen wie „Speed“ dazu. Irgendwann habe ich mich dann nur noch zu gedröhnt. Mit 23 hatte ich meinen ersten Zusammenbruch, Job weg, Wohnung weg, Freunde und Familie wollten kaum noch was von mir wissen. Also ging ich nach Berlin zurück, meine Eltern waren zu dieser Zeit schon wieder in Berlin. Ich kam erst mal bei meinem leiblichen Vater unter zu dem ich seit kurzer Zeit wieder Kontakt hatte, und der selber starker Kiffer war. Ich hörte dort erstmals mit den chemischen Drogen auf, kiffte aber munter weiter.

Als ich 25 Jahre alt war, eröffnete meine Mutter ein Café in Berlin Kreuzberg, wo ich dann anfing zu arbeiten. Dies war mein erster Job den ich auch mal über Jahre hinwegbehalten habe, da ich dort mehr oder weniger machen konnte was ich wollte, also auch munter weiter kiffen. Vier Jahre später habe ich mit dem Kokain angefangen, und bin dem Stoff relativ schnell verfallen. Also war ich gerne und viel am Feiern und mein Konsum wuchs ständig. Dieses „Hobby“ war auf Dauer nicht zu finanzieren, also fing ich an mein Umfeld zu bestehlen und auch zu dealen. Mit der Zeit veränderte sich aber natürlich auch mein Verhalten, ich wurde immer aggressiver und auch jähzorniger, dies ging dann soweit das ich mich mit Gästen im Café schlug und auch fast nicht mehr vor meiner Mutter Halt machte.

Meine Mutter wusste einfach nicht mehr weiter mit mir und lies sich diesbezüglich auch beraten, und so kündigte sie mich und brach auch so jede Art von Unterstützung ab. Mit der Zeit wurde auch mit klar, dass irgendetwas passieren muss, also machte ich mir Gedanken über eine Therapie. Im Zuge dessen schleppte mich meine Mutter zum Drogen-Notdienst. Dort hat man uns gesagt das ich nur eine Möglichkeit habe und diese wäre Synanon, da man dort sofort hingehen kann, denn um was anderes hätte ich mich niemals gekümmert, ich hätte das immer nur vor mir hergeschoben, wäre aber nie zum Schluss gekommen. Desweitern hatte ich eine Bekannte, die eine Infoveranstaltung von Synanon besucht hatte und mir ins Gewissen geredet hat.

Also beschloss ich es auszuprobieren und bin im September 2008 das erste Mal bei Synanon aufgeschlagen. Ich kann mich immer noch gut daran erinnern wie verloren ich mir damals in diesem großen Haus unter den vielen fremden Menschen vorkam, aber wo sollte ich hin - ich hatte keinen Job, keine Wohnung und meine Familie wollte auch nichts mehr von mir wissen, so blieb mir erst mal nur zu bleiben. Ich kann mich immer noch an meine erste Gruppe erinnern. Wir saßen alle in einem Kreis und ich zwischen zwei Bewohnern, die sich 10 Minuten lang anschrien. Ich dachte die ganze Zeit nur wo ich hier gelandet bin. Als die Gruppe zu Ende war saßen wir zusammen und aßen ein Stück Kuchen, und alles war vergessen. Dies hat mich doch schwer beeindruckt. In der ersten Zeit war man sehr aufmerksam mit neuen Leuten und es wurde sich gekümmert. So war man nicht alleine und es gab immer die Möglichkeit zu einem Gespräch. So fand ich doch überraschend schnell in die Gemeinschaft.

Aber leider habe ich vergessen an mir zu arbeiten, ich war halt leider nur einfach da und lies alles über mich ergehen. Also lernte ich auch nicht wirklich für mich was dazu. Als ich mich dann nach 15 Monaten auf die Bank setzte um zu gehen, war der Rückfall schon vorprogrammiert. Aber ich wollte das damals einfach nicht wahrhaben und war fest von mir überzeugt.

Ich bin dann direkt ins betreute Gruppenwohnen gegangen, und habe auch direkt wieder angefangen zu rauchen. So lange ich in Betreuung war, ging auch alles gut. Ich bin dann nach 1 ½ Jahren wieder nach Kreuzberg in mein altes Umfeld gezogen, weil ich mich einfach nicht von Kreuzberg trennen wollte und nicht sehen konnte das es für mich ein Spiel mit dem Feuer ist.

Ende des Jahres 2012 war es dann wieder soweit. Ich hatte wieder alles verspielt, keinen Job, keine Wohnung und kein Kontakt zur Familie. Also bin ich im Dezember 2012 wieder zu Synanon gegangen.

In den Jahren hatte sich doch einiges bei Synanon verändert, die Standards hatten sich weiter entwickelt. Für mich war die erste Zeit diesmal besonders schwer, da ich unheimliche Probleme hatte, mir einzugestehen, dass ich es nicht hinbekommen hatte und wieder von vorne anzufangen. Ich hatte mir gesagt, dass ich dieses mal was anders machen wollte. So beteiligte ich mich sehr in den Gruppen. Nach kurzer Zeit bin ich in den Zweckbetrieb Clean Up gekommen, gerade dort konnte ich am Anfang lernen mich in einem Team zu beteiligen und auch mal andere Bedürfnisse als die eigenen wahrzunehmen und Kompromisse zu finden.

Des Weiteren habe ich mit der Zeit auch immer mehr Verantwortung übertragen bekommen und musste lernen damit umzugehen, das konnte ich bis dahin nicht. Auch das Thema Freizeitgestaltung, war für mich sehr einseitig, innerhalb von Synanon hatte ich nun die Möglichkeit meine Erfahrungen diesbezüglich zu erweitern, grade was kulturelle Veranstaltungen anging, entdeckte ich ein großes Interesse.

Nach einiger Zeit bin ich dann ins Büro des Zweckbetriebs Umzüge gewechselt, wo ich auch meine beruflichen Interessen teilweise ausleben und ausprobieren konnte. Nach einiger Zeit entfachte mein Interesse an der Buchhaltung auch wieder, und ich bekam die Möglichkeit einige Kurse an der VHS zu besuchen und mich weiterzubilden.

In der Zeit innerhalb Synanon hatte ich viele Möglichkeiten an mir zu arbeiten und mich weiterzuentwickeln. So kam ich nach etwas über 2 Jahren zu dem Entschluss auszuziehen, aber dennoch die Anbindung ans Haus und an die Bewohner zu haben, da einige auch mit der Zeit zu Freunden geworden sind. So bemühte ich mich um eine Anstellung bei Synanon. Im Juli 2015 nach 2 ½ Jahren Synanon zog ich in eine Nachsorge-WG von Synanon und bekam eine Anstellung. Bis heute habe ich noch den regen Austausch mit anderen Süchtigen und wohne und arbeite in einem cleanen Umfeld, welches mir das Leben ohne Drogen doch um einiges vereinfacht.

Gerade die Anstellung bei Synanon ist für mich ein Segen, da ich als Drogenabhängiger in der freien Wirtschaft so gut wie keine Möglichkeiten hätte in dem Bereich zu arbeiten, der mit liegt und Spaß macht und somit eine Grundzufriedenheit zu entwickeln. Ich hoffe diesen Weg noch eine Weile gemeinsam mit der Gemeinschaft begehen zu können."

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